Tarantino wusste über Weinstein Bescheid

«Ich wusste, dass er einige solche Sachen gemacht hat»: Quentin Tarantino spricht zu den Missbrauchsvorwürfen gegen Harvey Weinstein. Derweil hat sich die Polizei eingeschaltet.

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Nach Vergewaltigungs- und Missbrauchsvorwürfen gegen den US-Filmproduzenten Harvey Weinstein meldet sich Regisseur Quentin Tarantino zu Wort. «Ich wusste genug, um mehr zu tun, als ich tat», sagte Tarantino zur «New York Times». «Da war mehr dran als an normalen Gerüchten, dem normalen Geschwätz. Das war nicht aus zweiter Hand. Ich wusste, dass er einige solche Sachen gemacht hat», so der Regisseur.

Ermittlungen in Los Angeles gegen Harvey Weinstein. (Video: AFP)

Es sei unmöglich gewesen, dass jemand, der sich im näheren Kreis um Weinstein aufhielt, nicht von mindestens einem Vorfall gehört hatte, sagte Tarantino. Er bereue, nicht mehr dagegen unternommen zu haben. Er habe aus erster Hand von Weinsteins Verhalten von der US-Schauspielerin Mira Sorvino erfahren, mit der Tarantino zu dieser Zeit eine Beziehung hatte. Auch eine zweite Schauspielerin, deren Namen er nicht nannte, habe ihm davon berichtet.

Tarantino habe auch über die aussergerichtliche Abmachung zwischen Weinstein und US-Schauspielerin Rose McGowan gewusst, so Tarantino. Der Regisseur arbeitet seit mehr als 20 Jahren mit Weinsteins Produktionsfirma zusammen. Aus der Zusammenarbeit entstanden Filme wie «The Hateful Eight» oder «Pulp Fiction».

US-Polizei ermittelt

Derweil hat die Polizei von Los Angeles Ermittlungen eingeleitet. Die Polizei habe die Aussage eines mutmasslichen Vergewaltigungsopfers von 2013 aufgenommen, sagte ein Sprecher der Polizei am Donnerstag. Nähere Angaben zu dem möglichen Opfer machte der Sprecher zunächst nicht. Weinstein sei mutmasslich in den Fall aus dem Jahr 2013 verwickelt gewesen.

Der «Los Angeles Times» zufolge soll es sich um eine 38-jährige Schauspielerin aus Italien handeln. Demnach soll die Frau angegeben haben, 2013 in einem Hotel in Beverly Hills vergewaltigt worden zu sein. Die Frau wird von dem US-Anwalt Dave Ring in Los Angeles vertreten. Dem Bericht zufolge wurde die Frau am Donnerstag mehr als zwei Stunden lang befragt.

Unangemeldet im Hotel erschienen

Die Frau schilderte der Zeitung, dass sie Weinstein kurz bei einem italienischen Filmfest in Los Angeles gesprochen habe. Danach sei er «ohne Warnung» in der Lobby ihres Hotels erschienen. Er habe auf ihr Zimmer kommen wollen, doch sie habe «Nein» gesagt. Er habe dann an ihre Tür geklopft und gesagt, er wollte nur mit ihr sprechen, sagte die Frau. Dann sei er «sehr aggressiv» geworden. Er habe sie ins Badezimmer gezogen und dort vergewaltigt. «Als er ging, hat er so getan, als sei nichts passiert», schilderte die Frau.

In dem Zeitungsinterview gibt sie weiter an, dass sie Angst gehabt habe, Weinstein bei der Polizei anzuzeigen. Sie habe aber einem Priester, einem Freund und einem Kindermädchen von dem Vorfall erzählt. Der «Times» zufolge ist die Frau in Italien als Schauspielerin und Model bekannt. Zur Zeit des angeblichen Vorfalls habe sie mit ihren drei Kindern in Italien gelebt, inzwischen lebe sie aber in Kalifornien.

Prominente mutmassliche Opfer

Der lange einflussreiche Hollywood-Produzent Weinstein soll über drei Jahrzehnte hinweg Frauen sexuell belästigt haben. Rund 40 Frauen haben sich mit entsprechenden Vorwürfen gemeldet, unter anderen die Top-Schauspielerinnen Gwyneth Paltrow und Angelina Jolie. Mindestens fünf Frauen werfen Weinstein vor, er habe sie vergewaltigt.

Die Ermittlungen in Los Angeles sind die ersten in der Sache in der Filmstadt. In New York und Grossbritannien wurden bereits Ermittlungen wegen der Vorwürfe eingeleitet. Scotland Yard in London prüft einen angeblichen sexuellen Übergriff aus den 80er-Jahren.

Der 65-jährige Weinstein bestreitet die Vorwürfe. Über einen Sprecher hat er mitteilen lassen, mit keiner Frau nichteinvernehmlichen Sex gehabt zu haben. Weinstein kündigte an, Hilfe in Form einer Therapie zu suchen.

roy/sda/ap

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