Zum Hauptinhalt springen

Nessie in englischem See entdeckt?

Zwei Briten haben am Lake Windermere ein Foto gemacht, das den Spekulationen um ein unbekanntes Lebewesen im nordenglischen See Auftrieb verleiht.

Seit Jahrzehnten halten sich Gerüchte um ein im schottischen Loch Ness lebendes Ungeheuer. Immer wieder tauchen verwackelte und unscharfe Bilder auf, die das Vorhandensein eines «Monsters» belegen sollen. Zahllose Anläufe, das Tier mittels Fotofallen und Sonargeräten zweifelsfrei zu beweisen, scheiterten. Das trübe Moorwasser vereitelte alle Versuche.

Nun zieht der grösste englische See, der Lake Windermere, die Aufmerksamkeit der britischen Öffentlichkeit und vieler «Monster»-Jäger in der ganzen Welt auf sich. Vergangene Woche veröffentlichte die «Westmorland Gazette», die grösste Zeitung der Region Cumbria, ein Foto, das zwei Kanuten gemacht haben wollen. Es zeigt ein buckliges Etwas, das die sonst spiegelglatte Wasseroberfläche des nordenglischen Sees durchpflügt. «Ich dachte zuerst, dass es ein grosser Hund sei», sagte Fotograf Tom Pickles gegenüber der Zeitung. Rasch aber habe er festgestellt, dass das Wesen die Grösse von drei Autos hatte. Um die Buckel hätte er einen riesigen Schatten im Wasser ausgemacht, wird der 24-jährige Informatiker zitiert. Die Buckel seien etwa 20 Sekunden zu sehen gewesen. Pickles schätzt, dass sich das Wesen mit etwa 16 km/h fortbewegte. Der Ort der Aufnahme liegt laut Pickles rund 300 Meter vom Ufer entfernt. Er und seine Begleiterin hätten es mit der Angst zu tun bekommen, als sie das unbekannte Wesen gesehen hätten, und seien sofort an Land gerudert.

Pickles Begleiterin, die 23-jährige Sarah Harrington, beschreibt das Wesen als riesig und schlangenartig. «Wir waren komplett aus dem Häuschen», wird sie zitiert. «Aber erst als wir das Foto anschauten, begriffen wir, dass wir etwas gesehen hatten, das nicht von dieser Welt ist.»

Gut für den Tourismus

Das Foto der beiden Kanuten stützt die Beschreibung eines Beobachters aus dem Jahr 2006. Steve Burnip war der Erste, der ein unbekanntes Wesen im Lake Windermere gesehen haben will und damit eine eigentliche Hysterie in der Region ausgelöst hatte. «Ich bin froh, dass jemand ein wirklich gutes Foto von diesem Wesen gemacht hat», sagt er. «Ich wusste, was ich gesehen hatte, und ich war geschockt. In der Folge war der 17 Kilometer lange, zwischen 400 und 1500 Meter breite und 65 Meter tiefe See mit Sonargeräten nach grossen Wasserwesen abgesucht worden – erfolglos. Das Foto von Tom Pickles wird den Spekulationen um das Nessie vom Lake Windermere erneut Auftrieb verleihen. Einen Namen hat der Nessie-Konkurrent jedenfalls schon: Bow-Nessie, benannt nach der Ortschaft Bowness-on-Windermere. Ob er von eifrigen «Nessie»-Fantasten oder von findigen Köpfen der regionalen Tourismusindustrie ins Leben gerufen wurde, lässt sich nicht feststellen.

Klar ist, dass sich Gerüchte von einem unbekannten Seeungeheuer positiv auf den Tourismus auswirken. Das zeigt das Beispiel des Loch Ness. Der See westlich der Stadt Inverness ist zu einem der beliebtesten Tourismusziele in Schottland geworden. Im Gegensatz zum Wesen im Lake Windermere ist Nessie vom Loch Ness möglicherweise schon vor bald 1500 Jahren in der Vita Columbae (das Leben des Abtes Columban) erstmals schriftlich erwähnt worden. Quellen aus dem 16. Jahrhundert erwähnen gleich mehrmals ein Seeungeheuer im Loch Ness. Allerdings gehören Ungeheuer und Drachen auch im Spätmittelalter durchaus noch zum Inventar zeitgenössischer Weltvorstellungen, weshalb die Erwähnungen mit Vorsicht zu interpretieren sind. Und merkwürdigerweise wurde Nessie in der jüngeren Vergangenheit meist in der Saure-Gurken-Zeit gesichtet. Wenigstens diesbezüglich unterscheidet sich Bow-Nessie klar von seinem schottischen Namensvetter

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch