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Tradition und Konvention wirken weiter

2013 wählten über 70 Prozent der Heiratspaare einen gemeinsamen Familiennamen.

Der Wunsch eines Scheidungskindes, den Namen des sorgeberechtigten Elternteils anzunehmen, ist nicht automatisch Befehl. Weil der Name einer Person eigentlich unveränderbar ist, fordert das Bundesgericht weiterhin eine «sorgfältige Abklärung der Umstände des Einzelfalls». Es sei zu beachten, dass die Namensänderung eine weitere Trennung vom andern Elternteil bewirken und das Kindesinteresse beeinträchtigen könne.

Fast alle Frauen verzichten

Susanne Meier, Berner Fürsprecherin mit Spezialgebiet Familienrecht, nennt das Urteil des Bundesgerichts «hocherfreulich». Es erleichtere betroffenen Kindern eine Namensänderung. Meier, die auch Co-Präsidentin des Vereins Kinderanwaltschaft ist, stellt immer wieder fest, dass Kindern die Namensidentität mit dem Elternteil, bei dem sie leben, wichtig ist. «Ein unterschiedlicher Name wird als sehr störend empfunden.» Dass die Eltern gemäss neuem Namensrecht ihre Ledigennamen behalten und den Namen des Kindes frei wählen können, ändert an der rechtlichen Ausgangslage nichts. Sollte es nach einer Scheidung der Eltern den Namen des nicht sorgeberechtigten Elternteils tragen, kann es ein Gesuch stellen. Wie eine Aufstellung des Bundesamts für Statistik für das Jahr 2013 zeigt, wirken die Traditionen offensichtlich stärker, als es der Gesetzgeber vermutet hat. Noch immer wird in über 70 Prozent aller Heiraten ein gemeinsamer Familienname gewählt. In fast 98 Prozent aller Fälle sind es die Frauen, die dabei auf ihren Ledigennamen verzichten.

Schwieriger ist die Situation, wenn nach der Scheidung das gemeinsame Sorgerecht weiter besteht. Sollte das Kind eine Namensänderung wünschen und können sich die Eltern nicht einigen, muss laut Susanne Meier die Kindesschutzbehörde eine Rechtsvertretung für das Kind ernennen, die dessen Interessen wahrnimmt. In einem solchen Fall erlaubt es das Gesetz, die elterlichen Sorgerechte zu beschränken.

Mehr Gesuche, mehr bewilligt

Das neue Namensrecht hat in Bezug auf die Namensänderung schon vor dem Bundesgerichtsurteil Wirkung entfaltet. Dies zeigt eine Aufstellung des Gemeindeamts des Kantons Zürich. Sowohl die Anzahl Gesuche wie auch die Anzahl der bewilligten Gesuche stiegen an. Wurden in den 22 Monaten vor der Gesetzesänderung noch knapp 5  Prozent der Gesuche abgelehnt, sank der Anteil der Ablehnungen in den 22 Monaten seit Einführung des neuen Gesetzes auf gut 1  Prozent.

Thomas Hasler

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