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Coronavirus weltweit Astrazeneca nur für unter 65-Jährige? +++ Britens Senioren zu 80 Prozent geimpft +++ Moderna-Mittel wirkt gegen Mutation

In Österreich müssen beim Pendeln und Einkaufen FFP2-Masken getragen werden. Internationale Corona-News im Ticker.

Das Wichtigste in Kürze:

  • In Grossbritannien und Südafrika ist eine mutierte Variante des Coronavirus aufgetaucht. In immer mehr Ländern wird die offenbar ansteckendere Mutation nachgewiesen.

  • Die USA bleiben das am stärksten betroffene Land; gefolgt von Indien, Brasilien, Russland und Frankreich.

  • Weltweit sind gigantische Impfprogramme angelaufen (Zum Vergleich).

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Deutschland rechnet mit Zulassung von Astrazeneca nur für unter 65-Jährige

Die deutsche Regierung rechnet einem Medienbericht zufolge mit einer Zulassung des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca in der EU nur für Menschen unter 65 Jahren. Wie die «Bild»-Zeitung (Dienstagsausgabe) unter Berufung auf interne Gespräche zwischen der Regierung und den Bundesländern berichtete, ist der Grund für eine mögliche Nicht-Zulassung des Impfstoffs für Senioren offenbar die niedrige Wirksamkeit. Das Vakzin des britisch-schwedischen Pharmakonzerns wird voraussichtlich am Freitag von der EU-Arzneimittelbehörde (EMA) zugelassen.

Wie die «Bild» berichtete, rechnet die deutsche Regierung mit einer Wirksamkeit des Impfstoffs bei Menschen über 65 Jahren von unter zehn Prozent. Das würde bedeuten, dass Senioren mit dem Astrazeneca-Vakzin nicht geimpft werden dürften.

Auf Anfrage der «Bild»-Zeitung habe Astrazeneca erklärt, dass die ersten veröffentlichen Daten über die Wirkung des Impfstoffs tatsächlich «auf einer Auswertung von Teilnehmenden im Alter von 18 bis 55 Jahren» beruht hätten. Dennoch erwarte der Hersteller, dass der Impfstoff «in allen Altersgruppen ähnlich» wirksam sei.

Fast vier von fünf über 80-jährigen Briten geimpft

In Grossbritannien haben fast vier von fünf der über 80-Jährigen bereits eine erste Corona-Impfdosis bekommen. 78,7 Prozent dieser Gruppe habe eine Impfung erhalten, teilte Gesundheitsminister Matt Hancock am Montag in London mit. Insgesamt sind im Land mittlerweile 6,6 Millionen Menschen mit der ersten Dosis geimpft worden. Derzeit sei die Lieferung der Impfdosen das grösste Problem, so Hancock. Dennoch waren im Land am Montag mehr als 30 neue Impfzentren eröffnet worden.

Es sei jedoch nicht an der Zeit, den aktuellen harten Lockdown zu lockern. «Es sind derzeit mehr Menschen an Beatmungsgeräten als zu jedem anderen Zeitpunkt in dieser Pandemie», sagte Hancock. Der staatliche Gesundheitsdienst NHS stehe weiter extrem unter Druck. Pro 100'000 Einwohnern zählte Grossbritannien in den vergangenen sieben Tagen rund 390 Neuinfektionen. Die erste Impfung erfolgte am 8. Dezember.

Sie war die Erste: Die 90-jährige Margaret Keenan liess sich Anfang Dezember in Grossbritannien impfen. (8. Dezember 2020)
Sie war die Erste: Die 90-jährige Margaret Keenan liess sich Anfang Dezember in Grossbritannien impfen. (8. Dezember 2020)
Foto: Jacob King (Keystone)
Moderna- Impfstoff wirkt gegen Corona-Mutation

Der US-Biotechkonzern Moderna geht davon aus, dass sein Covid-19-Impfstoff auch gegen die ansteckendere britische und südafrikanische Variante des Coronavirus schützt. Das Vakzin erzeuge virusneutralisierende Antikörper auch gegen die beiden neuen Varianten, teilte Moderna am Montag mit.

Zwar sei bei der südafrikanischen Variante eine Reduktion neutralisierender Titer festgestellt worden. Ihr Niveau liege aber immer noch deutlich über der Schwelle, die als schützend angesehen werde. Es sei daher zu erwarten, dass der Impfstoff nach der Verabreichung von zwei Dosen gegen die bisher nachgewiesenen Varianten wirke.

Gleichwohl wolle Moderna sicherheitshalber ein klinisches Programm starten, um die Immunität gegen neu auftretende Varianten zu stärken, hiess es. So soll vor allem speziell gegen die südafrikanische Variante ein verstärkter Impfstoff entwickelt werden.

Merck & Co stoppt Entwicklung von Covid-19-Impfstoffen

Der US-Pharmakonzern Merck & Co ist bei der Entwicklung eines möglichen Covid-19-Impfstoffs gescheitert. Das Unternehmen wird seine Entwicklung von zwei Impfstoffkandidaten beenden, wie Merck am Montag mitteilte.

Die beiden Vakzine hätten in frühen klinischen Studien nur Immunantworten erzeugt, die niedriger ausgefallen seien als die bei ehemaligen Covid-19-Patienten. Die Ergebnisse seien zudem schwächer gewesen als die anderer Covid-19-Impfstoffe in klinischen Studien. Merck will sich nun nur noch auf Medikamente zur Behandlung von Covid-19 konzentrieren.

Die Merck-Aktie drehte nach Bekanntgabe der Nachricht vorbörslich ins Minus. Auch die US-Aktienfutures gerieten leicht unter Druck.

Verschärfte Maskenpflicht in Österreich in Kraft getreten

In Österreich gilt seit Montag eine Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln. Die verschäfte Maskenpflicht gilt für Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren. Ausnahmen gibt es nur für schwangere Frauen und aus anderen medizinischen Gründen. Zusätzlich gilt nun ein auf zwei Meter ausgeweitetes Abstandsgebot.

Seit Ende Dezember gelten in Österreich wieder strenge Corona-Beschränkungen. Geschäfte, Restaurants, Sportstätten, Kinos und Museen sind ebenso geschlossen wie Schulen. Trotzdem ist die Zahl der Corona-Infektionen bisher nicht spürbar zurückgegangen. Der Inzidenzwert liegt derzeit bei rund 130 pro 100.000 Einwohner, die Regierung hat aber eine Zielmarke von 50 ausgegeben.

FFP2-Masken blockieren fast alle Aerosole und bieten daher einen besseren Schutz als OP- oder Stoffmasken. Die Pflicht zum Tragen dieser Masken gilt nun in österreichischen Supermärkten, Arztpraxen und in Dienstleistungsbetrieben wie Auto-Werkstätten.

Spekulationen um erneuten Corona-Lockdown in Frankreich

In Frankreich mehren sich die Spekulationen um einen möglichen dritten Lockdown wegen der Corona-Pandemie. Die Sonntagszeitung «Journal du Dimanche» hatte berichtet, dass Präsident Emmanuel Macron noch in dieser Woche landesweite Ausgangsbeschränkungen verkünden könnte.

Frankreichs Regierung betont unterdessen, dass noch nichts entschieden sei. «Es gibt zu diesem Zeitpunkt noch keine Entscheidung», sagte Europa-Staatssekretär Clément Beaune am Montagmorgen im Gespräch mit Radio Classique.

Zurzeit gibt es eine Ausgangssperre ab 18 Uhr.
Zurzeit gibt es eine Ausgangssperre ab 18 Uhr.
Keystone

Ähnlich äusserte sich Regierungssprecher Gabriel Attal. Er sagte dem Sender France 3, man wolle schauen, ob die abendlichen Ausgangsbeschränkungen ab 18 Uhr Wirkung zeigten. Die Verbreitung des Virus schreite in Frankreich derzeit voran, ohne dass es einen exponentiellen Anstieg gebe, so Attal. Im Schnitt liegt die Zahl der täglichen Corona-Neuinfektionen etwa bei 20 000. Im vergangenen Dezember lag sie zeitweise bei der Hälfte. Macron hatte damals als Ziel nicht mehr als 5000 Neuinfektionen pro Tag ausgerufen.

