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Es lebe die Diva

Das Zeug zur Diva hat nicht jeder, Mariah Carey aber hat es. Das hat sie am Sivesterabend bewiesen.

Der letzte Auftritt im alten Jahr ging für Mariah Carey gehörig in die Netzstrumpfhose.
Der letzte Auftritt im alten Jahr ging für Mariah Carey gehörig in die Netzstrumpfhose.
Keystone

Den peinlichsten Silvestermoment erlebte vermutlich Mariah Carey. Kurz vor Mitternacht sollte sie am Konzert auf dem Times Square drei Songs zum Besten geben. Doch ihre Lippen wollten sich ­partout nicht synchron zum Gesangstext bewegen, auch setzte das Playback zu spät ein – der letzte Auftritt im alten Jahr ging für die 46-Jährige gehörig in die Netzstrumpfhose.

Statt die Technikpanne mit Humor zu überspielen, stöckelte sie auf der Bühne hin und her und wirkte dabei wie der Frust persönlich. Bevor sie entnervt die Bühne verliess, hatte sie noch einen Moment Zeit, die Hände in die Hüfte zu stemmen und dem Publikum ein – immerhin synchrones – «Ich hätte auch gerne Urlaub gehabt, habe aber keinen» entgegenzuwerfen. Auch mit jahrelanger Übung hätte Mariah Carey nicht treffender die Mariah-Carey-Parodie geben können. Es war grossartig. Mariah wurde dafür mit Häme übergossen – das zeitgenössische Publikum schätzt eben den Wert einer wahren Diva nicht mehr. Persönlich finde ich das schade. Der ­Unterhaltungswert von Diven ist unerreicht.

Hohes Empörungspotenzial

Eine Diva ist man ja nicht einfach so. Ihre Empfänglichkeit für Verhätschelung und Sonderbehandlung basiert auf einer hart antrainierten Arroganz. Denn entgegen der populären Meinung lässt erst die Vergötterung durch ihre Untertanen eine Diva dem Überlegenheitsgefühl verfallen. Weil ihre Starallüren hohes Empörungspotenzial besitzen, gestattet sie den Medien unbezahlbare Seitenfüller – intensiv gelesen von jenen, die jetzt über Mariah ablästern.

Diven kommen vor in allen Altersklassen, Geschlechtern und Berufen. Während ihres Aufenthalts bei Auftritten fordern sie vom Veranstalter vertraglich allerlei Extrawürste, gemäss der Website Thesmokinggun.com etwa einen ­schwarzen Maybach (Jay-Z). Ein komplett weisses Hotelzimmer – weisse Möbel, Blumen, Kerzen und Vorhänge (Jennifer Lopez). Einen Spiegel über dem Bett (Justin Timberlake). Bei ihren Einsätzen als Redner verlangen sie von Unternehmen oder Universität einen gecharterten Rundflug-Privatjet, mindestens Typ Gulfstream 450 (Hillary Clinton). Eine Präsidentensuite mit angrenzenden Zimmern fürs Personal (Hillary Clinton). Bodentransport, Mahlzeiten, das Bezahlen der gesamten Telefonrechnung (Hillary Clinton). Eine 1000-Dollar-­Pauschale für den Stenografen (Hillary Clinton).

Hotelzimmer voller Luftbefeuchter

Man kann Mariah Carey also weiss Gott keinen Vorwurf machen. Alles, was sie braucht, ist ein Hotelzimmer voller Luftbefeuchter zwecks Stimmpflege und gelegentliches Herumtragen (ohne Sänfte), wenn die Füsschen schmerzen. Dass sie nach ihrer letzten Trennung den 10 Millionen teuren Verlobungsring dank Vertrag behalten durfte oder nur an ein Fotoshooting kommt, wenn ihr dafür Stylisten im Wert von 85'000 Dollar zur Verfügung stehen, ist doch okay. Alles andere wäre eine Zumutung für die einzige Popsängerin der Welt, deren Stimmvolumen über fünf betäubende Oktaven reicht. Wer dann noch an Silvester schuften muss, während die selbstgefällige, johlende Partymeute vor einem Urlaub hat, der muss sich nicht alles gefallen lassen.

Mariah spricht bekanntlich vor dem Auftritt mit niemandem (die Stimme!) – und weil sie ­vermutlich auch mit niemandem spricht, wenn sie wie beim Auftritt in New York nur Playback singt, konnte sie dem Tontechniker die Reihenfolge und Länge ihrer Songs wohl nicht recht mitteilen. Dass der Kerl nicht imstande war, die Wünsche unmittelbar von Mariahs Augen abzulesen, ist aber der eigentliche Skandal.

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