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Mailand feiert seine «Helden der Gleise»

Ein Student und eine Metroangestellte retten ein senegalesisches Kleinkind. Endlich mal eine gute Nachricht – Italien ist gerührt.

Die Überwachungsaufnahmen der Metrostation zeigen den «Ragazzo coraggioso», den mutigen Jungen, nach dem einen Tag lang ganz Mailand suchte. (Quelle: RepTV)

Lorenzo Pianazza wurde zum Helden, ohne es zu merken. Am vergangenen Dienstag um halb drei Uhr nachmittags erlebt der 18-jährige Mailänder Student in der Metrostation «Repubblica» Schreckliches: Ein zweieinhalbjähriger Junge springt von einem Wartebänkchen auf, rennt schnurgerade zu den Gleisen und fällt hinunter.

Die Mutter und mehrere Passanten eilen hinzu und schauen entgeistert auf die Metro-Fahrbahn, während Pianazza seinen Rucksack abstreift, dem kleinen Jungen nachspringt, ihn hochhebt zu den Armen seiner Mutter und sich danach selber in Sicherheit bringt.

Gleichzeitig blockiert die 32-jährige Metro-Überwachungsangestellte Claudia Castellano, welche die Szenerie am Bildschirm mitverfolgt, den sich nähernden Metrozug.

Er verabschiedet sich mit einem schlichten «Ciao»

«Helden der Gleise» werden die beiden nun in den italienischen Medien genannt, und Italiens Öffentlichkeit freut sich über ein Ereignis, das herausstrahlt aus all den Berichten über die politische Blockade, die dem Land nach den Wahlen vom 4. März droht, aus den Meldungen über Unfälle, Verbrechen und alltäglichen Wahnsinn.

Nach seiner Tat sagt Pianazza der senegalesischen Mutter, die ihr gerettetes, weinendes Kind zu beruhigen versucht, ein schlichtes «Ciao». Er macht sich auf den Heimweg, ohne zu wissen, dass sein Sprung auf die Gleise von den Überwachungskameras aufgezeichnet wurde.

Einen Tag lang sucht Mailand nach dem «Ragazzo coraggioso», dem mutigen Jungen. Das Video der Rettungsaktion erscheint auf den Onlineportalen der grossen Tageszeitungen und in sozialen Netzwerken. Der Bürgermeister Giuseppe Sala bittet den Unbekannten auf Facebook, sich zu melden. Er wolle sich persönlich bei ihm bedanken.

Pianazza erfährt von seinem Heldenstatus, als er im Internet surft. Gestern wurde er gemeinsam mit Claudia Castellano vom Bürgermeister empfangen. Sala bedankte sich «im Namen aller Mailänder».

Pianazza sagt: «Ich habe auf einer Anzeigetafel gesehen, dass es bis zur Einfahrt des nächsten Zuges noch eine Minute dauerte. Ich dachte, das müsste reichen.» Was er nicht wusste, war, dass Claudia Castellano zu jenem Zeitpunkt die Einfahrt bereits blockiert hatte. «Ich habe getan, was jeder an meiner Stelle getan hätte», sagt der Retter in einem Gespräch mit der Zeitung «La Repubblica», obwohl die Reaktion der übrigen Wartenden das Gegenteil beweist.

Junge ist unverletzt

Er habe nicht damit gerechnet, berühmt zu werden. Zu Hause habe er seiner Mutter zunächst nichts von dem Vorfall erzählt. Jetzt, wo sie es erfahren habe, sei sie stolz auf ihn. Er sei etwas verwirrt über den plötzlichen Ruhm und all die Glückwünsche, die ihn von überall erreichen. «Aber ich bin glücklich, dass ich die Geistesgegenwart hatte, auf die Gleise hinunterzuspringen», sagt Pianazza.

Nach dem Vorfall wurde der senegalesische Junge zur Kontrolle ins Spital gebracht. Abgesehen von einem aufgeschürften Knie blieb er unverletzt.

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