Der Prophet im eigenen Lande

In der hiesigen Öffentlichkeit werden Kunstprojekte von lokalen Künstlern nicht so beachtet, wie sie es verdienen würden. Das ist typisch für eine Stadt, die ihre eigenen Töchter und Söhne gerne kleinhält.

Littmanns Projekt «For Forest» fand im Ausland mehr Beachtung als in der Schweiz.

Littmanns Projekt «For Forest» fand im Ausland mehr Beachtung als in der Schweiz.

(Bild: Gerhard Maurer)

In Klagenfurt steht die Welt kopf. In der Landeshauptstadt des österreichischen Bundeslandes Kärnten dreht sich derzeit alles um das Projekt «For Forest» des Baslers Klaus Littmann. Ausgehend von einer Zeichnung des Künstlers Max Peintner, die Littmann vor vierzig Jahren gesehen hat, pflanzte er gegen alle Widerstände einen realen Wald in das örtliche Wörthersee-Stadion. Die rechte FPÖ tobte und rief zum Widerstand gegen das Kunstprojekt auf, doch Klaus Littmann trieb es während sechs Jahren mit einem unglaublichen persönlichen Einsatz stetig voran, bis der Wald im Stadion am 8. September eröffnet werden konnte.

Seither ist «For Forest» eine einzige Erfolgsgeschichte. Die Leute strömen zu Tausenden ins Stadion, Leonardo DiCaprio zeigte sich begeistert und motivierte damit eine riesige Follower-Gemeinde, Kulturschaffende wie die Schauspielerin Erika Pluhar sowie der neue Direktor des Wiener Burgtheaters, Martin Kusej, unterstützen Littmann, und die Medien von Amerika bis Asien sind vom Projekt begeistert.

Man sucht in Basel eben gerne das Haar in der Suppe, selbst wenn es keines gibt.

In Basel selber haben einige Medien, darunter die BaZ, über «For Forest» berichtet. Doch in der hiesigen Öffentlichkeit werden das Kunstprojekt und sein Macher einmal mehr nicht so wahrgenommen, wie sie es verdienen würden. Das ist typisch für eine Stadt, die ihre eigenen Töchter und Söhne gerne kleinhält. Klaus Littmann hat in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten in Basel spektakuläre Kunstprojekte im öffentlichen Raum realisiert, vom «Engel auf dem Münster» über «Frontside» bis zu dem «Real Fiction Cinema», der «Central Station» und dem poetischen «Jardin des Planètes» im vergangenen Herbst.

Oftmals drehte sich das öffentliche Interesse dabei mehr um die Frage, wie der umtriebige Kunstinitiator diese Projekte finanziert, als um deren Inhalt und Wirkung. Man sucht in Basel eben gerne das Haar in der Suppe, selbst wenn es keines gibt.

Das musste auch Arthur Cohn wiederholt erleben. Die Neider fragen sich hier, ob der Produzent seine sechs Oscars wirklich verdient hat und wie er zu seinem «Star of Fame» in Hollywood gekommen ist? Dabei stehen die Oscar-Statuen bei ihm zu Hause in Basel, und sie wurden ihm während der Oscar-Zeremonien offiziell übergeben. Und auch der «Star of Fame» lässt sich nicht «kaufen», wie das in einzelnen Medien schon unterstellt worden ist.

Arthur Cohn hat sich diese Ehrungen aufgrund seiner von ihm produzierten grossartigen Filme verdient. In den USA wird diese Leistung respektiert, hier wird sie heruntergespielt.

Dass eine kleine Stadt wie Basel diese international wahrgenommenen Botschafter hat, müsste sie eigentlich mit Stolz und Dankbarkeit erfüllen statt mit Häme und Neid.

Trotzdem verweisen Cohn wie Littmann immer wieder stolz auf ihre Heimatstadt Basel, und sie engagieren sich hier auch immer wieder. Arthur Cohn zeigte seinen jüngsten Film «Das etruskische Lächeln» zuerst in Basel, bevor er jetzt in Los Angeles Premiere hat. Und Klaus Littmann hat bislang fast alle seine Kunstprojekte in Basel realisiert. