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Falsche Angehörige erschleicht Flug zur Absturzstelle

Sie sei die Cousine einer beim Germanwings-Absturz ums Leben gekommenen Lehrerin. So reiste eine junge Frau auf Kosten der Lufthansa zweimal nach Frankreich.

Gratisflug nach Frankreich als falsche Angehörige: Absturzstelle des Germanwings-Flugzeugs (1. April 2015).
Gratisflug nach Frankreich als falsche Angehörige: Absturzstelle des Germanwings-Flugzeugs (1. April 2015).
Yves Malenfer/Ministre Interieur, Keystone

Die Lufthansa hat gegen die vermeintliche Verwandte Anzeige erstattet, wie ein Sprecher am Donnerstag sagte. Laut der «Halterner Zeitung» hatte die Frau fälschlicherweise behauptet, die Cousine einer Lehrerin zu sein, die beim Unglück in den französischen Alpen ums Leben kam. 16 Schüler des Gymnasiums, an dem die Lehrerin unterrichtete, starben beim Absturz.

Nach Angaben der Zeitung habe die vermeintliche Angehörige sowohl die Unglücksstätte bei Seyne-les-Alpes als auch die Gedenkstätte in Le Vernet in Frankreich besucht. Dort soll sie psychologische Hilfe in Anspruch genommen haben. Die Zeitung beruft sich auf den Vater der verunglückten Frau.

Die Lufthansa habe Angehörigen in den ersten Tagen unbürokratisch helfen wollen, sagte ein Sprecher gegenüber dem «Westfalen-Blatt». Daher seien Angaben zunächst nur auf eine gewisse Plausibilität geprüft worden. Auf den Betrug aufmerksam geworden sei die Fluggesellschaft nach einer Rückfrage bei den Eltern der toten Lehrerin.

Lufthansa machte laut Behörde keine Fehler

Unterdessen gab das deutsche Luftfahrtbundesamt LBA gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters bekannt, dass die Lufthansa ihren Aufsichtspflichten im Fall des Piloten der abgestürzten Germanwings-Maschine nachgekommen sei.

Nach bisherigen Ermittlungen hat der Co-Pilot einen Airbus der Lufthansa-Tochter Germanwings am 24. März in den französischen Alpen absichtlich abstürzen lassen. Alle 150 Insassen der Maschine wurden dabei getötet.

Der Co-Pilot litt an Depressionen und unterbrach deswegen 2009 seine Pilotenausbildung. Im selben Jahr informierte er die Fliegerschule der Lufthansa über eine «abgeklungene schwere Depression». Das LBA war von der Lufthansa nach Angaben der Behörde nicht über die abgeklungene Depression informiert worden.

Versicherungszahlungen von 300 Millionen

Das Flugmedizinische Zentrum der Lufthansa stellte dem Piloten 2009 ein Flugtauglichkeitszeugnis aus und übermittelte dies der Aufsichtsbehörde. Dieses Vorgehen ist aus LBA-Sicht nicht zu beanstanden.

Die Frage, ob alle Vorschriften eingehalten wurden, ist unter anderem wegen versicherungsrechtlicher Haftungsfragen von Bedeutung. Der Versicherungskonzern Allianz geht davon aus, dass auf die Versicherungsunternehmen im Zusammenhang mit dem Germanwings-Absturz Zahlungen von rund 300 Millionen Dollar zukommen werden.

sda/Reuters/hvw

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