Andreas wer?

Es gibt auch Erwachsene, die sich so verhalten, wie Kinder, die sich an der Aufmerksamkeit, die ihre Missetaten hervorrufen, erfreuen. Andreas Glarner wäre so ein Beispiel.

Andreas Glarner steht offenbar gerne im Mittelpunkt. Augenscheinlich auch dann, wenn er in diesen aufgrund seiner Fehlleistungen gerät. Aufmerksamkeit schein ihn anzustacheln.

Andreas Glarner steht offenbar gerne im Mittelpunkt. Augenscheinlich auch dann, wenn er in diesen aufgrund seiner Fehlleistungen gerät. Aufmerksamkeit schein ihn anzustacheln.

(Bild: Keystone)

«Dotti», sagt mein kleiner Sohn zu Kindern, die nicht die cleversten sind und andere gerne schubsen oder beissen. Wenn ich den Ausdruck höre, muss ich oft an Andreas Glarner denken. Der SVP-Nationalrat aus dem Aargau wirkt immer wieder wie ein Kind, das versucht, durch ­unerwünschtes Verhalten Aufmerksamkeit zu bekommen.

Sein letzter Streich ging aber über seine bisherigen Beleidigungen und Diffamierungen hinaus. Der Politiker veröffentlichte einen Brief einer jungen Lehrerin aus dem Kanton Zürich, in dem sie den Eltern mitteilt, dass Kinder einen freien Tag zugute haben, wenn sie das muslimische Bayram-Fest feiern. Glarner regte sich furchtbar auf, wie so oft, wenn Muslime etwas dürfen, und veröffentlichte Namen und Handynummer der ­Lehrerin auf Facebook. Mit dem Aufruf, ihr die Meinung zu sagen. Sein Follower-Mob gehorchte und terrorisierte die junge Frau derart, dass sie an den Folgetagen nicht mehr in der Lage war, zu arbeiten.

Dottis denken oft nicht nach, bevor sie handeln. Und sie wissen häufig nicht besonders gut Bescheid. Wie viel Herr Glarner überlegt hat, weiss nur er. Bescheid wusste er jedenfalls nicht. Im Kanton Zürich sieht das Gesetz explizit freie Tage für religiöse Feste vor, ohne dass dafür Jokertage eingesetzt ­werden müssen. Das gilt für alle Religionen. Die Lehrerin hat also weder eigenmächtig gehandelt noch den Islam in irgendeiner Form gegenüber anderen Religionen bevorzugt. Sie hat ihren Job gemacht.

Aufmerksamkeitsentzug

Das wusste Herr Glarner nicht. Er ist ja im Aargau daheim, nicht im Kanton Zürich. Und er fand es unnötig, Abklärungen zu treffen, bevor er eine engagierte Lehrerin den Säuen vorwirft. Im Fernsehen hat er sich mittlerweile dafür entschuldigt. Schuld an allem ist aber irgendwie nicht er, sondern der Islam, der ständig bevorzugt wird. Das habe ihn provoziert.

Sein Verhalten wird der SVP vielleicht schaden, einige Mitglieder sind gar nicht erfreut. Glarner selber profitiert vom Shitstorm gegen seine Person. Denn wer ihn wählt, findet Entgleisungen gut. Es ist wie bei Kindern, die Freude daran haben, wenn ihre Missetaten für Aufsehen sorgen – und deshalb immer wieder zu weit gehen. Ich schlage daher vor, Glarner als letzte pädagogische Massnahme die Aufmerksamkeit zu entziehen. Direkt Betroffene können gerichtlich gegen ihn vorgehen, wie es die blossgestellte Lehrerin tut. Alle anderen ignorieren diesen Andreas. Bis sich das Problem von alleine löst.

Andreas – Andreas wer?

Basler Zeitung

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