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«Kleider für Tiere sind absolut ­unsinnig»

Sehen Sie ein Problem beim Petfluencer, also beim Haustier, das berühmt ist in den sozialen Medien?

Ja, weil der Besitzer das Tier für kommerzielle Zwecke nutzt. Die Ökonomisierung von Tieren ist aus meiner Sicht grundsätzlich problematisch, das gilt für eine Milchkuh ebenso wie für einen Petfluencer. Steht das Tier nicht an erster Stelle, sondern der Mensch, hat es verloren. Bei allen Tipps im Netz geht es immer um die optimale Inszenierung, nie ums Tier selbst.

Könnten Sie das präzisieren?

Problematisch am Petfluencing ist, wenn der Besitzer das Tier fürs Bild nicht artgerecht behandelt oder es um seine natürlichen Verhaltensweisen bringt, etwa seinen Tag-Nacht-Rhythmus stört, wie das beim Weissbauchigel Mr. Pokee der Fall war: Der Igel ist nachtaktiv und soll tagsüber schlafen, nicht fotografiert werden. Fatal ist auch, dass solche Bilder Fehlinformationen verbreiten, etwa, dass Faultiere Spass haben, wenn man sie unter den Achseln kitzelt – was für uns Menschen wie ein Grinsen aussieht, ist eine Panikreaktion. Und Katzen schauen komisch, weil man sie in Angst versetzt.

Rühren solche Fehlinterpretationen auch von einer Vermenschlichung der Tiere her?

Ja. Die Bulldogge Chloé sabbert nicht, weil sie Spass im Leben hat, sondern weil sie kaum Luft bekommt.

Markus Wild ist Philosophie-Professor und Tierethiker an der Universität Basel. Foto: PD
Markus Wild ist Philosophie-Professor und Tierethiker an der Universität Basel. Foto: PD

Chloé ist oft in Kleidern und Schuhen abgebildet . . .

Kleider für Tiere sind absolut unsinnig. Der Hund wird gleich doppelt vermarktet: vom Besitzer und vom Hundemodeshop. Überhaupt sollte kein Tier wegen der Kälte Kleider tragen müssen, sonst lebt es nicht in der passenden Umgebung.

Wie darf man das Tier auf Social Media zeigen?

Den normalen Alltag mit seinem Tier zu dokumentieren, ist absolut kein Problem. Ich gehe zum Beispiel oft mit meinem Australischen Schäfer «z Berg», fotografiere uns auf dem Gipfel und stelle das Bild auf Facebook.

Was hat Petfluencing für Auswirkungen auf die Gesellschaft?

Qualzuchten sind ein zunehmendes Problem, hauptsächlich Hunde werden immer kleiner gezüchtet, damit man sie fotogen in Tassen stecken kann. Eine platte Nase verursacht Atembeschwerden, dazu kommen Knopfaugen, wie etwa beim Mops, die sogar rausspringen können. Solche Hunde haben Probleme beim Essen und erbrechen sich regelmässig. Die Nachfrage nach den «herzigen» Qualzuchten wie Bulldogge, Mops oder Chihuahua steigt, die Tiere werden immer billiger in einem unregulierten Markt.

Darf man lustige Tierfilmchen überhaupt anklicken?

Man soll zwischen dem Herzigfinden und dem Klicken und Liken eine Pause einlegen und überlegen, was dahintersteckt: Dass das Tier nicht lacht, sondern vielleicht in Panik ist. Und das Klicken eher sein lassen – sonst trägt man dieses Tierleid mit.

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