Das ist der erste Wolfswelpe der Schweiz

Im Calandamassiv sind junge Wölfe gesichtet worden. Es ist das erste Mal, dass Wölfe in der Schweiz Nachwuchs zeugten. Eine Expertin spricht von einer Sensation.

Tappte in die Fotofalle: Der Welpe im Calandamassiv.

Tappte in die Fotofalle: Der Welpe im Calandamassiv.

(Bild: Orlando Galliard)

Zwei in den letzten Tagen beim Amt für Jagd und Fischerei Graubünden unabhängig voneinander gemeldete Beobachtungen von Wolfswelpen bestätigen, dass die seit längerem am Calanda beheimateten Wölfe Nachwuchs bekommen haben. Nun tappte einer der kleinen Wölfe in eine Fotofalle. Es ist dies der erste gesicherte Nachweis eines Wolf-Familienrudels in der Schweiz seit der Rückkehr dieses Grossraubtieres 1995 in die Schweiz.

«Die Welpen sind bereits mehrere Stunden alleine unterwegs, die Familie kommt aber immer wieder zusammen», sagt Marcel Michel, Mitarbeiter beim Amt für Jagd und Fischerei Graubünden zu baz.ch/Newsnet. Man werde nun die Wolfsfamilie einfach weiter beobachten, ansonsten greife man nicht ein. Die Wolfsfamilie habe sich bislang von Wildtierbeständen ernährt, Probleme mit Herdentieren habe es keine gegeben.

Absolut spektakulär

«Das sind die ersten Wölfe, die in der Schweiz seit ihrer Ausrottung vor 150 Jahren geboren wurden», sagte Hannes Jenny vom Amt für Jagd und Fischerei zur Nachrichtenagentur sda. Absolut spektakulär sei das, freute sich der Wildbiologe. Damals bei der Rückkehr der ersten Wölfe habe man an so etwas wirklich nicht geglaubt. Nun zeige sich, dass die Alpen den Tieren offenbar die notwendige Lebensraumqualität zur Familiengründung bieten würden.

Bei den jungen Wölfen handelt sich um Nachwuchs der seit längerem am Calanda beheimateten zwei Wölfe. Die beiden Grossraubtiere sind letzten November erstmals zusammen gesichtet worden. Es war aber vorerst noch unklar, ob es sich um ein Paar oder zwei gleichgeschlechtliche Tiere handelt.

Wie viele Mitglieder die Wolfsfamilie nun zählt, ist noch unklar. Normalerweise zählt ein Wurf vier bis sechs Welpen. Meistens überleben aber nicht alle. Wie es am Calanda weitergehe, könne man nicht voraussagen, erklärte Jenny. In der Regel würden junge Wölfe mit anderthalb Jahren selbständig und verliessen die Eltern. Bei einer so kleinen Familie müsse das aber nicht der Fall sein.

Auffällig dicker Bauch

Auch Christine Steiner, Präsidentin vom Verein CHWolf ist begeistert: «Das ist eine Sensation», kommentiert sie die Fotos gegenüber baz.ch/Newsnet. Ein Jäger aus Malans hat im Frühling erstmals eine trächtige Wölfin fotografiert. Das Bild zeigt ein weibliches Raubtier mit einem auffällig dicken Bauch. Bislang rätselte man darüber, weshalb sich die Wölfe in der Schweiz noch nicht vermehrt haben, während sie sich in anderen Ländern rasch fortpflanzten.

Weitere Wolfsrudel möglich

Bislang wusste man offiziell von zehn Wölfen, die durch die Schweizer Wälder ziehen. Man rechnet allerdings mit bis zu zehn weiteren Tieren. Seit 1995 der erste Wolf in die Schweiz zurückkehrte, konnte bis zum heutigen Fotobeweis des Jungtieres keine Reproduktion unter den Tieren festgestellt werden. Die Ursachen dafür sind unbekannt. Experten vermuteten, dass möglicherweise auf legalem wie illegalem Wege zu viele Wölfe abgeschossen wurden.

In einem früheren Interview mit baz.ch/Newsnet prognostizierte Danielle Gugolz, Projektleiterin Grossraubtiere beim WWF, weiteren Nachwuchs: «Ich denke, in zehn Jahren werden wir mehrere Wolf-Familien in der Schweiz haben.» Es wäre auch möglich, dass der Wolf dann vermehrt ins Flachland vordringt.

Ohne Herdenschutz geht es nicht

Ob es nun in Graubünden zu mehr Konflikten mit den Wölfen kommt, hängt stark von der Härte des nächsten Winters ab. Eines sei aber klar, betont der Wildbiologe: «Wenn man ja zum Wolf sagt, muss man auch ja zum Herdenschutz sagen.» Und der koste nun mal etwas. Am Calanda sei der Herdenschutz glücklicherweise gut ausgebaut.

Berggänger müssen vor den Wölfen keine Angst haben. Die Grossraubtiere gehen Menschen aus dem Weg. Man dürfe sich glücklich schätzen, so Jenny, nur schon den Kot der Tiere zu entdecken oder deren Spuren im Schnee.

In ganz Graubünden lebt rund ein halbes Dutzend Wölfe – die jungen Welpen nicht eingerechnet. Exakte Zahlen hat das Amt für Jagd und Fischerei nicht. Der Grund ist, dass die meisten dieser Grossraubtiere nicht sesshaft werden, sondern weit herumschweifen und auch mal den Kanton verlassen.

Mit Material der Agentur sda

baz.ch/Newsnet

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