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«Die Hirnmasse hat eine Konsistenz wie ein Pudding»

Ärzte reden bei einer Gehirnerschütterung von einem leichten Schädel-Hirn-Trauma. Doch «leicht» bedeutet nicht «harmlos». «Die Hirnmasse hat eine Konsistenz wie ein Pudding und ist nur zum Teil fixiert im Schädel», sagt Peter Zangger, langjähriger Leiter der Neurorehabilitation an der Suva-Klinik in Bellikon AG und führender Spezialist auf dem Gebiet. Durch einen Schlag gegen den Schädel oder eine starke Beschleunigung des Kopfs verzieht sich das Gehirn, wodurch die Nervenzellverbindungen (Axone) gezerrt werden.

Die Verletzungen sind oft reversibel. Die Axone können sich aber auch auflösen und Hirnfunktionen dadurch ausfallen. «Weil das Gehirn sehr plastisch ist, werden diese Ausfälle weitgehend kompensiert – nicht immer aber komplett», sagt Zangger. Von den durch das Trauma zerstörten Axonen weiss man aufgrund von Autopsien bei Verstorbenen. Sie lassen sich bei der üblichen Untersuchung mittels bildgebender Verfahren wie MRI (Magnetic Resonance Imaging) aber nicht nachweisen. Auch die Mikroblutungen nicht, die es manchmal geben kann, «wahrscheinlich gar nicht so selten», wie Zangger sagt. Diese Blutungen finden sich im Bereich von einem Millimeter, beim MRI wird jedoch normalerweise mit Schichten von einem Zentimeter oder mehr gearbeitet.

Obwohl die Symptome einer Gehirnerschütterung meist wieder verschwinden, finden sich bei Betroffenen auch Langzeitfolgen. «Das haben Studien in den letzten Jahren immer wieder gezeigt, insbesondere von Versicherungen wird dies aber immer noch abgestritten», sagt Zangger.

Motorik und visuelle Verarbeitung beeinträchtigt

Das Hauptproblem ist, dass die Schäden sich nicht einfach nachweisen lassen. Nicht mit einem Standard-MRI, aber auch nicht mit groben neuropsychologischen Untersuchungen. «Erst mit feineren Tests finden sich signifikante Veränderungen», so Zangger. Dann zeigt sich unter anderem, dass die Motorik etwa der Hände oder auch die visuelle Verarbeitung beeinträchtigt sind. Bei schweren oder wiederholten Gehirnerschütterungen können bei Kindern auch Einbussen bei den schulischen Leistungen die Folge sein. Im Alter erhöht sich unter anderem das Demenzrisiko nachweislich.

Vor allem bei gewissen Sportarten kommt es wiederholt zu schweren Gehirnerschütterungen. Am schlimmsten ist es beim Boxen. Aber auch bei Kontaktsportarten wie Eishockey, American Football, Rugby oder allenfalls Fussball könnten wiederholte Schläge gegen den Kopf Langzeitfolgen haben. «Das Gehirn goutiert das nicht, das ist klar», so Zangger. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen würde er daher ein Kopfball­verbot begrüssen. (fes)

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