Tours, Dijon, Nantes – was ist in Frankreich los?

Mit Fahrzeugen in Passanten gefahren, mit Messer auf Polizisten los: Drei gewaltätige Zwischenfälle schrecken die Franzosen auf.

Die Hintergründe des Vorfalls sind unklar: Der Kleinlaster in den Trümmern des Weihnachtsmarktes.

Die Hintergründe des Vorfalls sind unklar: Der Kleinlaster in den Trümmern des Weihnachtsmarktes.

(Bild: AFP)

Ein Zwischenfall in der Stadt Nantes und zwei andere Angriffe sorgen in den Tagen vor Weihnachten in Frankreich für Angst.

Ein Autofahrer hat in der westfranzösischen Stadt Nantes seinen Wagen nach Behördenangaben absichtlich in eine Menschenmenge auf einem Weihnachtsmarkt gefahren. Elf Menschen seien am Montag verletzt worden, darunter auch der Fahrer selbst, der den Angaben zufolge nach dem Vorfall mehrere Male auf sich selbst einstach. Innenminister Bernard Cazeneuve wollte noch am Abend nach Nantes reisen.

Das französische Fernsehen zeigte Videoaufnahmen von dem Zwischenfall. Darauf war eine weisser Van auf dem Weihnachtsmarkt zu sehen. Innenministeriumssprecher Pierre-Henry Brandet sagte im Fernsehen, der Fahrer sei «absichtlich in die Menge» gerast und gehöre zu fünf Personen, die schwer verletzt worden seien.

Vorfall in Dijon

Der mutmasslich vorsätzliche Angriff in Nantes folgte auf zwei Attacken in Frankreich am Wochenende, nach denen die französischen Behörden zu erhöhter Wachsamkeit im ganzen Land aufgerufen hatten. Bei einer davon hatte eine Fahrer in der Stadt Dijon 13 Fussgänger umgefahren, bei der anderen war ein vor kurzem zum Islam konvertierter Mann in Joué-lès-Tours, einem Vorort der Stadt Tours, mit einem Messer auf Polizisten losgegangen. Zwei Beamte wurden schwer verletzt, der Angreifer wurde schliesslich erschossen.

Nach der Attacke in Dijon wurde der Fahrer festgenommen. Der Zwischenfall hatte nach Angaben der ermittelnden Staatsanwaltschaft vom Montag keinen terroristischen Hintergrund. Der Täter habe seit langem psychische Probleme, erklärte Staatsanwältin Marie-Christine Tarrare. Seit 2001 sei der Mann 157 Mal in psychiatrischen Kliniken gewesen. Der in Frankreich geborene Sohn nordafrikanischer Einwanderer habe alleine gehandelt und keine religiösen Motive gehabt, sagte sie. Stattdessen sei der 40-Jährige über die Behandlung tschetschenischer Kinder aufgebracht gewesen.

Er habe bei dem Zwischenfall «Allahu Akbar» (Gott ist gross) gerufen, um sich selbst Mut zuzusprechen, nicht aus religiöser Überzeugung. Am Montag waren noch acht der 13 Verletzten in medizinischer Behandlung. Innenminister Cazeneuve besuchte die Stadt am Montag.

Festnahme in Burundi

Der 20-jährige getötete Angreifer von Joué-lès-Tours stammte nach Angaben der Pariser Staatsanwaltschaft aus Burundi. Die Ermittler gingen davon aus, dass er von seinem ein Jahr jüngeren Bruder an den radikalen Islam herangeführt worden sei. Der Bruder sei am Montag in Burundi festgenommen worden und werde verhört, sagte Staatsanwalt François Molins.

Die Terrormiliz Islamischer Staat und andere Extremistengruppen hatten zuletzt wiederholt zu Attacken gegen Frankreich aufgerufen - unter anderem als Vergeltung für die französische Beteiligung an den von den USA geführten Luftangriffen gegen IS-Kämpfer im Irak. Einige Extremisten erklärten sogar, jeder, der wütend auf die Regierung in Paris sei, könne Autos oder Messer nutzen, um als «einsamer Wolf» Anschläge auszuführen. Zuletzt war am Freitag ein entsprechendes Video veröffentlicht worden.

wid/AFP

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