«Griechenmord»-Prozess: Die Strafe wird verschärft

Das Ausserrhoder Obergericht hat im Herisauer «Griechenmord» das Strafmass erhöht. Der Angeklagte muss für elf Jahre hinter Gitter.

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Das Kantonsgericht hatte den Angeklagten, einen 36-jährigen gebürtigen Kosovaren, im Jahr 2009 zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt. Der Staatsanwalt appellierte gegen jenes Urteil: Das Strafmass gegen den mutmasslichen Haupttäter, der im Februar 2005 in Herisau einen 38-jährigen Griechen erschossen hatte, sei zu tief. Der Angeklagte befindet sich im vorzeitigen Strafvollzug. Das neue Urteil ist noch nicht rechtskräftig; die Parteien können noch beim Bundesgericht Beschwerde erheben, wie das Obergericht am Montag mitteilte.

Staatsanwalt: Vorwurf einer Exekution»

Der Staatsanwalt hatte die Tat während des Prozesses als «eigentliche Exekution» bezeichnet. Er forderte 15 Jahre Freiheitsstrafe wegen Mordes. Der Verteidiger plädierte auf Freispruch, fahrlässige Tötung oder eventuell sechs Jahre Freiheitsstrafe für vorsätzliche Tötung. Beide blieben im Verfahren vor Obergericht bei ihren Anträgen.

Der Angeklagte hatte den Griechen nach einem Streit erschossen, an dem er selbst gar nicht beteiligt war. Vor der Tat war es zwischen dem Schwager des Schützen und dem Griechen zu einer Schlägerei gekommen. Dabei brach der Grieche seinem Widersacher das Nasenbein. Der Verletzte drohte dem Griechen mit dem Tod.

Am Abend wollten Verwandte des Verletzten den Griechen zur Rede stellen. Sie lockten ihn unter einem Vorwand aus dem Haus. Der genaue Tathergang blieb ungeklärt. Vor Gericht vermochte sich der Angeklagte an nichts mehr zu erinnern. Die Tatwaffe blieb verschwunden. Einer der Beteiligten hatte sie angeblich in einem Abfallkübel entsorgt.

Notwehr von den Richtern ausgeschlossen

Die Verteidigung hatte auf Notwehr plädiert. Der Mann habe die Waffe aus Angst gezogen. Möglicherweise sei der Sicherungshebel defekt gewesen und der Schuss unabsichtlich losgegangen. Das Kantonsgericht folgte dieser Argumentation mehrheitlich. Nicht so jedoch das Obergericht: Der Angeklagte habe sich nicht in einer Notwehrsituation befunden. Es hätten auch keine Umstände vorgelegen, die den Täter glauben machen konnten, er befinde sich in einer Notwehrlage.

Im Gegensatz zum Kantonsgericht, das von mittelschwerem Verschulden ausgegangen war, qualifizierte das Obergericht das Verschulden des Angeklagten als mittel bis schwer, mit einer «Tendenz eher Richtung schwer», wie es heisst. Dabei spielte die Aussage eines Augenzeugen eine wichtige Rolle.

Der «Griechenmord» wurde nun zum vierten Mal von einem Ausserrhoder Gericht beurteilt: 2006 hatte das Kantonsgericht den mutmasslichen Täter zu neun Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Das Obergericht erhöhte die Strafe 2007 auf zehn Jahre.

Wichtiger Augenzeuge wurde nicht befragt

Dagegen erhob der Verurteilte Beschwerde ans Bundesgericht. Dieses wies den Fall mit einem massiven Kritikpunkt an die Ausserrhoder Justiz zurück: Der Augenzeuge hatte die Tat von seinem Auto aus beobachtet und der Polizei gemeldet. Er war weder vom Verhörrichter noch vom Staatsanwalt befragt worden. Dieses Vorgehen, so das Bundesgericht sei «nicht nachvollziehbar». Nachträglich wurde der Zeuge befragt. Seine Aussage führte nun zu einem höheren Strafmass.

raa/sda

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