«Der Temperaturüberschuss ist krass»

Die meisten freuen sich über die aussergewöhnlich warmen Sonnentage im April. Doch das schöne Wetter birgt auch Nachteile: Bereits gab es erste Waldbrände. Doch richtig prekär wird die Lage erst an Ostern.

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Seit Tagen ist das Wetter strahlend schön und sommerlich warm. Zu warm für diese Jahreszeit, wie Felix Baum vom Wetterdienst «Meteodienst» auf Anfrage von baz.ch/Newsnet sagt: «Bisher übersteigen die Temperaturen die Durchschnittswerte der Vorjahre um 3 bis 5 Grad». Und das bereits in der ersten Hälfte des als Regenmonat bekannten Aprils. «Ein Temperaturüberschuss von 5 Grad ist krass», so der Wetterexperte. Schweizweit liegen die Niederschläge bis zur Monatsmitte erst bei 15 bis 30 Prozent des zu erwartenden Niederschlags.

Im Tessin regnet es im April normalerweise 150 Liter pro Quadratmeter, doch dieses Jahr hat es noch gar keine Niederschläge gegeben. In Zürich liegen die Niederschläge bei 16 Litern pro Quadratmeter bei einem Sollwert von 87 Litern. Wegen der Trockenheit wurde im Tessin und in der Romandie die Waldbrandstufe drei ausgerufen, Feuerstellen im Freien sind verboten.

Erhöhte Waldbrandgefahr

Doch trotz Feuerverbot kommt es immer wieder zu Waldbränden. Zuletzt im Berner Bremgartenwald, wo am Samstagabend zwei Hektare Wald und Unterholz abgebrannt sind. Auch Glarus, Freiburg, Wallis und St. Gallen haben zur Vorsicht aufgerufen.

Mit Ostern stehen besonders kritische Tage vor der Tür: «Die Statistiken zeigen, dass es über Wochenenden und Feiertage deutlich mehr Waldbrände gibt», sagte Michael Reinhard von der Abteilung Wald im Bundesamt für Umwelt (Bafu) auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Grund dafür ist nach seinen Angaben, dass Waldbrände vor allem durch Nachlässigkeit ausgelöst werden.

Bauern warten auf Regen

Während sich die meisten an den sommerlichen Temperaturen erfreuen, warten viele Obst- und Gemüsebauern ungeduldig auf Regentage. «Wenn es derart trocken ist, gehen die Saaten schlecht und unregelmässig auf», sagt Hans-Peter Kocher von der Gemüseproduzentenvereinigung der Kantone Bern und Freiburg. Zuckerrüben etwa würden unter diesen Umständen unregelmässig wachsen, was zu einem tieferen Zuckergehalt führe. Auch Salate und andere Kulturen im Freiland litten unter Wassermangel.

Um dies zu verhindern, haben die Bauern im Grossen Moos, dem Gemüsebeet der Schweiz, ihre Pumpen voll aufgedreht. Dass die Kulturen bereits im April bewässert werden müssen, ist ungewöhnlich: «Ich kann mich nicht erinnern, dass eine Bewässerung jemals schon so früh notwendig war». Im Frühling regne es in der Regel genug.

Gemüseüberschuss wegen Bewässerung

Laut Kocher sind die Gemüsebauern im Grossen Moos aber abgesichert: «Dieses Jahr konnte alles unter idealen Bedingungen gesät und gepflanzt werden.» Nach seinen Angaben gedeihen die bewässerten Pflanzen so gut, dass bereits Überschüsse befürchtet werden.

Das Wasser, das im grossen Moos auf die Felder gepumpt wird, stammt in der Regel aus der Broye oder dem Hagneck-Kanal. Deren Wasserstände können seit der 2. Juragewässerkorrektion reguliert werden, sodass hier trotz Bewässerung vorerst keine Knappheit droht. Anders sieht es in Hanglagen aus oder im Gebiet der Biberen im Kanton Freiburg: «Dort könnte das Wasser unter Umständen knapp werden», befürchtet Kocher.

Weniger Schädlinge

Weil die Obstbäume zurzeit nicht viele Blätter tragen, leiden sie noch nicht so stark unter Wasserstress, so Carole Enz der Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil. Das trockene Wetter hat auch positive Effekte, wie Enz ausführt: «Solange es warm aber nicht feucht ist, vermehren sich Schadenerreger wie der Feuerbrand bei Obstbäumen oder die Schwarzfleckenkrankheit bei Weinreben weniger». Reben mussten dieses Jahr noch nicht mit Pflanzenschutzmittel gegen den erwähnten Pilz behandelt werden. Das warme Klima hilft zudem den Bienen bei ihrer Bestäubungsarbeit.

baz.ch/Newsnet

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