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20-jährige Freiheitsstrafe für «Seefeld-Mord»

In Zürich wurden Tobias K. und sein Mitbeschuldigter «Boris» für die Tötung eines Zufallsopfers verurteilt. Beide werden nicht verwahrt.

Polizeieinsatz im Juni 2016: Beim Tötungsdelikt im Seefeld wurde ein 42-jähriger Zürcher erstochen. Bild: Tamedia
Polizeieinsatz im Juni 2016: Beim Tötungsdelikt im Seefeld wurde ein 42-jähriger Zürcher erstochen. Bild: Tamedia

Der Mann, der am 30. Juni 2016 im Zürcher Seefeld-Quartier auf offener Strasse einen zufällig anwesenden Passanten erstach, ist am Donnerstag vom Bezirksgericht Zürich zu einer Freiheitsstrafe von 20 Jahren verurteilt worden. Sein Komplize erhielt wegen Anstiftung zu Mord 16,5 Jahre Freiheitsentzug. Dazu kommt bei beiden eine Geldstrafe.

Der 27-jährige Schweizer, der den Mord ausführte, wurde nicht nur wegen dieser Tat verurteilt. Dazu kamen Schuldsprüche wegen versuchter Befreiung Gefangener, Irreführung der Rechtspflege, strafbaren Vorbereitungshandlungen zu Mord und mehrfachen versuchten Vergehens gegen das Waffengesetz. Zur Freiheitsstrafe sprach das Gericht eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 10 Franken aus.

Den 39-jährigen Litauer verurteilte das Gericht wegen Anstiftung zu Mord, nicht wegen Mittäterschaft, wie der Staatsanwalt gefordert hatte. Schuldig gesprochen wurde er ebenfalls wegen Irreführung der Rechtspflege.

Nicht zu erstellen war laut Gericht die Beteiligung an den anderen Delikten, hier resultierten Freisprüche. Auch beim Litauer kommt zur Freiheitsstrafe eine Geldstrafe, bei ihm von 270 Tagessätzen à 10 Franken. Eine Landesverweisung, wie vom Ankläger gefordert, sprach das Gericht nicht aus. Die Anstiftung zum Mord sei vor Inkrafttreten des entsprechenden Gesetzes erfolgt.

«Verwahrung unverhältnismässig»

Auf die Anordnung einer Verwahrung der beiden Männer verzichtete das Gericht. An eine solche würden sehr hohe Ansprüche gestellt, sagte der Gerichtsvorsitzende. Dies betrifft namentlich die Rückfallgefahr, die laut den Gutachtern nicht sehr hoch sei. Eine Verwahrung wäre deshalb unverhältnismässig.

«Beim nächsten Mal» – was niemand hoffe, sei das Risiko für eine Verwahrung aber sehr hoch, warnte der Richter. Dieser Ausspruch stiess die Opferangehörigen im Saal doch sehr vor den Kopf.

Den Angehörigen sprach das Gericht Genugtuungs- und Schadenersatzzahlungen von mehreren zehntausend Franken zu. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Anklage und Verteidigung werden nach dem Studium der schriftlichen Begründung über einen Weiterzug entscheiden.

Der Staatsanwalt hatte für beide Beschuldigte je lebenslängliche Freiheitsstrafen und Verwahrung gefordert. Der Verteidiger des geständigen Schweizers hatte für seinen Mandanten eine Freiheitsstrafe von 12 Jahren wegen vorsätzlicher Tötung und anderer Delikte beantragt. Der Anwalt des Litauers verlangte gar einen vollen Freispruch.

Erpressungsplan

Das Tötungsdelikt war Teil eines Erpressungsversuchs. Ausgedacht hatten ihn der Schweizer und der Litauer, die sich als Häftlinge in der Zürcher Strafanstalt Pöschwies kennengelernt und angefreundet hatten. Um rasch in Freiheit zu kommen, entwickelten sie einen teuflischen Plan.

Dazu nutzte der Litauer – laut Gutachter ein «pathologischer Lügner» – den Hass des Schweizers auf alle «Kapitalisten». Er machte ihm weis, er sei im Besitz brisanter Informationen über einen Schweizer Gossindustriellen, und von diesem gehe höchste Gefahr für sie beide und ihre Familien aus. Man müsse etwas unternehmen und darum aus dem Gefängnis raus kommen.

Brief an Kantonsparlament

Ganz nach Plan kehrte der Schweizer nach einem Hafturlaub nicht in die Strafanstalt zurück. In einem Brief ans Zürcher Kantonsparlament forderte er im Namen einer «unbekannten litauischen Täterschaft» die sofortige Freilassung des Litauers, ansonsten werde ein Mensch sterben.

Nachdem das Ultimatum ergebnislos verstrichen war, schritt er gemäss Drehbuch zur Tat. Am frühen Nachmittag des 30. Juni 2016 erstach er mit einem eigens gekauften Messer einen zufällig anwesenden Mann. Rund ein halbes Jahr später wurde er festgenommen. Er hatte im Darknet nach Waffen und Munition gesucht und sich mit einem angeblichen Verkäufer getroffen, der in Wirklichkeit Polizist war.

SDA/red

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