22-jährige Studentin nach Unfall an Uni Lausanne gestorben

Eine junge Frau wurde bei einer starken Windböe von einem Sonnenschirm getroffen. Nach einigen Wochen im Koma starb sie am Dienstag.

Studentin im Koma: Das Lokal Zelig befindet sich im Erdgeschoss des Géopolis-Gebäudes der Universität Lausanne.

Studentin im Koma: Das Lokal Zelig befindet sich im Erdgeschoss des Géopolis-Gebäudes der Universität Lausanne.

(Bild: Keystone Laurent Gillieron)

Eine 22-jährige Studentin erlitt bei einem Unfall vor drei Wochen schwere Verletzungen. Auf dem Campus der Universität Lausanne traf sie ein vom Wind in die Luft gewirbelter Sonnenschirm mit voller Wucht. Nach einigen Wochen im Koma starb sie am Dienstag.

Staatsanwalt Jonathan Cornu eröffnete eine Untersuchung wegen fahrlässiger Tötung. «Die Untersuchung läuft noch. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich keine weiteren Informationen geben», sagte er der Nachrichtenagentur Keystone-SDA am Mittwoch in Berufung auf einen Bericht der Zeitung «24heures». Das Verfahren sei erst gerade eröffnet worden. Er wolle zunächst mehrere Zeugen des Unfalls anhören, um zu verstehen, was passiert sei.

Starker Wind

«Laut Augenzeugen vor Ort wehte am Unfalltag ein starker Wind. Ein Sonnenschirm fiel um und traf die junge Frau, die heftig auf den Boden prallte», sagte eine Sprecherin der Universität Lausanne. Die Campus-Retter waren schnell vor Ort an, um der Verletzten zu helfen. Laut dem Zeitungsbericht lag die 22-Jährige seither im Koma im Spital.

Der Unfall verursachte Bestürzung und grosse Aufregung auf dem Campus. Die Universität hat eine Nummer eingerichtet, unter der die Studierenden psychologische Unterstützung erhalten können. «Wir sind schockiert und sehr berührt von dem, was passiert ist», sagte die Uni-Sprecherin weiter. «Dieser Unfall hat etwas Absurdes an sich.»

Böen bis 120 km/h

Gegenüber «24heures» sagte der Vater der 22-Jährigen: «Meine Tochter war zwischen 12 und 13 Uhr mit einer Freundin auf dem Campus unterwegs». Die Böen hätten Geschwindigkeiten von bis zu 120 Stundenkilometern erreicht. «Sie drehte sich um und wurde mit voller Wucht vom Sonnenschirm getroffen. Es war, als hätte jemand meine Tochter bei den Beinen gepackt und sie auf den Boden geschleudert. Ihr Kopf zerschmetterte am Boden.»

«Unser Sicherheitsdienst war in Sekundenschnelle zur Stelle und leistete bis zum Eintreffen der Rettungskräfte Erste Hilfe», sagt Vizerektor Benoît Frund zur Zeitung. Der Schock bei den Betroffenen an der Universität sitze tief.

Wer ist schuld?

Wieso der Sonnenschirm überhaupt geöffnet war, ist noch unklar. Gerüchten zu­fol­ge hatte ein Student den Schirm geöffnet, um sich beim Rauchen vor dem Regen zu schützen. «Man öffnet keinen Sonnenschirm, wenn es so stürmt. Das ist doch absurd», sagt der Vater. Er sei nicht auf der Suche nach einem Schuldigen. «Darum kümmern sich bereits genügend Instanzen.»

Der Sonnenschirm stammt vom Studententreffpunkt Zelig, wie dessen Betreiber bestätigt. «Es ist die einzige Möglichkeit, sich vor dem Regen zu schützen. Den Gästen stehen sie frei zur Verfügung. Wir wissen also nicht, wer diesen Sonnenschirm an jenem Tag aufgemacht hatte.»

«Die Universität wird ihre Verantwortung übernehmen», erklärt Frund. «Nach unserem Kenntnisstand wurde bis jetzt aber noch keine Untersuchung eingeleitet. Wenn es eine gibt, stehen wir den Ermittlern natürlich zur Verfügung. Aber alles zu seiner Zeit. Erst wird getrauert.»

sep

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