In Frankreich gab es bereits zwei Mal sehr strikte Ausgangsbeschränkungen – im vergangenen Frühjahr und Herbst. Seit gut einer Woche gilt im ganzen Land die abendliche Ausgangssperre ab 18 Uhr. Supermärkte sind dann geschlossen, Spaziergänge oder Sport an der frischen Luft untersagt. Gerade am späten Nachmittag kommt es seitdem in etlichen Supermärkten zu riesigen Anstürmen und Gedränge.

Infektion in Neuseeland

In Neuseeland verzeichnen die Behörden erstmals seit Monaten wieder eine Corona-Infektion. Betroffen sei eine 56-Jährige, die am 30. Dezember von einer Auslandsreise zurückgekehrt sei, teilte die Regierung mit.

Während der zweiwöchigen Zwangsquarantäne sei die Frau zunächst zwei Mal negativ getestet worden. Doch nach der Quarantäne sei bei einem weiteren Test die südafrikanische Variante des Virus nachgewiesen worden. 15 engere Kontaktpersonen seien identifiziert und kontaktiert worden. Ihr Ehemann sei negativ getestet worden.

Mexikos Präsident an Covid-19 erkrankt

Der mexikanische Staatspräsident Andrés Manuel López Obrador ist an Covid-19 erkrankt. Er sei positiv auf das Coronavirus getestet worden, habe leichte Symptome und werde medizinisch behandelt, teilte der 67-jährige Staats- und Regierungschef am Sonntag auf Twitter mit. «Ich bin, wie immer, Optimist», schrieb er.

Mexiko ist nach offiziellen Zahlen das Land mit den viertmeisten Todesfällen infolge der Corona-Pandemie – knapp 150'000 Todesopfer wurden bislang registriert. Allerdings wird in dem nordamerikanischen Land mit fast 130 Millionen Einwohnern – Platz zehn der bevölkerungsreichsten Länder – äusserst wenig auf das Virus getestet. Ausserdem ist die sogenannte Übersterblichkeit dort sehr hoch.

Die mexikanische Regierung hat trotz der Pandemie bislang keine Ausgangsbeschränkungen verhängt und die Grenzen des Landes nicht geschlossen. Von Besuchern verlangt sie weder einen negativen Corona-Test noch Isolation. López Obrador hat seit Mai immer wieder erklärt, Mexiko habe das Virus gebändigt. Vergangenen Donnerstag erreichte die Zahl der täglichen Todesfälle jedoch einen Höchststand: 1803 Tote wurden innerhalb von 24 Stunden gemeldet.

Israel setzt internationale Flüge aus

Israel stellt wegen der jüngsten Mutanten des Coronavirus seine internationalen Flugverbindungen für fast eine Woche weitgehend ein. Wie das Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu am Sonntag mitteilte, tritt die Flugsperre in der Nacht zum Dienstag um 00.00 Uhr Ortszeit in Kraft und gilt bis zum Sonntag.

«Wir schliessen die Lüfte hermetisch ab, von seltenen Ausnahmen abgesehen», sagte Netanyahu. Die Massnahme solle verhindern, dass Coronavirus-Mutanten ins Land gelangten.

Ausnahmen von dem Flugverbot gelten unter anderem für medizinische Transporte, Warenlieferungen und Einsätze der Feuerwehr. Ein Gremium aus Gesundheitsexperten und Vertretern des Innenministeriums kann im Einzelfall Sondergenehmigungen für Flüge zu «humanitären und persönlichen Zwecken» erteilen.

Grenzkontrollen und Einreiseregeln wegen Corona verschärft

Die Bundesregierung hat die Grenzkontrollen und Einreiseregeln verschärft, um die grenzüberschreitende Verbreitung des Corona-Virus einzudämmen. Für insgesamt fast 30 Länder mit besonders hohen Infektionszahlen oder besonders gefährlichen Virusvarianten gilt seit Sonntag eine Testpflicht vor der Einreise. Zu diesen Hochrisikogebieten zählen das Nachbarland Tschechien, die Urlaubsländer Portugal, Spanien und Ägypten sowie die USA. Die Tests werden nach Angaben des Bundesinnenministeriums an den Flug- und Seehäfen systematisch kontrolliert. In den Grenzgebieten zu den EU-Nachbarstaaten und der Schweiz werden Einreisende stichprobenartig überprüft – das nennt man Schleierfahndung.

