SP-Grossrätin kritisiert Schwarzen Block

Nach Sachbeschädigungen durch Autonome: Die kurdische Kundgebung vom Montag spaltet die Basler Gemüter. SP-Grossrätin Edibe Gölgeli ist wütend.

Edibe Gölgeli ärgert sich über die Sachbeschädigungen an der kurdischen Demonstration vom Montagabend.

Edibe Gölgeli ärgert sich über die Sachbeschädigungen an der kurdischen Demonstration vom Montagabend.

(Bild: Martin Regenass / Pino Covino)

Eine Sprayerei am Rathaus, eingeschlagene Scheiben bei der Credit Suisse. Am Montagabend haben ein paar vermummte Vandalen in Basel am Rande einer prokurdischen Demonstration Sachbeschädigungen begangen und in der Steinenvorstadt mindestens einen Sprengkörper gezündet. Die Basler SP-Grossrätin Edibe Gölgeli hat kurdische Wurzeln. Die Sachbeschädigungen machen sie wütend. «Das Verhalten ist nicht akzeptabel, sondern kontraproduktiv», sagt sie. Es gehe um die Existenz eines Volkes, und darauf möchten die Kurden aufmerksam machen. «Sachbeschädigungen schaden der Sache. Ich appelliere deshalb dringend an die betreffenden Personen, sich zu distanzieren, anstatt Kurdendemos zu missbrauchen.»

Dass Kurden auch in anderen Ländern auf die Strasse gehen, um auf die Situation in ihrer Heimat aufmerksam zu machen, hat Tradition. In der Regel verlaufen solche Kundgebungen aber friedlich, oft organisieren die Kurden sogar selber den Sicherheitsdienst, der für einen gewaltfreien Ablauf sorgt. «So etwas wie am Montag kenne ich nicht», sagt Gölgeli.

«Solidarity with Rojava»

Bereits während der Demo zeigten sich vereinzelte Vandalen. In der ganzen Stadt wurden Plakate aufgehängt und tags darauf ziert eine grüner Schriftzug das Basler Rathaus.

«Solidarity with Rojava» steht auf dem roten Sandstein des Gebäudes am Marktplatz. Rojava ist er Name des kurdischen Gebiets in Nordsyrien, das seit dem Truppenabzug der USA vor wenigen Tagen von der türkischen Armee angegriffen wird.

Verwunderlich: Am Dienstagmorgen war das «Solidarity for» weggewischt worden. Nur noch der Gebietsname «Rojava» ist zu sehen. Bild: Benjamin Wirth

Unweit des Rathauses ist die Credit Suisse Filiale am Spalenberg. Die Scheiben der Bank sind alle beschädigt. Am Dienstagmorgen bekennen sich die Täter auf der linksautonomen Webseite Barrikade.info zu den zertrümmerten Scheiben. «In der Nacht auf Montag haben wir in Basel wie unsere Genossinnen in Zürich eine Bankfiliale der Credit Suisse (CS) mit Farbe und Hämmern angegriffen.», steht da. Mit der Aktion solidarisiere man sich mit dem Kampf der Bevölkerung Rojavas gegen den «faschistischen Angriff». Weshalb ausgerechnet die Credit Suisse das Ziel der Sachbeschädigungen war, wird folgendermassen erklärt: «Die CS steht stellvertretend für den Kapitalismus, weil sie tragende Säule davon ist. Ausserdem steht sie für den westlichen Imperialismus.»

Eine der eingeschlagenen Scheiben der Credit Suisse am Spalenberg. Foto: Benjamin Wirth

Gespaltene Meinungen

Die SVP-Basel-Stadt äusserte sich am Dienstag in einer Medienmitteilung zu den Vorfällen rund um die kurdische Demonstration. Sie ruft die Kurden zur Mässigung und die Polizei zum Handeln auf. «Die Schweiz, als neutrales Land, muss in diesem von internationalen Mächten bestimmten Konflikt in Nordsyrien keine einseitige Position ergreifen, sondern höchstens zwischen den Konfliktparteien vermitteln.», sagt die Pressestelle der Volkspartei. Die SVP verlangt zudem, dass die Polizei bei unbewilligten Demos eingreifen soll.

SVP-Grossrat Joel Thüring liess schon während dem kurdischen Antikriegzug seinem Unmut freien Lauf. Unter anderem nannte er auf Twitter die ganze Aktion einen Irrsinn.

Hingegen die Piraten BS & BL befürworten die Kundebung der Kurden. Unter dem Hashtag #DefendRojava unterstützen sie die Demonstranten.

Auch die Meinung der BaZ-Leser ist gespalten. Einige kritisieren die Behinderung des Öffentlichen Verkehrs. «In Syrien sterben Menschen wegen eines brutalen und sinnlosen Krieges, und Ihr Problem ist der ÖV? Verstehe ich nicht.», kontert eine Leserin. Ein User beklagt seine eigene verschmutzte Hauswand. Wiederum andere finden, man solle kein so grosses Tamtam wegen eines Böllers machen.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt