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JobcoachNiemand will Ihren Business-Jargon hören!

Wer im «Office» ständig «performt» und «out of the box» denkt, kommt selten gut an. Unser Jobcoach sagt, wie Sie stattdessen reden sollten, um kompetent zu wirken.

Einfache Formulierung statt umständliche Foskel: «Normal» kommt im Geschäftsleben erstaunlich gut an.
Einfache Formulierung statt umständliche Foskel: «Normal» kommt im Geschäftsleben erstaunlich gut an.
Getty Images/PhotoAlto

Die Sprache vieler Führungskräfte ist von wichtigtuerischen Worthülsen durchsetzt. Sie übernehmen nicht Verantwortung, sie übernehmen den «Lead». Sie bringen nicht Leistung, sie «performen». Sie «delivern», sie «committen» sich und gehen die «Extrameile», denn sie wollen «am Ende des Tages» ihren «Footprint» hinterlassen. Dabei muss «die richtige Flughöhe» eingehalten werden – was natürlich nur «out of the box» «zeitnah» und «nachhaltig» machbar ist. Es zählt als «Erfolgsfaktor», sich ständig «proaktiv» zu «challengen». Nur so bleibt man «agil» und erfährt echten «Purpose».

Solche Phrasen sind natürlich immer «steigerungsfähig», denn es gibt nichts, was nicht «zeitnah» «getoppt» werden könnte – wenngleich das «tricky» sein kann, weil man sonst schnell nicht mehr «lean» ist. Offenbar kommt es «final» halt doch auf «wertschätzendes» «Wording» an, wenn man «crossfunktional» «Wirkung erzielen» will. Aber nur wer dabei «ergebnisoffen» ist, bleibt im «grünen Bereich» und vermeidet, sich irgendwann «gesundschrumpfen» zu müssen. Scheinbar besteht «akut» «Handlungsbedarf»: Es müssen mit «Hochdruck» immer neue «agile» «Keywords» «gelauncht» werden, um «rüberzubringen», dass man ein «High-Potential» ist. Dabei ist klar: An der «Kundenfront» führen solche Phrasen zur reinsten «Kundenverblüffung».

Sind Sie noch hier?

Was denken Sie: Wie sympathisch, glaubwürdig und kompetent wirken wir im Job, wenn wir solche Floskeln verwenden? Dieser Frage widmete sich meine Studentin Andrea de Ventura Rajab in ihrer Abschlussarbeit. Sie engagierte einen Schauspieler, der eine fiktive Ansprache einer Führungskraft an ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hielt. Es gab zwei inhaltlich identische Versionen der Ansprache – die eine war durchsetzt von Businessjargon, die andere frei davon.

Die junge Forscherin zeichnete die beiden Ansprachen auf Video auf und bettete sie in ein Onlineexperiment ein. Ein Teil der Befragten bekam die Version mit Jargon zu sehen, der andere Teil die floskellose Version.

Bevor Sie weiterlesen, überlegen Sie mal: Kennen Sie eine Führungskraft, die Jargon verwendet? Und wie wirkt diese auf Sie? Professionell und kompetent – oder eher arrogant und überheblich?

Wahrscheinlich geht es Ihnen so wie den 645 Personen, die an der Studie teilgenommen haben. Entgegen dem in der Geschäftswelt weitverbreiteten Irrglauben wirken Führungskräfte, die Geschäftsjargon* verwenden, weniger sympathisch und weniger glaubwürdig als solche, die auf Businessfloskeln verzichten. Und nicht nur das, sie wirken erst noch weniger kompetent. Übrigens: Auf Gebildete wirkt Jargon besonders schlecht.

Logisch, eigentlich. Aber trotzdem ist in vielen Firmen Jargon eher Regel als Ausnahme. Peinlich, dass viele Jargonplapperer offenbar nicht wissen, wie unvorteilhaft sie mit ihrem Geschwätz rüberkommen.

Was also tun?

Die Empfehlung von Andrea de Ventura ist eindeutig: Verzichten Sie auf Businessjargon, wo immer es geht – das heisst, wo immer es normale Wörter gibt. Und die gibt es fast immer. Legen Sie stattdessen lieber Wert auf Verständlichkeit und Klarheit.

Vorsicht: Wer jahrelang Jargon ausgesetzt ist, droht diesen selbst zu übernehmen. Doch es lohnt sich, nach einer guten und einfachen Formulierung zu suchen, anstatt auf vorgefertigte Phrasen zurückzugreifen. Sie wirken dann nämlich sympathisch, glaubwürdig und kompetent.

Wie ist das in Ihrem Betrieb: Herrschen dort die Floskeln – oder darf man noch normal reden?

* Wohlgemerkt: Notwendige und inhaltlich bedeutsame Fachsprache ist kein Jargon und darf verwendet werden.

Wer mehr wissen will:
De Ventura Rajab, A.: Wahrnehmung von Businessjargon
(im Druck). Schriftenreihe der Kalaidos Fachhochschule Schweiz. Heidelberg: Springer.
Ehmann, H. (2014). Ich bin da ganz bei Ihnen. Das Wörterbuch der unverzichtbaren Bürofloskeln. München: C. H. Beck.