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Strauss-Kahns Problem mit den Frauen

Das offene Geheimnis ist nun endgültig publik: Dominique Strauss-Kahn (DSK) scheint wiederholt Frauen belästigt zu haben. Sogar Rivale Sarkozy soll ihm geraten haben, nicht alleine mit einer Frau im Lift zu fahren.

Zwei Tage nach der spektakulären Festnahme des Chefs des Internationalen Währungsfonds (IWF) in New York brechen die französischen Medien ihr Schweigen und publizieren zahlreiche intern schon lange bekannte Geschichten über seine teilweise gewaltsamen Übergriffe auf das andere Geschlecht.

Der ehemalige Hoffnungsträger der französischen Sozialisten sei ein «dragueur malade», ein «kranker Aufreisser», heisst es da. DSK - wie er in den französischen Medien fast nur genannt wird - sei bekannt dafür, an einem einzigen Abend seine Handynummer an mehrere Frauen mit dem expliziten Hinweis zu vergeben, ihn für ein privates Treffen anzurufen, schreibt zum Beispiel die linksliberale Liberation.

«Es ist ein offenes Geheimnis, dass DSK ein Problem mit Frauen hatte», so der Autor der Zeitung. So soll Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy ihm gar geraten haben, als Chef des Internationalen Währungsfonds nicht mehr «alleine mit einer Frau im Fahrstuhl zu fahren.»

Ermittlungen in einem ähnlichen Fall

Einige Politiker behaupten inzwischen, das Hotel Sofitel in New York, in dem sich der mutmassliche Übergriff von DSK auf das Zimmermädchen vollzogen haben soll, sei eine ständige Absteige des Politikers für seine Affären gewesen. Der New Yorker Staatsanwaltschaft zufolge ermitteln die Behörden gegen Strauss-Kahn nun in mindestens einem weiteren Fall «von ähnlichem Verhalten wie dem vorgeworfenen», der sich auch im Sofitel zugetragen haben soll.

Aber über die Fehltritte des mächtigen und mit der Journalistin Anne Sinclair verheirateten Mannes wurde bislang geschwiegen. Dabei hatten schon mindestens zwei öffentliche Zwischenfälle das Bild des erfolgreichen Saubermannes angekratzt. Schon im Februar 2007 hatte die Schriftstellerin und Journalistin Tristane Banon im Fernsehen erzählt, von DSK fünf Jahre zuvor während eines Interviews für ihr Buch belästigt worden zu sein. Er habe zunächst ihre Hand halten wollen und sie anschliessend an Armen und Brüsten berührt.

«Wie ein brünftiger Schimpanse»

Schliesslich habe er sie auf den Boden gezwungen und gewaltsam versucht, ihre Jeans zu öffnen, so die Autorin. Sie hätte sich nur mühsam befreien können. «Er war wie ein brünftiger Schimpanse,» sagte sie. Banon wagte zu der Zeit nicht, «gegen einen so mächtigen Mann» vor Gericht zu ziehen. Damals war der Name Strauss-Kahn in der Sendung mit einem Piep übertönt worden.

Ein Jahr später wurde publik, dass es sich bei dem «Schimpansen» um DSK gehandelt hatte. Dennoch gab es keine öffentliche Reaktion auf den harschen Vorwurf, weder in Frankreich noch international. Nach DSKs Festnahme will Banon nun noch eine verspätete Klage wegen versuchter Vergewaltigung einreichen. «Nun weiss die 31-Jährige, dass sie gehört und ernst genommen werden wird», erklärte ihr Anwalt David Koubbi.

Zweifelhafte Affaire mit IWF-Mitarbeiterin

Ein zweiter möglicherweise unfreiwilliger sexueller Kontakt mit Strauss-Kahn wurde hingegen weltweit bekannt: DSK soll mit der ungarischen Mitarbeiterin des IWF Piroska Nagy während des Davoser Wirtschaftsgipfels 2008 Geschlechtsverkehr gehabt haben. Nagys Ehemann machte die Affäre öffentlich, nachdem er eindeutige Emails von DSK gefunden hatte. Eine interne Untersuchung sprach den Chef der Organisation später von allen Vorwürfen frei: Er habe die untergebene Angestellte weder ausgenutzt noch habe er sie aus persönlichen Gründen befördert.

Kurze Zeit später tauchte ein Brief von Piroska Nagy in den Medien auf, in dem sie ihre Situation als ausweglos beschreibt: «Ich wollte nicht auf seine Avancen eingehen aber ich hatte keine Wahl. Ich fürchte dieser Mann ist unfähig, in einer Organisation zusammen mit Frauen zu arbeiten,» schrieb sie damals. Wieder nahm die französische Presse und Regierung Strauss-Kahn in Schutz: Die Affäre sei seine «reine Privatangelegenheit», sagte Frankreichs Premierminister Francois Fillon 2008.

Strauss-Kahn räumte selbst Schwächen ein

Dominique Strauss-Kahn hat selbst in einem Zeitungsinterview vor wenigen Wochen mögliche Schwächen eingeräumt. Er benannte drei wunde Punkte, die ihm einen Erfolg für die Sozialisten bei der Präsidentschaftswahl 2012 erschweren könnten: Sein Reichtum, sein Judentum und die Frauen. Sogleich beschwichtigte er aber: «Ich liebe Frauen, na und?»

Lange Zeit hat Frankreich ihm diese Haltung verziehen. Das Nachbarland entschuldigt Übergriffe von Männern leichtfertiger als die angelsächsischen Länder oder auch Deutschland: Lange Zeit wurde DSK nur als «french lover» tituliert, als Charmeur und Frauenheld. Diese Verharmlosung hat der erneute Skandal um den Franzosen nun endgültig zunichtegemacht.

Annika Joeres/ dapd

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