An der deutsch-tschechischen Grenze bildeten sich wegen der neuen Testpflicht am Sonntag teils lange Schlangen. Die deutsche Polizei berichtete am Nachmittag von etwa 500 Menschen am Übergang im bayerischen Schirnding (Landkreis Wunsiedel), an dem eine Teststation eingerichtet wurde. Der stellvertretende Bürgermeister der tschechischen Nachbargemeinde Cheb (Eger), Jiri Cerny, sagte der Deutschen-Presse-Agentur, bei Temperaturen unter null Grad betrage die Wartezeit zwei bis drei Stunden. Auch aus hygienischen Gründen sei die lange Warteschlange ungünstig.

Zur Frage, ob die Grenz-Pendler ein besonderes Risiko darstellten, sagte er nur: «Es ist heute wenig sinnvoll zu fragen, ob derjenige oder derjenige das Virus eingeschleppt hat.» Schätzungen zufolge gibt es zwischen 35'000 und 60'000 Tschechen, die in Deutschland arbeiten und regelmässig über die Grenze pendeln.

An der Grenze Tschechien-Deutschland gilt neu eine Testpflicht.
An der Grenze Tschechien-Deutschland gilt neu eine Testpflicht.
Foto: Keystone
Schweden untersagt Einreisen aus Norwegen wegen Corona-Variante

Schweden verbietet vorübergehend Einreisen aus dem Nachbarland Norwegen, nachdem es Infektionsfälle mit der britischen Variante des Corona-Virus in der Region um die Hauptstadt Oslo gegeben hat. Das Verbot tritt am Sonntag um Mitternacht (2300 GMT) in Kraft und gilt bis zum 14. Februar, wie Innenminister Mikael Damberg nach einer Kabinettssitzung am Sonntag mitteilte.

Norwegens Regierung hatte am Samstag nach dem Ausbruch der britischen Corona-Variante die vorübergehende Schliessung der meisten Einkaufszentren in zehn Gemeinden um Oslo verhängt, darunter auch die Hauptstadt selbst. In der Region leben fast eine Million Menschen. Die Schliessung der Geschäfte könnte dazu führen, dass Norweger nach Schweden reisen und zu einer erhöhten Ausbreitung der Infektion beitragen, erklärte Damberg. Das schwedische Aussenministerium riet zudem von allen nicht notwendigen Reisen nach Norwegen ab.

Schweden hatte zuvor ein ähnliches Verbot für Grossbritannien und das benachbarte Dänemark verhängt. Die zuerst in Grossbritannien entdeckte Virusvariante gilt als schneller übertragbar. Die Einreiseverbote für diese beiden Länder wurden bis zum 14. Februar verlängert, wie Damberg hinzufügte. Ausgenommen von den Verboten seien schwedische Staatsbürger sowie Menschen, die in Schweden leben oder arbeiten, und Menschen mit «zwingenden familiären Gründen», so Damberg.

Konfrontationen ultraorthodoxer Israelis mit Polizei

Hunderte ultraorthoxe Israelis haben sich am Sonntag Konfrontationen mit Polizisten geliefert, die Corona-Regeln durchsetzen wollte. Die Polizisten waren von den frühen Morgenstunden an im Einsatz, um die regelwidrige Öffnung strengreligiöser Bildungseinrichtungen zu verhindern. Ein einflussreicher Rabbiner hatte zuvor dazu aufgerufen, die Schulen im ultraorthodoxen Sektor trotz eines allgemeinen Verbots zu öffnen.

In der Hafenstadt Aschdod sowie in Jerusalem kam es zu teilweise heftigen Konfrontationen mit der Polizei. Im strengreligiösen Viertel Mea Schearim in Jerusalem wurden Sicherheitskräfte als «Nazis» beschimpft. Auch in Bnei Brak bei Tel Aviv blockierten strengreligiöse Einwohner Strassen und bewarfen Polizisten mit Steinen. Nach Polizeiangaben wurden bei Zusammenstössen mehrere Polizisten verletzt und mindestens 15 Demonstranten festgenommen.

