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Mexiko wappnet sich für die Ankunft des Rekord-Hurrikans

Der Wirbelsturm Patricia hat eine ähnliche Zerstörungskraft wie Haiyan vor zwei Jahren: Windgeschwindigkeiten von bis zu 325 Kilometern pro Stunde wurden gemessen.

Der Fluss Trinity schwemmt gewaltige Wassermassen nach Dallas. (24. Oktober 2015)
Der Fluss Trinity schwemmt gewaltige Wassermassen nach Dallas. (24. Oktober 2015)
Tony Gutierrez, Keystone
In Texas regnete es in 24 Stunden 50 Zentimeter: Die Skyline von Dallas. (24. Oktober 2015)
In Texas regnete es in 24 Stunden 50 Zentimeter: Die Skyline von Dallas. (24. Oktober 2015)
Tony Gutierrez, Keystone
Das US-amerikanische Wetter- und Ozeanografiebehörde Noaa stufte Patricia in die gefährlichste Kategorie 5 ein: Patricia vor dem Eintreffen an Mexikos Pazifikküste. (22. Oktober 2015)
Das US-amerikanische Wetter- und Ozeanografiebehörde Noaa stufte Patricia in die gefährlichste Kategorie 5 ein: Patricia vor dem Eintreffen an Mexikos Pazifikküste. (22. Oktober 2015)
Noaa, Keystone
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Mexiko wappnet sich für die Ankunft eines des stärksten Stürme aller Zeiten. Touristen an der Pazifikküste flohen vor Hurrikan Patricia, einem Monstersturm der höchsten Kategorie 5, ins Inland, Einwohner verbarrikadierten sich in Häusern und Notunterkünften. Das Hurrikanzentrum in Miami warnte vor katastrophalen Folgen, wenn der Sturm mit Windspitzen von bis zu 325 Stundenkilometern am Freitag (Nacht zum Samstag MESZ) auf Land trifft.

Patricia sei der stärkste Sturm, der jemals im östlichen Pazifik oder im Atlantik gemessen wurde, sagte Experte Dave Roberts vom Hurrikanzentrum. Seine Kraft sei vergleichbar mit Taifun Haiyan, der vor zwei Jahren über die Philippinen gezogen war. 7300 Menschen wurden damals getötet oder gelten nach wie vor als vermisst.

Flughafen war menschenleer

Der Hurrikan steuerte auf die Küste zwischen Manzanillo und Puerto Vallarta zu, wo sich verschlafene Fischerorte und Touristenhochburgen abwechseln. Dort wurde mit meterhohen Wellen gerechnet, im gebirgigen Hinterland mit Springfluten und Erdrutschen.

In Puerto Vallarta schichten Bewohner Sandsäcke vor ihren Häusern auf und vernagelten Ladenfenster. Der Flughafen war gesperrt und menschenleer ebenso wie alle übrigen in der Region. An Bushaltestellen bildeten sich lange Schlangen von Menschen, die nach Guadalajara und in andere Städte im Landesinneren wollten. Durch die Strassen fuhren Feuerwehrautos und Rettungswagen und warnten Passanten über Lautsprecher, sich in Sicherheit zu bringen.

Patricia hatte sich am Dienstagabend als Tropensturm gebildet und war nur knapp einen Tag später zu einem Hurrikan hochgestuft worden. Schliesslich erreichte er die Kategorie 5, die höchste Stufe auf der Saffir-Simpson-Skala zur Messung von Hurrikans. Dass er so rasch an Kraft gewann, überraschte auch viele Experten. Kurz nach 13.00 Uhr (Ortszeit) war er noch 135 Kilometer von Manzanillo entfernt und bewegte sich mit zwölf Kilometern die Stunde auf die Küste zu.

Nach Angaben der mexikanischen Regierung ist der Sturm der heftigste der vergangenen 50 Jahre. Das US-Hurrikan-Zentrum bestätigte die Rekordaufzeichnung. Die Aufzeichnungen für den östlichen Pazifik gehen jedoch nur bis ins Jahr 1988 zurück. Erst dann sei die notwendige Satellitentechnik ausgereift genug gewesen, sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur dpa.

15 bis 30 Zentimeter Regen

Für die mexikanische Küste galt von San Blas bis Punta San Telmo eine Hurrikan-Warnung. Der Abschnitt schliesst auch Manzanillo und Puerto Vallarta mit ein. Das Hurrikan-Zentrum teilte mit, Patricia werde voraussichtlich Regenmengen von 15 bis 30 Zentimeter bringen. In einigen Gegenden seien sogar bis zu rund 51 Zentimeter möglich.

Zwar seien noch «Schwankungen» in der Intensität des Sturms möglich, es sei aber zu erwarten, dass Patricia ein «extrem gefährlicher» Sturm der Kategorie fünf bleibe, teilte das US-Hurrikanzentrum mit. Auf der sogenannten Saffir-Simpson-Skala für Hurrikane ist das die höchste Warnstufe.

Notstand ausgerufen

Die mexikanische Regierung rief in 56 Ortschaften in Küstennähe den Notstand aus. Der Sturm bedrohte laut Vorhersagen die Bundesstaaten Jalisco, Colima und Guerrero. Dort blieben die Schulen geschlossen. Zahlreiche Häfen an der Pazifikküste blieben für kleinere Boote geschlossen, der Hafen von Acapulco auch für grössere Schiffe.

Nach Angaben des nationalen Katastrophenschutzes leben 400'000 Menschen in den gefährdeten Gebieten. Über die Evakuierung von Ortschaften sollen die örtlichen Behörden entscheiden. Nach Behördenangaben stehen knapp 1800 Unterkünfte für 259'000 Menschen bereit.

In der betroffenen Region liegen auch der grosse Hafen von Manzanillo im Bundesstaat Colima sowie der Touristenort Puerto Vallarta im Bundesstaat Jalisco. Der Ort könnte nach Behördenangaben direkt getroffen werden, weshalb Touristen zu Umbuchungen aufgefordert wurden. Einige Airlines strichen ihre Flüge nach Puerto Vallarta.

Wasser an Staudämmen abgelassen

«Wir kontrollieren die Küstenorte in der Gegend von Puerto Vallarta sowie von Melaque und La Huerta und fordern besonders gefährdete Menschen auf, sich in Sicherheit zu bringen», sagte José Trinidad López Rivas dem Sender Foro TV. Im Ort Boca de Pascuales wurden bereits 70 Menschen in Notunterkünfte gebracht, 30 weitere brachten sich bei Verwandten im Landesinneren in Sicherheit.

«Hurrikans sind unberechenbar», sagte Enrique Esparza von einem Möbelgeschäft in Küstennähe in Manzanillo, wo Ladeninhaber begannen, ihre Schaufenster zu verrammeln. In Jalisco und Michoacán wurde als Vorsichtsmassnahme bereits Wasser an Staudämmen abgelassen, um Überschwemmungen zu vermeiden.

Das US-Hurrikanzentrum warnte vor sintflutartigen Überschwemmungen und Schlammlawinen. Die Behörden warnten zudem vor ansteigenden Flusspegeln und überschwemmten Strassen.

Mexiko ist in der Hurrikansaison, die am 30. November endet, sowohl an der West- als auch an der Ostküste von schweren Tropenstürmen bedroht. 2013 trafen die Stürme «Ingrid» und «Manuel» beinahe zeitgleich auf beide Küsten. Bei dem seltenen Ereignis wurden 157 Menschen getötet.

SDA/nab

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