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Vier neue Köpfe – und ein altbekannter

Der designierte Basler Intendant Benedikt von Peter hat ein vierköpfiges Team in die Schauspielleitung berufen. Der Vertrag des langjährigen Ballettdirektors Richard Wherlock wird bis Sommer 2022 verlängert.

Leiten in der Saison 2020/21 die Schauspielsparte am Theater Basel: Anja Dirks (v.links), Inga Schonlau, und Jörg Pohl und Antú Romero Nunes.
Leiten in der Saison 2020/21 die Schauspielsparte am Theater Basel: Anja Dirks (v.links), Inga Schonlau, und Jörg Pohl und Antú Romero Nunes.

Der designierte Basler Intendant Benedikt von Peter hat ein vierköpfiges Team in die Schauspielleitung berufen. Der Vertrag des langjährigen Ballettdirektors Richard Wherlock wird bis Sommer 2022 verlängert. Der Geniekult am Stadttheater ist tot. Es lebe das Team! Auf diese Formel dürften sich die vier Theatermacher, die im Herbst 2020 die Direktion des Basler Schauspiels bilden sollen, leicht verständigen. Wobei das keineswegs heisst, dass diesem Quartett jegliches Genie abginge. Die Dramaturginnen Anja Dirks und Inga Schonlau, der Regisseur Antú Romero Nunes und der Schauspieler Jörg Pohl sind in ihren Metiers allesamt absolut profiliert. Was ihnen indes abgeht, ist der Glaube an hierarchische Strukturen, an den Kult um den einen Leitwolf, der aus dem Künstlerrudel herausragt (und immer noch selten genug besetzen Leitwölfinnen diese Position).

Es lebe also das Team! Benedikt von Peter reklamiert dieses Führungsmodell durchaus für sich. Er habe die Gruppe zusammengebracht, die sich zum Teil länger, zum Teil erst seit wenigen Monaten kenne. Es habe auch keine Einzelbewerbung aus den Reihen der Auserwählten gegeben, sagte er am Freitag zur BaZ. Was er nicht sagt, was aber nahe liegt: Die eierlegende Wollmilchsau zu finden, die das aktuelle Allzeithoch der Basler Sprechsparte so einfach vergessen machen könnte, wäre ohnehin eine vermessene Idee gewesen.

Auch Frauenfrage partitätisch gelöst

Zuversicht ist dennoch unbedingt geboten. Dass sich die Spartendirektion gerade auf diese vier Köpfe verteilt, ist für den Neustart nach der Ära Beck ein veritables Versprechen. Erstens: Der Theatertrend, Leitungsposten möglichst paritätisch zu besetzen, wird clever umgesetzt. Nicht nur in der Frauenfrage. Erstmals in Basel stösst zum Beispiel ein Schauspieler in die Chefetage vor: Jörg Pohl (40) hat nicht nur einen exzellenten Ruf, sondern nach zehn Jahren am Thalia-Theater auch seine Erfahrungen mit dem autoritären Intendantenmodell. Er weiss, wovon er spricht, wenn er «das Stadttheater als letzte Bastion des Feudalismus» bezeichnet - und es anders machen will. Das Ensemble in Basel soll mitbestimmen, dafür steht Pohl.

Mit Antú Romero Nunes bildet Pohl die Hamburger Connection im Team. Nunes ist mit 35 einer der hochgehandelten Regisseure im deutschsprachigen Raum. Dass ihm das Schalkhafte zu eigen ist, stellte er mit seinen ersten Statements am Freitag im Schauspielhaus unter Beweis. Dass er einst in Zürich «zuallererst als Deutscher diskriminiert» worden sei, habe ihm sehr gefallen, sagt er. Das war für ihn, den Halb-Chilenen, Halb-Portugiesen, immerhin was Neues. Wobei zu betonen wäre, dass Nunes, bevor er in Berlin, Wien, München, Hamburg inszenierte, in Tübingen aufwuchs und seine Theaterwurzeln im schwäbischen Volkstheater zu finden sind, im in diesem Genre wirklich legendären Melchinger Theater Lindenhof. «Basel begegne ich jungfräulich», lächelt Nunes, «das kann nur aufregend sein. Und sexy.»

Chefaufgaben aufgeteilt

Die dramaturgischen Chefaufgaben teilen sich Anja Dirks (49) und Inga Schonlau (44), beide Deutsche, beide in der Schweiz engagiert. Anja Dirks, demnächst geschäftsführende Dramaturgin, wohnt seit sechs Jahren in Basel, ihr Mann Sven Heier leitet das Roxy in Birsfelden. Sie leitet derzeit das kleine, aber feine Kunst- und Performance-Festival Belluard in Fribourg. Die neue Basler Chefdramaturgin Inga Schonlau gibt soeben ihren Ausstand am Theater Neumarkt, wo die Direktion wechselt. Sie war zuvor bei Barbara Mundels Theater Freiburg für spartenübergreifende Projekte verantwortlich und ist - wie Anja Dirks - mit Matthias Lilienthals Verständnis von einer globalisierten Bühnenwelt sozialisiert.

Die Spartendirektionen ab der Spielzeit 2020/21 sind damit vergeben. Das Ballett liegt, wie Benedikt von Peter am Freitag ebenfalls bestätigte, weiter in den Händen von Richard Wherlock. Sein Vertrag wurde bis zur Saison 2021/22 verlängert. 2021 kann Wherlocks Ballett Basel dann das 20-jährige Bestehen feiern. Und die Oper? Die leitet der Intendant selbst.

Allzu viele Inhalte gab das Leitungsquartett vor den Medien noch nicht preis. Nur so viel - und so zentral: Das Ensemble soll in etwa die gleiche Personalstärke erhalten wie jetzt bei Andreas Beck. «Es ist das Herzstück», meint Nunes, «niemand soll sein Talent am Regiepult abgeben.» Und Anja Dirks unterstrich, dass das Theater zu verwandten Institutionen wie der Kaserne oder den Jugendbühnen keine Konkurrenzsituation aufbauen wolle, sondern das Gegenteil: «Komplizenschaft».

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