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60 Schweizer waren zum Rennen angemeldet

Zwei Bombenexplosionen während des Marathons in Boston rissen mindestens drei Menschen in den Tod – darunter ein Achtjähriger. Ärzte berichten von furchtbaren Verletzungen. Ob Schweizer betroffen sind, ist unklar.

Das FBI sucht zwei Verdächtige und hat Video- und Fotoaufnahmen der beiden veröffentlicht.
Das FBI sucht zwei Verdächtige und hat Video- und Fotoaufnahmen der beiden veröffentlicht.
AP/FBI
Der eine Mann trägt eine graue Baseballmütze und einen schwarzen Rucksack, ...
Der eine Mann trägt eine graue Baseballmütze und einen schwarzen Rucksack, ...
AP/FBI
Trümmer und Blut waren nach der Explosion überall auf der Strasse sichtbar. (15. April 2013)
Trümmer und Blut waren nach der Explosion überall auf der Strasse sichtbar. (15. April 2013)
Keystone
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Zwei Bombenexplosionen beim traditionsreichen Boston-Marathon haben mindestens drei Menschen in den Tod gerissen. Die Zahl der Verletzten liegt mittlerweile bei mehr als 140, 17 von ihnen befinden sich in kritischem Zustand. Laut US-Präsident Barack Obama gibt es derzeit noch keine gesicherten Erkenntnisse über die Täter. Wie aber später aus dem Weissen Haus verlautete, geht man von einem terroristischen Akt aus. Präsident Obama äusserte sich rund drei Stunden nach den Explosionen. Man wisse nicht, «wer das getan hat oder warum», sagte er. Aber wer immer verantwortlich sei, werde «die volle Macht der Justiz zu spüren bekommen».

Die beiden Bomben explodierten kurz hintereinander im Abstand von etwa 100 Metern in der Nähe der Ziellinie - rund zwei Stunden nachdem die Sieger des Marathons mit 23'000 Läufern und 500'000 Zuschauern diese passiert hatten. Nach Behördenangaben wurden noch zwei weitere Sprengsätze entlang der 42 Kilometer langen Strecke in der Innenstadt gefunden, die aber nicht explodiert waren und unschädlich gemacht wurden.

Unter den Toten befindet sich offenbar auch ein acht Jahre alter Junge. Das erfuhr die Nachrichtenagentur Associated Press aus dem Umfeld des Opfers. Der Junge habe in der Nähe der Zielline zusammen mit seiner Mutter und seiner Schwester auf seinen Vater gewartet, der bei dem Marathon mitlief. Auch Mutter und Schwester seien verletzt worden, als die zwei Bomben explodierten.

Keine Informationen über Verletzte aus der Schweiz

Nach dem Bombenanschlag liegen noch keine Informationen darüber vor, ob sich unter den mehr als 100 Verletzten auch Personen aus der Schweiz befinden. Das Aussendepartement (EDA) konnte noch keine Auskunft darüber geben, ob sich unter den Betroffenen auch Personen mit Schweizer Staatsbürgerschaft befinden.

Der auf Marathonreisen spezialisierte Reiseanbieter Albis Reisen hingegen konnte auf Anfrage Entwarnung geben. Die 15-köpfige Reisegruppe, die nach Boston gereist ist, sei wohlauf. Auch die beiden Läufer, welche die Reise zum traditionsreichen Marathon über den Reiseveranstalter Kuoni gebucht hatten, blieben unverletzt, wie Sprecher Peter Brun auf Anfrage sagte. Gemäss den Angaben auf der Internetseite des Veranstalters des Boston-Marathons erreichten 36 Läufer und drei Rollstuhlfahrer mit Schweizer Staatsbürgerschaft das Ziel. Zum Rennen angemeldet waren 60 Schweizer.

Beine weggerissen

Joe Anderson trug die amerikanische Flagge den gesamten Boston-Marathon mit sich. Der 33-jährige Fischer überquerte gerade die Ziellinie, als die erste Explosion das Schaufenster eines Sportgeschäfts zertrümmerte und Glassplitter über die Zuschauer sprühte. «Ich habe viele Verletzte gesehen», sagt Anderson. «Ich habe Leute gesehen, denen offenbar die Beine weggerissen wurden.» Als er am Nachmittag vom Massachusetts General Hospital zurückgeht, wo viele Verwundete behandelt werden, liegt das Sternenbanner immer noch über seinen Schultern.

«Lass' diese Fahne hoch wehen», ruft ihm ein Umstehender zu. In Boston sind die Erinnerung an die Angriffe 11. September 2001 an diesem Tag gegenwärtig.

«Ums Leben gerannt»

In Massachusetts ist der dritte Montag im April ein Feiertag, Patriots' Day. Viele Geschäfte und Büros haben geschlossen, die Schüler haben eine Woche frei. Entsprechend viele Menschen drängen sich an die Rennstrecke. «Wir sind einfach um unser Leben gerannt», sagt eine 18-Jährige, die am Ziel ihrer Mutter zujubeln wollte. Sie habe nur darauf gewartet, dass «die nächste Bombe mich trifft». Mutter und Tochter finden später zueinander.

Eine 20-jährige Studentin aus Pennsylvania berichtet vom Abbruch des Rennens, als sie noch knapp einen Kilometer vor der Ziellinie entfernt war. «Sie haben uns nur gesagt, dass zwei Bomben hochgegangen sind», erklärt sie. «Wir haben eine halbe Stunde einfach so herumgestanden.»

Schwere Verletzungen

Ärzte am Boston Children's Hospital und Massachusetts General berichten von einem zweijährigen Knaben mit Kopfverletzungen, von Splitterwunden und Amputationen. Die Patienten mit den schwersten Verletzungen seien alle innerhalb von 15 Minuten eingetroffen, sagt der Chirurg Peter Fagenholz nach sechs Operationen.

Bei einigen Verletzten würden in den kommenden Tagen weitere Eingriffe nötig werden, sagt er. «Die Leute sind ziemlich tapfer. Es ist eine furchtbare Situation und die meisten Patienten haben die Einstellung, 'tun Sie was nötig ist, damit es mir besser geht'.» Noch könne man nicht sagen, wie es allen den Betroffenen ergehen werde.

AP/sda/AFP/mw/chk

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