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Rom fordert UnmöglichesOhne Laientheologen geht es längst nicht mehr

Die Umsetzung der vatikanischen Instruktion zur Pfarreileitung wäre für die hiesige katholische Kirche eine Katastrophe.

Würden Laientheologen von der Gemeindeleitung ausgeschlossen, müsste die katholische Kirche vielerorts ihre Pforten schliessen.
Würden Laientheologen von der Gemeindeleitung ausgeschlossen, müsste die katholische Kirche vielerorts ihre Pforten schliessen.
Foto: Dominik Plüss

Irgendwie scheinen die Laientheologen der römischen Kurie ein Dorn im Auge zu sein. Jedenfalls startet die Kleruskongregation mit ihrer von Papst Franziskus abgesegneten und am 20. Juli veröffentlichten Instruktion «Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde» einen erneuten Versuch, die Laientheologen in der katholischen Kirche zurückzubinden. Konkret sollen diese nicht mehr Gemeinde- oder Pfarreileiter sein können. Das Amt müsse möglichst einem Pfarrer oder geweihten Priester vorbehalten bleiben. Das Problem dabei ist nur: Mangels geweihter Priester wäre die katholische Kirche ohne Laientheologen vielerorts – nicht zuletzt in Basel-Stadt und Baselland – dem Untergang geweiht. Kein Wunder also, dass der Bischof von Basel, Felix Gmür, in geradezu ungewohnter Deutlichkeit die Instruktion aus Rom kritisiert und nicht gewillt scheint, diese umzusetzen.

Mit «Umkehr» ist in der Botschaft aus Rom ganz offensichtlich eine Rückkehr in vergangene Zeiten gemeint, als die Leitung einer Pfarrei mit Selbstverständlichkeit einem Pfarrer oblag. Allerdings standen der Kirche zu diesen Zeiten – anders als heute – auch genügend geweihte Priester zur Verfügung. Im Kanton Baselland sind heute noch etwa zehn Priester wirklich aktiv, wobei sich der eine oder andere nahe oder bereits im Pensionsalter befindet. In anderen Kantonen ist die Situation kaum anders. Und um den Nachwuchs steht es bei durchschnittlich zwei Priesterweihen pro Jahr im zehn Kantone umfassenden Bistum Basel denkbar schlecht.

Fern jeder Wirklichkeit

Der Laientheologe oder die Laientheologin als Gemeindeleiter oder -leiterin sind daher hierzulande die Regel. Wenn nun die Instruktion festhält, der Pfarrer als Hirte vertrete die Pfarrei in allen Rechtsgeschäften und sei der verantwortliche Verwalter des kirchlichen Vermögens, dann hat dies mit den realen Verhältnissen im Bistum Basel kaum mehr etwas zu tun. So wenig, dass es sogar dem in der Regel eher zurückhaltenden Bischof Felix Gmür zu viel wurde. Am 29. Juli schrieb er deshalb in seiner Stellungnahme, die vatikanische Instruktion sehe die Pfarrei sehr auf den Pfarrer zentriert. Das aber, so der Bischof, «entspricht nicht unserer Wirklichkeit und ist obendrein theologisch defizitär und klerikalistisch verengt». Laut der Zeitung «Kirche heute» will der Bischof mit diesem klaren Statement vor allem die Laien und Laientheologen beruhigen, ohne die es in der katholischen Kirche in der Schweiz nicht mehr geht.

Diese scheinen die Instruktion aus Rom allerdings nicht allzu ernst zu nehmen. Für den früheren Allschwiler Gemeindeleiter und amtierenden Kirchenrat der Römisch-katholischen Landeskirche Baselland Joseph Thali ist die Anordnung schlicht nicht umsetzbar. «Die Tradition hier ist seit 50 Jahren eine andere. Es ist schlicht unmöglich, das Rad der Zeit zurückzudrehen», sagt Thali. Andernfalls könne die katholische Kirche hier ihre Pforten schliessen. Joseph Thali vermutet, dass bei der Instruktion ein paar rechtskonservative deutsche Theologen am Werk gewesen seien, welche die reformwilligen deutschen Katholiken warnen wollten.

Ein Sturm im Wasserglas

Beim Gelterkinder Gemeindeleiter und Diakon Christoph Wiederkehr-Käppeli kommt die Botschaft aus dem Vatikan schon gar nicht mehr an. «Das ist nicht das erste Mal, dass Rom versucht, die Laientheologen in die Schranken zu weisen.» Mit mehr als einem Sturm im Wasserglas habe man es aber auch hier nicht zu tun. Jedenfalls glaubt er nicht, dass die Instruktion hierzulande irgendwelche Auswirkungen haben werde.

Davon scheint Bischof Felix Gmür, der zurzeit auch Präsident der Schweizer Bischofskonferenz ist, ebenfalls auszugehen. Aus seiner Botschaft an die potenziell Betroffenen spricht jedenfalls sehr viel Gelassenheit. Und nichts, aber auch gar nichts deutet darauf hin, dass Gmür irgendetwas zu ändern gedenkt, wenn er schreibt: «Wir gehen besonnen weiter, gemeinsam, mit gebotener Unterscheidung, im Anstossen von Prozessen, im Vertrauen auf Gottes Wirken.»

Bischof Felix Gmür will besonnen weitergehen.
Bischof Felix Gmür will besonnen weitergehen.
Foto: Yvain Genevay