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Seitenspringer Giggs wird von 75'000 Twitterern entblösst

In Grossbritannien entwickelte sich ein aussereheliches Verhältnis eines Fussballstars mit einem TV-Sternchen zu einer Kontroverse um Mediengesetze und hielt sogar das Parlament in Atem.

Ryan Giggs wollte die Entblössung verhindern. Doch Twitterer hielten sich nicht an die Order der englischen Justiz.
Ryan Giggs wollte die Entblössung verhindern. Doch Twitterer hielten sich nicht an die Order der englischen Justiz.
Keystone
Der erfolgverwöhnte Stürmer drohte mit Klagen. Die Internet-User rächten sich mit tausendfacher Publikation des Fremdgeh-Gerüchts.
Der erfolgverwöhnte Stürmer drohte mit Klagen. Die Internet-User rächten sich mit tausendfacher Publikation des Fremdgeh-Gerüchts.
Keystone
Ryan Giggs ist zweifacher Vater: Hier mit Kindern Zach und Libby nach dem Gewinn der englischen Premier League am 22. Mai 2011.
Ryan Giggs ist zweifacher Vater: Hier mit Kindern Zach und Libby nach dem Gewinn der englischen Premier League am 22. Mai 2011.
Keystone
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Ryan Giggs wollte um jeden Preis verhindern, dass die Boulevard-Presse das Gerücht über einen Seitensprung verbreitet. Dazu hatte er eine superprovisorische Verfügung erwirkt, die der Presse in England und Wales jede Berichterstattung verbot. Die Medien berichten trotzdem – und zwar weltweit. Sogar die New York Times hat sich des Themas angenommen.

Das liegt an den Umständen des Falls. Denn der richterliche Maulkorb für die sexhungrige und bissige englische Boulevardpresse wurde gleich dreifach durchbrochen. Zunächst prangte am letzten Sonntag auf der Frontseite des schottischen «The Sunday Herald» eine Grossaufnahme des Stürmers von Manchester United mit einem kleinen Zensurbalken über der Augenpartie. Die Zeitung, die ausserhalb des englischen Justizzugriffs erscheint und für die deshalb die richterliche Verfügung nicht galt, versprach eine Spezialreportage über den «Wahnsinn der Gesetze zum Persönlichkeitsschutz».

Masse, Macht und Recht

Doch schon zuvor hatte der Fussballstar einen folgenschweren Fehler gemacht: Seine Anwälte drohten Twitter mit juristischen Klagen. Denn auf der Kurznachrichtenplattform hatte das Gerücht über Giggs heimliche Eskapaden mit Imogen Thomas zuerst die Runde gemacht. Die Verbreiter der Nachricht über den Seitensprung mit der Big-Brother-Teilnehmerin sollten bestraft werden.

Diese Drohung heizte die zweite Umgehung des Verbots der Berichterstattung zusätzlich an. Der Fussballer lieferte damit allen selbsternannten Kämpfern für ein freies Internet eine Steilvorlage. Übers Wochenende stampften sie quasi eine Armee aus dem Boden und trotzten dem reichen Giggs und der englischen Justiz. Zu Tausenden versandten sie das Gerücht zur Sexaffäre – und machten sich damit theoretisch strafbar.

Hemmings Todesstoss für die Verfügung

Ein dritter Vorfall machte die richterliche Verfügung schliesslich obsolet. Es war der liberaldemokratische Abgeordnete John Hemming, der zum Winkelried der Twitterer wurde. Er machte von seiner parlamentarischen Immunität Gebrauch und nannte den mutmasslichen Fremdgeher beim Namen. Innert Minutenfrist nahmen zahlreiche englische Medien die Nachricht dankbar auf.

Hemming argumentierte, er habe das Recht, Giggs Namen zu nennen, da bereits 75'000 Menschen auf Twitter dasselbe getan hätten. Andere Abgeordnete waren anderer Meinung und warfen Hemming laut Guardian Online vor, damit nur sich selber in den Vordergrund rücken zu wollen.

Neues Gesetz in Planung

Die Themen Medienfreiheit und Persönlichkeitsschutz waren gestern ohnehin auf dem Programm des House of Commons. Denn seit Wochen bedrängt ein Teil der Presse die Regierung wegen der superprovisorischen Verfügungen, die in letzter Zeit offenbar immer häufiger erlassen werden. Premier David Cameron erklärte: «Es ist nicht gerecht, wenn neue Medien darüber berichten können, aber die Zeitungen nicht. Das Gesetz muss deshalb dem modernen Medienkonsum angepasst werden.»

Weil das Thema so heikel ist, will die Regierung ein parteiübergreifendes Komitee installieren, das bis im Herbst Vorschläge ausarbeiten soll. Staatsanwalt Dominic Grieve stellte das Vorhaben vor. Diese Gelegenheit nutzte John Hemming. Er antwortete: «Es ist unmöglich alle 75'000 Menschen ins Gefängnis zu werfen, die Ryan Giggs auf Twitter genannt haben.»

Das sieht Staatsanwalt Grieve laut Mirror Online anders. Twitterer könnten sehr wohl zu Gefängnisstrafen verurteilt werden: «Wer meint, er könne mit modernen Kommunikationsmitteln ungestraft handeln, könnte einen herben Schock erleiden», sagte der oberste Strafverfolger. Die letzte Episode dieser Geschichte ist wohl noch nicht geschrieben. Klar scheint aber, dass sie der Kontrolle Ryan Giggs völlig entglitten ist.

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