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Nepalesische Polizei sucht mittels Liste nach Vermissten

Mehr als eine Woche nach dem Erdbeben werden noch zahlreiche Menschen vermisst – darunter mindestens 112 Ausländer. Derweil sind Schweizer Helfer heimgekehrt.

Weg der Zerstörung: Nepalesen gehen an eingestürzten Gebäuden in Trishuli nördlich von Kathmandu vorbei. (4. Mai 2015)
Weg der Zerstörung: Nepalesen gehen an eingestürzten Gebäuden in Trishuli nördlich von Kathmandu vorbei. (4. Mai 2015)
Prakash Mathema, AFP
Einige Gebiete konnten die Rettungskräfte noch nicht erreichen: Zerstörtes Dorf im Bezirk Sindhupalchok, Nepal. (3. Mai 2015)
Einige Gebiete konnten die Rettungskräfte noch nicht erreichen: Zerstörtes Dorf im Bezirk Sindhupalchok, Nepal. (3. Mai 2015)
Reuters/Navesh Chitrakar
Das Epizentrum des Bebens lag 80 Kilometer nordwestlich der nepalesischen Hauptstadt. (25. April 2015)
Das Epizentrum des Bebens lag 80 Kilometer nordwestlich der nepalesischen Hauptstadt. (25. April 2015)
Navesh Chitrakar, Reuters
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Mehr als eine Woche nach der Erdbebenkatastrophe in Nepal gelten zahlreiche Menschen weiter als vermisst, unter ihnen viele Ausländer. In der Touristenregion Langtang wurden nach einem riesigen Erdrutsch Dutzende Leichen geborgen.

Bis heute Montag wurden in der Region 52 Tote geborgen, darunter waren sieben Ausländer. Nur zwei von ihnen konnten zunächst identifiziert werden: ein Franzose und ein Inder. «Es kann gut sein, dass dort mehr als 200 Menschen verschüttet wurden», sagte der Distriktbeamte Gautam Rimal.

Die nepalesische Polizei veröffentlichte eine Liste auf ihrer Webseite, die 112 Namen im Katastrophengebiet vermisster Ausländerinnen und Ausländer enthält. Auf der Liste werden aus Europa auch folgende Nationalitäten aufgeführt:

  • 15 Franzosen,
  • acht Spanier,
  • sieben Deutsche,
  • drei Belgier,
  • drei Briten,
  • drei Tschechen,
  • ein Pole,
  • ein Italiener und
  • ein Österreicher.

Die Liste dürfte nicht vollständig sein: Sie enthielt keine Namen von Schweizer Staatsbürgern. Das Eidgenössische Departement für Auswärtige Angelegenheiten hat auf Anfrage mitgeteilt, dass «zu ganz wenigen Bürgern bisher kein Kontakt hergestellt werden» konnte, ohne nähere Angaben zu machen.

Schweizer Retter zurückgekehrt

Die Rettungshunde-Equipe von Redog ist von ihrem Einsatz zurück. Die sechs Helfer und drei Hunde, die in den Trümmern von Kathmandu nach Überlebenden suchten, sind in Zürich gelandet.

Die Bilanz über den Einsatz ist positiv, wie Equipenleiterin Linda Hornisberger nach der Landung sagte. Für die Angehörigen sei es wichtig, dass nach Verschütteten gesucht werde. «Es ist immer eine Hoffnung da, dass man Leben rettet.»

Leben retten konnte die Equipe allerdings nur begrenzt. Nachdem zusammen mit einer türkischen Partnerorganisation zu Beginn zwei Überlebende gefunden werden konnten, lokalisierten die Hunde danach nur noch Tote. Die Hoffnung, noch Lebende zu finden, sank stündlich.

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag – nach zweieinhalb Tagen – wurde die Suche schliesslich abgebrochen. Bis zu ihrem Rückflug in die Schweiz unterstützten die Redog-Helfer die Einsatzkräfte bei der Verteilung von Lebensmitteln und anderen Hilfsgütern.

«Wir hätten die Chancen auf eine Lebendrettung erhöhen können, wenn wir schneller dort gewesen wären», sagte Hornisberger. Leider sei dies nicht möglich gewesen. «Obwohl wir rasch einsatzbereit waren, mussten wir fast zwei Tage auf eine Flugverbindung warten.» So sei wertvolle Zeit für die Rettung von Überlebenden verstrichen.

In Zukunft will Redog schneller ausrücken können. Denkbar sei etwa eine Zusammenarbeit mit der Rega, die Helfer und Hunde in ein Katastrophengebiet fliegen könnte, sagte Hornisberger. Man werde dieses Problem nun angehen.

Der Einsatz in den Trümmern von Kathmandu war sowohl für Helfer als auch für die Hunde eine Belastung. Für die vierbeinigen Retter Diode, Sarouk und Cliff heisst es deshalb in den kommenden Tagen: Viel Schlaf, gemütliche Spaziergänge und viel Zeit in der gewohnten Umgebung verbringen.

Zu wenige Transportmittel

Zehntausende Überlebende und Verletzte warteten in abgelegenen Regionen weiter verzweifelt auf Hilfe. Die Behörden bräuchten dringend mehr Helikopter, sagte Dhakal. Zelte und Nahrungsmittel können vielerorts nur aus der Luft abgeworfen werden, weil keine Landeplätze zur Verfügung stehen.

Die nepalesischen Behörden haben nur 13 Helikopter. Zu allem Überfluss fiel der grösste davon, ein Transporthelikopter vom Typ Mi-17, mit technischem Schaden aus.

Indien helfe dem Nachbarland mit 14 Helikoptern aus, sagte Dhakal, die USA hätten vier Osprey-Flugzeuge geschickt, die vertikal starten und landen können, und China drei Helikopter. «Wir brauchen mindestens doppelt oder dreimal so viele, wie wir bislang haben», sagte der Sprecher.

Aus Sorge um die Stabilität der Landebahn dürften auf dem einzigen internationalen Flughafen des Landes in der Hauptstadt Kathmandu keine grösseren Maschinen mehr landen, sagte Dhakal.

Zahl der Toten steigt täglich

Bei dem Erdbeben der Stärke 7,8 am 25. April kamen mehr als 7200 Menschen ums Leben. Die Zahl dürfte weiter steigen, sagen die Behörden, weil noch nicht alle Regionen erreicht wurden. Zehntausende Menschen wurden verletzt.

Die nepalesische Regierung sieht sich mittlerweile imstande, die Bergung der Vermissten ohne fremde Helfer zu bewältigen. Ausländische Suchspezialisten würden nicht mehr gebraucht, sagte der Sprecher des nepalesischen Innenministeriums, Laxmi Dhakal: «Wir können das nun allein schaffen.»

Nach seinen Angaben waren gut 4000 Helfer aus 34 Ländern im Einsatz. Am Sonntag waren noch vier Menschen lebend gefunden worden, unter ihnen ein wohl über 100 Jahre alter Mann.

SDA/spu

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