«Monterosso gibt es nicht mehr»

Heftige Erdrutsche und Sturzfluten haben das beliebte Touristengebiet Cinque Terre getroffen. Es sei wie der Weltuntergang gewesen, berichten Einwohner von Monterosso, das als Perle der ligurischen Küste gilt.

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Viele Touristen, die in die Cinque Terre gereist sind, kennen Monterosso al Mare. Wer im einstigen Fischerdorf war, spricht von einem Ferienparadies. Monterosso, wo etwa 1500 Menschen leben, ist jetzt aber kaum mehr wiederzuerkennen. Nach den heftigen Unwettern in der Nacht auf Mittwoch haben Schlamm- und Wassermassen das malerische Dorf an der Küste Liguriens überflutet. «Monterosso gibt es de facto nicht mehr», sagte gestern Nachmittag Bürgermeister Angelo Betta, der nach der Katastrophe sichtlich aufgewühlt war, wie die Zeitung «La Stampa» berichtet. Der untere Teil des Dorfes sei komplett von Geröll begraben worden. Betta berichtet von Millionen Kubikmeter Schlamm und Steinen. Monterosso war vorübergehend von der Aussenwelt abgeschnitten.

In der Region von Cinque Terre am Ligurischen Meer hatte es stundenlang sintflutartige Niederschläge gegeben. Häuser stürzten ein, Strassenverbindungen waren unterbrochen, mehrere Brücken brachen ein. Der Zivilschutz hatte die Bevölkerung aufgerufen, zu Hause zu bleiben. «Es war wie der Weltuntergang», berichteten Augenzeugen gemäss Medienberichten. Eine Frau erzählte, wie sie auf einer überschwemmten Strasse – knietief im Wasser stehend – von Rettungskräften in Sicherheit gebracht worden sei. Nur wenige Augenblicke später sei die Strasse vor ihrem Tabakwarenladen von einer Schlammlawine überschwemmt worden. Die Frau hatte grosses Glück im Unglück. Rettungsmannschaften hatten Probleme, zu den Menschen in den Überschwemmungsgebieten vorzudringen. Zum Teil sollen Bewohner des Küstenortes vom Meer aus in Sicherheit gebracht worden sein.

Geröll bis zu drei Meter hoch

Einwohner, Helfer und Journalisten berichten von unpassierbaren Strassen in Monterosso, auch von Geröll, das eine Höhe von bis zu drei Metern erreicht. Autos und Motorräder, aber auch Tische und Stühle von Restaurants waren von den Fluten mitgerissen und von Schlamm und Schutt begraben worden. Die Unwetter beschädigten die Strom-, Gas- und Wasserleitungen. Die Situation sei viel schlimmer als bei der grossen Überschwemmung von 1966, erinnert sich ein älterer Einwohner von Monterosso. Die schlimmste Nachricht ist, dass mehrere Menschen vermisst werden. Die Chance, diese Menschen lebend zu bergen, wird immer kleiner. Auch die Küstenwache war im Einsatz, nachdem Befürchtungen laut geworden waren, einige der Vermissten könnten von den Wassermassen ins Meer gerissen worden sein.

Inzwischen sind in Monterosso die Aufräumarbeiten angelaufen. Laut Bürgermeister Angelo Betta sind Tausende im Einsatz. Zunächst müssten die Strassen von Schlamm und Schutt, mitgerissenen Bäumen und Fahrzeugen befreit werden. Den Zustand der Häuser und anderer Gebäude beurteilt er positiv: «Diese sind zwar alt, aber solid.» In Monterosso gebe es keine illegalen oder schlecht gebauten Häuser. Laut einem Bericht der italienischen Nachrichtenagentur Adn Kronos hofft Bürgermeister Betta, dass die Aufräum- und Instandstellungsarbeiten bis im Frühling abgeschlossen werden können.

Mindestens sieben Tote

Die Erdrutsche und Überschwemmungen haben neben Monterosso auch Vernazza, die andere Perle der ligurischen Küste im Raum Cinque Terre, stark getroffen. Mindestens sieben Tote und sieben Vermisste – das ist die vorläufige Bilanz der schweren Unwetter, die Teile von Ligurien und der Toskana ins Chaos gestürzt haben. Wie die Behörden mitteilten, waren die meisten Opfer in dem Weinbauerndorf Borghetto Vara zu beklagen. Zwei weitere Menschen kamen in Aulla in der nahe gelegenen Provinz Massa-Carrara ums Leben, ein weiterer in Monterosso. Etwa 350 Personen mussten wegen der Überschwemmungen ihre Wohnungen verlassen, wie italienische Medien berichten.

Die Bahnlinie zwischen Genua und der Hafenstadt La Spezia bleibt bis auf weiteres gesperrt, auch die Verbindung zwischen La Spezia und Parma ist unterbrochen. Wegen einer einsturzgefährdeten Brücke ist die Autobahnstrecke zwischen La Spezia und Parma nicht passierbar. Dies alles hat auch heute erhebliche Verkehrsprobleme verursacht. Schätzungen zufolge betragen die Schäden durch die Unwetter über 90 Millionen Euro.

vin

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