«Am Lagginhorn herrschte Nebel»

In den Walliser Bergen kamen fünf Alpinisten ums Leben. Noch ist unklar, wie es zum Unglück kommen konnte. Die Bergsteigerin Natascha Knecht berichtet von schwierigen Wetterverhältnissen vor Ort.

«Man muss im Moment sehr vorsichtig sein»: Berggängerin Natascha Knecht, das Lagginhorn (Mitte) in den Walliser Alpen.

«Man muss im Moment sehr vorsichtig sein»: Berggängerin Natascha Knecht, das Lagginhorn (Mitte) in den Walliser Alpen.

(Bild: wikicommons/Terra3)

Franziska Kohler@tagesanzeiger

Zu sechst ist die Bergsteigergruppe gestern am Morgen aufgebrochen, um das rund 4000 Meter hohe Lagginhorn im Wallis zu besteigen. 100 Meter unterhalb des Gipfels entschied sich einer von ihnen, zurückzubleiben, weil er sich unwohl fühlte. Die anderen setzten ihren Weg fort und erreichten zur Mittagszeit den Gipfel.

Kurz nachdem sie sich an den Abstieg gemacht hatten, geschah das Unglück: Die Gruppe stürzte aus noch ungeklärten Gründen mehrere hundert Meter in die Tiefe. Der zurückgebliebene Bergsteiger alarmierte die Rettungsorganisation, diese konnte aber nur noch den Tod der fünf Bergsteiger feststellen. Mehr ist zum Unfallhergang bislang nicht bekannt.

Gruppe aus Deutschland

Die Verunglückten stammen offenbar aus Deutschland. «Zu der Gruppe gehörten zwei Väter mit erwachsenen Söhnen und einer minderjährigen Tochter, es waren alles Deutsche», sagte eine Mitarbeiterin der Berghütte, von der die Gruppe aufgebrochen war, heute gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. «Die Söhne waren so um die 20, das Mädchen erst etwa 15 Jahre alt», präzisierte die Mitarbeiterin.

Weder das Deutsche Auswärtige Amt, noch die Walliser Kantonspolizei hatten bisher Angaben zur Nationalität der Opfer bestätigt.

Bedingungen sind nicht ideal

Auch Natascha Knecht, Journalistin und Alpin-Bloggerin bei baz.ch/Newsnet, wollte gestern aufs Lagginhorn. Sie plante, den Gipfel über den Südgrat zu besteigen: Eine im Vergleich zur relativ einfach zu begehenden Normalroute eher schwierige Tour. Weil aber zu viel Neuschnee gelegen sei, habe sie sich entschieden, ein anderes Ziel anzugehen.

Die Zweierseilschaft von Natascha Knecht beschloss, statt des Lagginhorns das rund 12 Kilometer entfernte Nadelhorn zu besteigen. Im Moment befindet sie sich in der Mischabelhütte auf 3300 Metern Höhe. «Bei uns herrscht zurzeit dichter Nebel. Am Nachmittag habe ich gesehen, dass es beim Lagginhorn ebenfalls neblig war», so Knecht. Bis gestern Abend habe es dort wahrscheinlich auch geschneit. Darum mussten die Seilschaften, die sich heute an den Aufstieg machten, eine neue Spur legen, vermutet Knecht. Es sei möglich, dass die verunfallten Bergsteiger eine der ersten Gruppen waren, die nach den neusten Schneefällen aufs Lagginhorn gestiegen sind.

Ob die Gruppe mit dem Aufstieg ein zu hohes Risiko auf sich nahm, will Knecht aber nicht beurteilen: «Wir wissen noch nicht, auf welcher Route die Bergsteiger unterwegs waren.» Generell seien die Bedingungen in den Bergen momentan aufgrund des Neuschnees und der Wetterverhältnisse heikel. «Deswegen muss man in diesen Tagen auf allen Routen vorsichtig sein.»

Bergsteiger waren wohl angeseilt

Renato Kalbermatten von der Walliser Kantonspolizei geht davon aus, dass die Bergsteiger angeseilt waren, wie er gegenüber dem Schweizer Fernsehen sagt, «sonst wären nicht alle fünf gleichzeitig abgestürzt». Man wisse es zwar noch nicht definitiv, aber laut Knecht ist es möglich, dass es sich um einen Mitreissunfall handelt – dass also einer der Bergsteiger stürzte und die ganze Seilschaft mit sich in die Tiefe riss.

Das würde bedeuten, dass alle fünf Bergsteiger mit demselben Seil gesichert waren. «Natürlich ist es besser, in kleineren Gruppen unterwegs zu sein», so Knecht, «aber auch fünf Personen an einem Seil sind oft zu sehen.»

Um genauere Aussagen machen zu können, muss man laut Knecht noch mehr über die heute herrschenden Wetterbedingungen am Lagginhorn wissen und die Route kennen, welche die verunfallten Bergsteiger gewählt haben. Und schliesslich, sagt sie, könne auch ganz einfach Pech im Spiel gewesen sein, «denn beim Bergsteigen gibt es immer ein Restrisiko».

baz.ch/Newsnet

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