Viele Ultraorthodoxe fühlen sich nicht vom Staat Israel vertreten. Sie leben teilweise in einer Art Parallelwelt und folgen eher Vorgaben ihrer Rabbiner als denen des Staates. In ultraorthodoxen jüdischen Wohnvierteln leben häufig grössere Familien auf engem Raum zusammen. Nach Medienberichten gehören inzwischen 40 Prozent der Corona-Neuinfizierten dem tiefreligiösen Sektor an. Gleichzeitig lassen sich im Vergleich zum Rest der Gesellschaft weniger Ultraorthodoxe gegen das Coronavirus impfen.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte die Polizei in der vergangenen Woche dazu aufgerufen, gegen alle Gesetzesbrecher mit «eiserner Faust» vorzugehen. Die Regierungen Netanjahus hatten sich in den vergangenen Jahren auch auf ultraorthodoxe Parteien gestützt. Viele Kritiker warfen dem 71-Jährigen in der Corona-Krise wiederholt vor, zu viel Rücksicht auf die Interessen der Strengreligiösen zu nehmen. In anderen Gesellschaftsgruppen wurde dies mit Entrüstung registriert. Am 23. März wird in Israel zum vierten Mal binnen rund zwei Jahren gewählt. Netanjahu will erneut Ministerpräsident werden.

Niederlande: Krawalle bei erster Ausgangssperre

Die coronabedingte Ausgangssperre hat in den Niederlanden zu Protesten und Krawallen geführt. In der Kleinstadt Urk nördlich von Amsterdam hatten Dutzende Menschen am späten Samstagabend gegen die Sperrstunde protestiert, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. Sie hätten Steine und Feuerwerkskörper auf Polizisten geworfen und Polizeiautos demoliert. Jugendliche steckten nach Polizeiangaben ein Corona-Testzentrum des Gesundheitsamtes in Brand. Zwei Personen wurden festgenommen und Dutzende Geldstrafen verhängt.

Landesweit hat die Polizei nach eigenen Angaben in der ersten Nacht der Sperrstunde mehr als 3600 Geldstrafen verhängt und 25 Personen festgenommen. Auch in Stein im Süden des Landes gab es Zusammenstösse mit der Polizei, als die Beamten eine illegale Party mit etwa 100 Besuchern beenden wollten.

Am Samstagabend war erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie eine Ausgangssperre in Kraft getreten. Die Bürger müssen von 21.00 bis 4.30 Uhr in ihren Wohnungen bleiben. Verstösse werden mit Geldbussen von je 95 Euro bestraft.

Krawalle in den Niederlanden
In rund zehn niederländischen Städten kam es am Sonntag zu Ausschreitungen bei Protesten gegen die Corona-Massnahmen.
Tamedia
Verzögerungen bei Impfstoffen: EU erhöht Druck auf Hersteller

EU-Ratspräsident Charles Michel hat die Hersteller von Corona-Impfstoffen angesichts von Lieferverzögerungen vor möglichen Konsequenzen gewarnt. «Wir erwarten, dass die von den Pharmaunternehmen bestätigten Verträge eingehalten werden», sagte Michel am Sonntag dem französischen Sender Europe 1. Um die Einhaltung der Verträge zu gewährleisten, könne die EU auch «juristische Mittel» nutzen.

Man verstehe, dass es Probleme geben könne, erklärte Michel. Es brauche aber Klarheit über die Gründe. So habe Pfizer anfangs Verzögerungen von Impfstofflieferungen von mehreren Wochen angekündigt. Nachdem man mit der Faust auf den Tisch gehauen habe, sei es dann aber nur noch um eine Woche gegangen.

Nach der Pharmaunternehmen-Kooperation aus Biontech und Pfizer hatte am Freitag auch der Hersteller Astrazeneca angekündigt, zeitweise weniger Impfstoff liefern zu können als ursprünglich geplant. Grund sei eine geringere Produktion an einem Standort in der europäischen Lieferkette, hiess es. Nach Angaben aus der EU-Kommission soll es nun an diesem Montag ein weiteres Treffen des Lenkungsausschusses zur EU-Impfstrategie zu den Verzögern geben.

