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Iran verhüllt Michelle Obama per Photoshop

Die Auszeichnung des Politthrillers «Argo» wird in Teheran stark kritisiert. Als die First Lady den Preis überreichte, wollten die iranischen Sittenwächter nicht tatenlos zusehen und griffen zur Zensurschere.

«Argo» gewann in der Hauptkategorie und Ben Affleck freute sich so sehr, dass er gar nicht mehr aufhören wollte zu reden. Es ist sein zweiter Oscar nach dem Drehbuch-Oscar für «Good Will Hunting».
«Argo» gewann in der Hauptkategorie und Ben Affleck freute sich so sehr, dass er gar nicht mehr aufhören wollte zu reden. Es ist sein zweiter Oscar nach dem Drehbuch-Oscar für «Good Will Hunting».
Keystone
Bester Darsteller wurde wie erwartet Daniel Day-Lewis.
Bester Darsteller wurde wie erwartet Daniel Day-Lewis.
Keystone
Amanda Seyfried mit viel Stickereien.
Amanda Seyfried mit viel Stickereien.
Keystone
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Mit den diesjährigen Oscars zogen die USA den Ärger des Iran auf sich: Mit «Argo» wurde ein Film ausgezeichnet, der in Teheran schon seit seinem Erscheinen umstritten ist. Als «einseitig» und «tendentiös» wurde die Regiearbeit von Ben Affleck bezeichnet. Entsprechend soll im Iran nun ein Film in Bearbeitung sein, der die spektakuläre Befreiungsaktion der US-Diplomaten zu Zeiten der iranischen Revolution aus einer «anderen Perspektive» darstellen soll.

Laut war die Empörung nun, dass Argo auch noch mit dem prestigeträchtigsten Filmpreis ausgezeichnet wurde. Und gross war der Schock, dass die goldene Statue von der First-Lady Michelle Obama persönlich überreicht wurde. Das iranische Staatsfernsehen wertete die Kür als «politisch motiviert».

Michelle Obama verhüllt

Die Nachrichtenagentur Fars kritisierte zudem die silberfarbene Glitzer-Robe der First Lady, die im Iran mit seinen strengen Kleidervorschriften für Frauen verboten wäre. Ein Foto Obamas wurde denn auch offensichtlich geändert: Ihr eigentlich schulterfreies Kleid bedeckt plötzlich die Schultern. Die Qualität der Bearbeitung: Eher Mangelhaft. Wie «Spiegel Online» berichtet, werden im Iran viele internationale Film- und TV-Produktionen so nachbearbeitet, dass sie dem strengen Urteil der Sittenwächter bestehen.

Mit insgesamt drei Oscars triumphierte der 40-jährige Affleck in der Nacht zum Montag über Hollywood-Grössen wie Steven Spielberg. Dessen ebenfalls uramerikanisches Historiendrama «Lincoln» war mit zwölf Nominierungen als Top-Favorit ins Rennen gegangen, musste sich aber am Ende mit zwei Goldstatuen begnügen. (Redaktion Tamedia berichtete)

Kritik auch aus Kanada

Schon vor den Oscars musste Ben Affleck Kritik einstecken. Allerdings aus einem Land, das den USA wohlgesinnter ist: Der kanadische Botschafter, der 1979 während dem Geiseldrama in Teheran die sechs im Film dargestellten Amerikaner in seiner Residenz aufnahm, äusserte Kritik an der wie er sagte einseitig die Rolle des US-Geheimdienstes CIA betonenden Darstellung.

Taylors Frau Patsy, damals ebenfalls in Teheran, sagte, Ben Affleck habe einen guten Action-Film gemacht. Sie hätte es aber besser gefunden, am Anfang des Films würde es «basierend auf wahren Begebenheiten» heissen, anstatt zu sagen, es werde eine wahre Geschichte erzählt.

Ben Affleck überrascht

Affleck zeigte sich von der Kritik aus Toronto überrascht: Er habe viele Gespräche mit Taylor geführt und sei deshalb erstaunt, dass der frühere Botschafter den Film kritisiere. «Ich bewundere Ken sehr für seine Rolle bei der Rettung der sechs Hausgäste. Ich betrachte ihn als einen Helden», sagte Affleck. Er habe ihm zugesagt, als Erzähler in einer Dokumentation über Taylor mitzuwirken, und da habe er nichts gegen «Argo» gesagt. Er freue sich, «Ken bei den Aufnahmen zu sehen».

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