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Die Abfalldetektive

Unser Autor bekommt Besuch von zwei Uniformierten. Er ist sich seines unschweizerischen Vergehens sofort bewusst.

Ertappt: Im beschlagnahmten Kehricht fand sich ein Hinweis auf den Namen des Täters. Unweigerlich wird man an Gabriel Vetter (Mitte) und an dessen Fernsehserie «Güsel. Die Abfalldetektive» erinnert.
Ertappt: Im beschlagnahmten Kehricht fand sich ein Hinweis auf den Namen des Täters. Unweigerlich wird man an Gabriel Vetter (Mitte) und an dessen Fernsehserie «Güsel. Die Abfalldetektive» erinnert.
Jan Sulzer

Vor einem Jahr zog ich nach Biel, um dort zu ­studieren. Als ich mich darüber informierte, was ich in Biel zu erwarten habe, baute mein Kopf eine Landschaft aus alten Industrieruinen auf, die bewohnt wurde von Sozialhilfebezügern, Skandal-­Imamen und einer lebendigen alternativen Szene. Über allem: eine Art Glanz der Abgefucktheit. Mit der Zeit verfestigte sich bei mir der Eindruck, ich würde nach Frankreich ­auswandern.

An einem vergangenen Sonntag kam ich nun aus den Ferien zurück in die Stadt. Im Briefkasten lag ein Formular der Post, auf dem stand, ich hätte einen eingeschriebenen Brief verpasst und solle ihn unverzüglich in der nächstgelegenen Filiale abholen. Die Frist war inzwischen abgelaufen. Bei der Post konnte mir niemand sagen, wer mir den Brief hatte zustellen wollen.

Ein paar Tage später klingelte es an der Türe. Ich schaute durch das Küchenfenster nach draussen. Da stand ein Kastenwagen der Stadt Biel, Aufschrift: «Öffentliche Sicherheit». Vor der Tür standen zwei uniformierte Beamte mit ­Pfeffersprays am Gurt. Ich ging nach unten, schloss die Tür auf und lächelte die beiden ­Männer an: «Grüezi mitenand!» «Tanner? Hier unterschreiben», sagte der ältere.

«Gerne», sagte ich. Ich wollte Haltung und Laune wahren.

Der eingeschriebene Brief kam von der Stadt Biel. Als ich den Brief öffnete, erfasste ich zuerst den fettgeschriebenen Betreff: «Bereitstellen von Hauskehricht ausserhalb der Abfuhrzeiten». Ich war mir meines Vergehens sofort bewusst. «Anhand einer Kontrolle am 16. August 2017 stellten wir fest, dass Sie Ihren Kehricht – entgegen dem städtischen Reglement – ausserhalb der Abfuhrzeiten bereitgestellt haben.» Ich hatte den Abfallsack einen Tag zu früh nach draussen gestellt, weil ich mehrere Wochen verreiste. Und offensichtlich befand sich im beschlagnahmten Kehricht ein Hinweis auf meinen Namen. Ich dachte an Gabriel Vetter und an «Güsel. Die Abfalldetektive», seine Fernsehserie. Im Wiederholungsfall, schrieb mir der Leiter Kehrichtabfuhr, «kann für Sie eine Busse bis zu Fr. 1000.–» entstehen.

Biel liegt in der Schweiz.

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