Die Brüsseler Behörde geht eigentlich davon aus, dass die Mitgliedstaaten mit den von ihr eingekauften Impfstoffen bis Ende des Sommers mindestens 70 Prozent der erwachsenen Bevölkerung impfen können. EU-Ratspräsident Charles Michel räumte am Sonntag ein, dass dieses Ziel nur schwierig zu realisieren sein werde.

Das britisch-schwedische Unternehmen Astrazeneca hat seinen Impfstoff zusammen mit der britischen Universität Oxford entwickelt. Er wird in Grossbritannien bereits genutzt. Für diese Woche wird auch eine Zulassung in der Europäischen Union erwartet.

Erster Jahrestag der Abriegelung von Wuhan wegen des Coronavirus

In der chinesischen Millionenmetropole Wuhan hat sich am Wochenende ihre Abriegelung wegen des Coronavirus gejährt. In der zentralchinesischen Stadt war der neuartige Erreger Ende 2019 erstmals bei Menschen festgestellt worden und hatte sich innerhalb weniger Wochen massiv ausgebreitet. Am 23. Januar 2020 folgte Wuhans Abriegelung, Gedenkzeremonien zum ersten Jahrestag fanden am Samstag nicht statt. In Hongkong trat derweil ein Lockdown für ein Viertel mit besonders prekären Wohnverhältnissen in Kraft.

Vom 23. Januar 2020 an hatten die elf Millionen Einwohner von Wuhan ihre Häuser 76 Tage lang nicht mehr verlassen dürfen. Wenig später wurde die Massnahme auf die gesamte Provinz Hubei ausgedehnt, deren Hauptstadt Wuhan ist. Von China aus verbreitete sich das Virus in die ganze Welt.

Während heute noch zahlreiche Länder gegen die Ausbreitung des Virus kämpfen, erinnert in Wuhan nichts mehr an die Geisterstadt von vor einem Jahr. Öffentliche Verkehrsmittel, Parks und Bars waren am Samstag wieder voller Menschen.

Die «heroische» Antwort Chinas

«Vergangenes Jahr hatte ich Angst, aber die Dinge haben sich sehr verbessert, seit die Epidemie unter Kontrolle gebracht wurde», sagte Wang, der ohne Maske am Jangtse-Fluss entlangjoggte. «Das Leben ist wieder wie früher.»

Viele Chinesen betrachten die weitreichenden Massnahmen der Regierung und die Kooperation der Bevölkerung nicht ohne Stolz. «Wir sehen an den Ergebnissen, dass die Politik der Regierung richtig war», sagte Huang Genben, ein 76-Jähriger aus Wuhan, der selbst 67 Tage lang im Krankenhaus mit Covid-19 zu kämpfen hatte. «Es schmerzt mich, die Pandemie in der ganzen Welt zu sehen.»

Die chinesische Regierung betont immer wieder die «heroische» Antwort Chinas und Wuhans auf das Virus. Zeremonien anlässlich des Jahrestages der Abriegelung Wuhans veranstaltete sie keine.

Polizei in London geht gegen illegale Party mit 300 Feiernden vor

Mit einer Hundestaffel und einem Hubschrauber ist die Polizei in London gegen eine illegale Party mit 300 Gästen vorgegangen. Die Beamten seien bei der Feier auf Widerstand gestossen und hätten eine Tür aufbrechen müssen, teilte die Polizei am Sonntag mit. Noch an Ort und Stelle seien 78 Teilnehmern Strafen in Höhe von je 200 Pfund (rund 225 Euro) wegen Verstosses gegen die Corona-Regeln aufgebrummt worden. Dutzende Gäste seien über Zäune geflohen.

Einsatzleiter Roy Smith kritisierte die Feiernden scharf. «Die Beamten waren wieder einmal gezwungen, ihre eigene Gesundheit zu gefährden, um es mit einer grossen Gruppe unglaublich egoistischer Menschen aufzunehmen, die auf engstem Raum zusammengepfercht waren», sagte Smith. Auch am vorigen Wochenende hatte die Polizei in London Partys mit Hunderten Teilnehmern aufgelöst.

