Schiesserei am helllichten Tag schreckt Martigny auf

Eine Serie von Schlägereien schockiert die Bürger der Unterwalliser Stadt. Die jüngste endete an Pfingsten tödlich. Der Stadtpräsident wünscht sich härtere Strafen für die Täter.

Der Place Centrale in Martigny: Hier kam es zur Schiesserei.

Der Place Centrale in Martigny: Hier kam es zur Schiesserei.

(Bild: Keystone)

Richard Diethelm

Der Stadtpräsident von Martigny, Marc-Henri Favre, ist um den guten Ruf seiner 16 500 Einwohner zählenden Stadt besorgt. Seit dem vergangenen Herbst geriet Martigny fünfmal wegen Schlägereien und Messerstechereien in die Schlagzeilen. Trauriger Höhepunkt dieser Serie war ein Streit zwischen rund zehn Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien und fünf Einwanderern von den Kapverdischen Inseln mit portugiesischem Pass, der am Pfingstsonntag kurz nach 19 Uhr auf dem belebten Hauptplatz der Stadt in eine wilde Schiesserei mündete.

Einer der mutmasslichen Täter, ein 36-jähriger Serbe, wurde in die Brust getroffen und erlag später seinen Verletzungen. Auf der Gegenseite erlitt ein Schütze nicht lebensgefährliche Bauchdurchschüsse. Der Kapverdier befindet sich in Untersuchungshaft. Er war bereits im Oktober unter Alkoholeinfluss in eine Schlägerei verwickelt und griff dabei Polizisten an. Ein Gericht verurteilte den Mann danach wegen Gewalt gegen Beamte zu 80 Tagen gemeinnütziger Arbeit.

Nicht nur Ausländer

Stadtpräsident Favre ärgert sich, dass eine «sehr kleine Minderheit» die Stadt in Verruf bringe, obschon in Martigny die Integration der ausländischen Wohnbevölkerung (Anteil 35 Prozent) gut funktioniere.

An den Schlägereien waren nicht immer dieselben Personen beteiligt. In einem Fall stiess ein Schweizer einem Jungen ein Messer in den Bauch; in einem andern Fall zückten zwei französische Touristen bei einer Rauferei in einer Diskothek die Messer.

Favre führt die jüngsten Ereignisse einerseits auf die höhere Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft zurück, die sich auch in Sportstadien und auf Schulhöfen zeige. Anderseits kritisieren Favre und der Sprecher der Kantonspolizei, Jean-Marie Bornet, das Strafgesetz und Gerichte würden Täter bei derartigen Delikten zu milde bestrafen.

Wallis gilt als sicheres Pflaster

«Wenn die Bestrafung nicht repressiv ist, kommt es zu Wiederholungstaten», sagt Favre mit Blick auf den Fall des Kapverdiers. Ob Ausländer oder Schweizer, solche Gewalttäter gehörten mit Gefängnis bestraft und nicht bloss mit gemeinnütziger Arbeit oder einer Geldbusse mit geringen Tagesansätzen.

Im Vergleich etwa zur Grossstadt Genf gilt das Wallis als sicheres Pflaster. Laut Bornet weist die Kriminalstatistik dreimal weniger Gewaltdelikte als in anderen Westschweizer Kantonen aus; seit 2005 gab es im Kanton nur zwei Tötungsdelikte. Daher schreckte die jüngste Tat die Bevölkerung von Martigny und ihren Stadtpräsidenten auf: «Leute, die am helllichten Tag mit einer Waffe im Sack herumspazieren, haben bei uns keinen Platz», sagt Favre.

Tages-Anzeiger

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