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Der Steuerflüchtlix

Die Franzosen haben bei Gérard Depardieu schon über Manches hinweggesehen. Doch dass der prominente Schauspieler wegen der Steuern seiner Heimat den Rücken kehrt, das verzeihen sie ihm nicht.

«Obelix bei den Belgiern»: Gérard Depardieu im Kostüm. (Archivbild)
«Obelix bei den Belgiern»: Gérard Depardieu im Kostüm. (Archivbild)
Reuters

Gérard Depardieu steht ebenso für Frankreich wie der Bordeaux-Wein und der Camembert. Doch nun wendet der 63-Jährige sich von seiner Heimat ab und zieht in das belgische Dorf Estaimpuis, das nur rund einen Kilometer von der französischen Grenze entfernt liegt.

«Obelix bei den Belgiern» titelte die Zeitung «Le Parisien». Dass hinter dem Umzug des prominenten Franzosen finanzielle Gründe stehen, gibt auch der Bürgermeister von Estaimpuis zu. Es wäre «naiv» zu glauben, dass Depardieu nicht wegen der Steuervorteile komme, sagte Daniel Senesael am Montag dem Radiosender France Info.

Dennoch freut sich Senesael über den Neubürger: «Er hat in Estaimpuis das gefunden, was er suchte, was die Landschaft und den Lebensstil angeht». Er hoffe deshalb auf eine «schöne Liebesgeschichte» zwischen dem Schauspieler und dem Dorf. «Aber ich verstehe, dass das die Franzosen schockiert», ergänzte Senesael im Radiosender Europe-1.

Depardieu, der sich am Freitag als Neubürger von Estaimpuis anmeldete, kaufte dort ein Steinhaus mit Schwimmbad für 200'000 Euro. In der Ortschaft, in der ein Viertel der Einwohner Franzosen sind, hat Depardieu prominente Nachbarn, beispielsweise die Besitzer der Supermarktkette Auchan.

Auch reichster Franzose in Belgien

Auch der reichste Franzose Bernard Arnault liess sich in Belgien nieder, wo es keine Vermögenssteuer gibt: der Besitzer des Luxuskonzerns LVMH beantragte im September die belgische Staatsbürgerschaft. Seine Entscheidung habe allerdings keine steuerlichen, sondern private Gründe, sagte der den französischen Konservativen nahestehende Unternehmer damals.

Doch die Medien werteten den Schritt durchaus als Votum gegen die sogenannte Reichensteuer, die der sozialistische Präsident François Hollande nach seiner Wahl im Mai für Einkommen über eine Million Euro einführte.

Depardieus Peinlichkeiten

Depardieu, ebenfalls ein bekennender Konservativer, ist einer der bestbezahlten Schauspieler Frankreichs. Der Hobby-Winzer besitzt dort mehrere Weinberge. Zuletzt machte der Schauspieler allerdings hauptsächlich negative Schlagzeilen.

Ende November stürzte der 63-Jährige in Paris betrunken von seinem Motorroller. Mit 1,8 Promille musste der Schauspieler mehrere Stunden in einer Ausnüchterungszelle verbringen, am Donnerstag folgt ein Gerichtstermin.

Es war nicht der erste peinliche Auftritt Depardieus. Im Sommer 2011 urinierte der Schauspieler vor dem Start in den Gang eines Flugzeugs und wurde anschliessend aus der Maschine gewiesen. Dass er bei dem Zwischenfall betrunken war, bestritt der Darsteller von «Cyrano de Bergerac» hinterher.

Steuerflucht ist schlimmer

Auch wenn seine Landsleute ihm vieles verziehen, dürften sie ihm spätestens die Steuerflucht übel nehmen. «Ich finde, das ist eine ziemliche Schande», schimpfte die Kommunistin Nathalie Arthaud im Fernsehsender LCI.

«Es ist nicht unnormal, dass Reiche mehr Steuern zahlen», empörte sich auch der Gewerkschaftsführer Laurent Berger im Radiosender Europe-1. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter kursierten bereits Witze über den Neu-Belgier, der wohl künftig statt der Rolle des Obelix die des «Steuerflüchtlix» spielen werde.

SDA/kle

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