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FCB-Niederlage in LuzernNur die Internetseite glänzt

Auf dem Papier ist der FC Basel acht Punkte von der Spitze der Super League entfernt. Einer der Gründe dafür ist, dass viele Spieler fehlen. In Luzern sogar einer, der einfach nicht mit wollte.

Acht Punkte trennen Marcel Koller und den FC Basel von der Tabellenspitze. Hat der Trainer nicht bald wieder alle Spieler zur Verfügung, darf man sich vom Wunsch Meistertitel verabschieden.
Acht Punkte trennen Marcel Koller und den FC Basel von der Tabellenspitze. Hat der Trainer nicht bald wieder alle Spieler zur Verfügung, darf man sich vom Wunsch Meistertitel verabschieden.
Foto: Martin Meienberger (Freshfocus)

Auf der Homepage eines professionellen Fussballbetriebs, der seine Kommunikationskanäle auf Hochglanz poliert, fällt ein verpixeltes Porträt eines Spielers sofort auf. Meistens handelt es sich um einen jungen Fussballer, dessen kleines Foto aus dem Juniorenteam für das Kader der ersten Mannschaft vergrössert worden ist. Und immer ist ein solches Bild ein Indiz dafür, dass dieser Spieler kurzfristig ins Kader der ersten Mannschaft befördert worden ist.

Am Sonntag schaute Lirik Vishi zwischen Orges Bunjaku und Edon Zhegrova die Besucher an; die Haare streng nach hinten gestrichen, die Schläfen herunter geschoren, auf der Haut die Zeichen der Jugend. Bisher hatte Vishi 14 Mal mit der zweiten Mannschaft gespielt, seit Sonntag steht eine Halbzeit Super League im Lebenslauf des 19-jährigen Schweizer Mittelfeldspielers.

Lirik Vishi (links, gegen Marvin Schulz) gibt gegen den FC Luzern sein Debüt in der Super League.
Lirik Vishi (links, gegen Marvin Schulz) gibt gegen den FC Luzern sein Debüt in der Super League.
Foto: Martin Meienberger (Freshfocus)

Marcel Koller hatte Vishi in der Halbzeit für Orges Bunjaku eingewechselt. Der FC Basel lag zu diesem Zeitpunkt 0:1 gegen den FC Luzern zurück und verlor das erste Ligaspiel nach der Corona-Pause 1:2. Zwei Tage zuvor waren die Young Boys gegen den FC Zürich zurückgelegen. Trainer Gerardo Seoane wechselte Guillaume Hoarau oder Miralem Sulejmani ein, also Spieler aus dem höchsten Dienstrang, und gewann die Partie.

Ist es diese unterschiedliche Substanz im Kader, die den FC Basel von der Spitze der Super League trennt? Marcel Koller sagt: «Das kann man schon so sagen.»

Einer fehlt, weil er fehlen will

Beim FCB fehlten unter anderem Ricky Van Wolfswinkel (verletzt), Edon Zhegrova (noch lange verletzt) oder die gesperrten Raoul Petretta und Valentin Stocker, der einer von offiziell 300 Menschen im Stadion war (Maske: schwarz und schick). Sie gehören normalerweise zur Startformation oder sind zumindest nahe dran. Taulant Xhaka sagt: «Heute fehlten viele Stammspieler. Aber das soll keine Entschuldigung für die Niederlage sein.» So tönt eine Entschuldigung für eine Niederlage.

Eigentlich hat der FC Basel seine Flügelpositionen ja ausreichend besetzt. Wenn aber die Genannten fehlen und Kevin Bua auch noch abwesend ist, dann wird es eng. Der Romand fehlte, weil er einen Wechsel anstrebt, der VfB Stuttgart geistert als Destination durch die Szene. Jedenfalls stünde eine Verletzung für Bua quer in der Landschaft. Also fehlte er auch, weil er es selbst so wollte. Das sagte Trainer Koller in das plastifizierte Mikrofon des Schweizer Fernsehens.

Während Basels Trainer Marcel Koller einen Debütanten einwechseln muss, sitzen bei den Young Boys Miralem Sulejmani (links) und Guillaume Hoarau auf der Bank. Dieser Unterschied trennt die Basler von der Ligaspitze.
Während Basels Trainer Marcel Koller einen Debütanten einwechseln muss, sitzen bei den Young Boys Miralem Sulejmani (links) und Guillaume Hoarau auf der Bank. Dieser Unterschied trennt die Basler von der Ligaspitze.
Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

Bua ist einer von sechs Spielern, deren Verträge am 30. Juni und damit vor Saisonschluss enden. Das bedeutet, dass Marcel Kollers Kader noch dünner werden könnte. Vielleicht entspannt sich die Situation zumindest bei Arthur Cabral, der möglicherweise bald die Bedingungen erfüllt, nach denen der FC Basel ihn von Palmeiras Sao Paulo übernehmen muss.

Abschliessen mit dem Meistertitel

Sportlich gewänne der FC Basel viel, wenn er den Brasilianer behalten könnte. Immerhin hat er in den zwei Spielen seit der Corona-Pause drei Tore erzielt. Aber die Übernahme kostet den FC Basel Geld. Das freut nach dem Geschäftsjahr 2019 mit fast 20 Millionen Franken Verlust kaum einen der Clubbosse.

Steht Marcel Koller nicht bald wieder das volle Kader zur Verfügung, muss sich der FC Basel davon verabschieden, um den Titel mitzuspielen. Fabian Frei bemüht zwar die rechnerische Möglichkeit, wie das Fussballer und ihre Trainer in diesen Situationen tun. Aber er sagt bei acht Punkten Rückstand auf die Spitze auch: «Momentan spielen um Platz 3.»

Hochglanz ist im Moment nur die Internetseite des FC Basel. Und auch das nicht überall.