Wegen der Corona-Pandemie gelten in England weitreichende Ausgangs- und Reisebeschränkungen. Treffen mit Mitgliedern anderer Haushalte sind nur in Ausnahmen erlaubt.

Fast 25 Millionen Menschen in USA bisher mit Corona infiziert

In den USA haben sich seit Beginn der Corona-Pandemie vor einem Jahr fast 25 Millionen Menschen mit dem Sars-CoV-2-Virus angesteckt. Die Zahl der bisher registrierten Toten im Zusammenhang mit dem Virus stieg auf knapp 417'500, wie aus Daten der Johns-Hopkins-Universität (JHU) in Baltimore am Sonntagvormittag (MEZ) hervorging.

Die Zahl der Toten binnen 24 Stunden erreichte am Samstag demnach 3332. Der bisherige Höchstwert an Corona-Toten wurde am 12. Januar mit 4462 verzeichnet. Zudem registrierten die Behörden für Samstag 172'650 Neuinfektionen. Der bisherige Tagesrekord lag am 2. Januar bei 298 031 neuen Fällen.

Das Land mit rund 330 Millionen Einwohnern verzeichnet in absoluten Zahlen gemessen weltweit die meisten Infektionsfälle und Toten im Zusammenhang mit dem Corona-Virus.

Die Johns-Hopkins-Webseite wird regelmässig aktualisiert und zeigt daher einen höheren Stand als die offiziellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). In manchen Fällen werden die Zahlen – unter anderem die der Neuinfektionen binnen 24 Stunden, aber auch die der Toten – nachträglich aktualisiert.

Italiens Regierungschef kritisiert Impfstoff-Hersteller

Wegen der verzögerten und verringerten Corona-Impfstoff-Lieferungen hat Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte die Hersteller öffentlich scharf angegriffen. Er nannte Reduzierungen bei Pfizer-Biontech und Astrazeneca besorgniserregend. Auf Facebook schrieb Conte am Samstagabend: «Diese Verlangsamungen der Lieferungen stellen schwere Vertragsverletzungen dar, die in Italien und anderen europäischen Ländern enorme Schäden verursachen (...)». Es gebe «direkte Auswirkungen auf das Leben und die Gesundheit der Bürger" sowie auf Italiens von der Pandemie stark angegriffene Wirtschaft.

Nach den Lieferproblemen bei Pfizer-Biontech hatte vergangene Woche der britisch-schwedische Konzern Astrazeneca angekündigt, zunächst weniger Dosen an die EU abzugeben als geplant. Die Zulassung dieses Impfstoffs wird in Kürze erwartet.

«Wenn sich die Reduzierung der im ersten Quartal zu verteilenden Dosen um 60 Prozent bestätigt, würde das bedeuten, dass in Italien 3,4 Millionen Dosen statt 8 Millionen geliefert würden», schrieb der Jurist Conte. Gesundheitsminister Roberto Speranza habe mit Astrazeneca gesprochen. Conte kündigte den Einsatz rechtlicher Instrumente an, wie man es bei Pfizer-Biontech schon tue. Rom wolle Druck machen zur Einhaltung der Verträge.

Italiens Gesundheitsbehörden hatten schon Mitte Januar die Ankündigung des US-Pharmakonzerns Pfizer, der mit dem deutschen Partner Biontech kooperiert, zur zeitweisen Senkung der Corona-Impfdosen kritisiert. In dem Mittelmeerland mit seinen 60 Millionen Einwohnern wurden bis Samstag nach offiziellen Angaben über 1,34 Millionen Impfdosen gespritzt.

Britische Regierung doch nicht sicher bei tödlicher Virus-Variante

Nach überraschenden Aussagen des britischen Premierministers (zur Meldung) über eine mögliche höhere Sterblichkeit mit einer Coronavirus-Variante rudert die Regierung nun etwas zurück. Es sei «nicht wirklich sicher, wie tödlich» die Mutation B.1.1.7 ist, sagte Gesundheitsminister Matt Hancock am Sonntag dem Sender Sky News. Studien hätten unterschiedliche Daten ergeben. Das Risiko bestehe aber, dass mehr Menschen wegen der zuerst in Südostengland entdeckten Variante sterben. Erwiesen sei, dass diese sich schneller übertrage.

Johnson hatte am Freitag gesagt, es gebe «einige Hinweise» dafür, dass die neue Variante mit einer höheren Sterblichkeit verbunden sei. Dies betreffe Männer in ihren Sechzigern. Wissenschaftler hatten sich über Johnsons Aussagen verwundert gezeigt. Es lägen noch nicht ausreichend Daten vor.

Der stellvertretende medizinische Chefberater der Regierung für England, Jonathan Van-Tam, forderte auch geimpfte Menschen auf, sich weiter an die Corona-Regeln zu halten. Es sei noch nicht erwiesen, ob die Impfung auch die Übertragung des Virus verhindere. «Wenn Sie ihr Verhalten ändern, könnten Sie das Virus weitergeben, somit die Zahl der Fälle auf hohem Niveau halten und andere gefährden», schrieb Van-Tam in der Zeitung «Sunday Telegraph». Mittlerweile erhalten jeden Tag Hunderttausende Menschen eine Dosis, insgesamt sind es bereits mehr als 5,8 Millionen der insgesamt 66 Millionen Einwohner.

Erster inländischer Corona-Fall in Neuseeland seit zwei Monaten registriert

In Neuseeland ist erstmals seit mehr als zwei Monaten wieder eine inländische Corona-Infektion nachgewiesen worden. Wie die Gesundheitsbehörden des Landes am Sonntag mitteilten, wurde das Coronavirus bei einer 56-Jährigen festgestellt, die vor knapp einem Monat von einer Europareise nach Neuseeland zurückgekehrt war. Den Corona-Test nahm sie demnach zehn Tage nach dem Ende ihrer zweiwöchigen Pflicht-Quarantäne nach der Einreise vor.

Die 56-Jährige war am 30. Dezember von einer viermonatigen Reise durch Europa zurückgekehrt. Nach offiziellen Angaben hielt sie sich vor allem in Spanien und den Niederlanden auf. Nach ihrer Einreise sei sie für zwei Wochen in einem Quarantäne-Hotel isoliert worden, das sie am 13. Januar verlassen habe. Zwei Corona-Tests an der Frau während ihrer Isolation seien negativ ausgefallen.

Die Frau habe bereits Tage vor dem positiven Corona-Test Symptome gehabt, teilten die Behörden weiter mit. Nach ihrer Entlassung aus dem Quarantäne-Hotel seien sie und ihr Mann zudem für mehrere Tage durch die nördlich von Auckland gelegene Region Northland gereist und hätten rund 30 verschiedene Orte besucht. Die Kontaktverfolgung laufe nun auf Hochtouren.

Ob nach dem Aufspüren des Corona-Falls ein Lockdown nötig sei, könne noch nicht entschieden werden, sagte Neuseelands Gesundheitsminister Chris Hipkins am Sonntag vor Journalisten. Der Ursprung der Infektion sowie der Virusstamm seien noch unklar. Geprüft wird nach Behördenangaben nun, ob sich die Frau möglicherweise in dem Quarantäne-Hotel angesteckt haben könnte.

Zuletzt war in Neuseeland am 18. November eine inländische Corona-Infektion nachgewiesen worden. Es ist erst das zweite Mal, dass ein Corona-Test bei einem Reiserückkehrer in Neuseeland positiv ausfiel, nachdem dieser die zweiwöchige Pflichtquarantäne in einem der dafür vorgesehenen Hotels absolviert hat. Im August war bei einem aus Indien zurückgekehrten Mann eine Corona-Infektion festgestellt worden – fünf Tage, nachdem er sein Quarantäne-Hotel verlassen hatte.

Neuseeland gilt weltweit als eines der Vorbilder im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Seit dem Beginn der Pandemie wurden in dem Land mit fünf Millionen Einwohnern weniger als 2000 Infektionen nachgewiesen, 25 Menschen starben im Zusammenhang mit Covid-19.

SDA/AFP/red

3592 Kommentare
    Andreas Raggenbass

    "Moderna-Impfstoff wirkt auch gegen Mutation", sagt Moderna. Na wer hätte das denn erwartet!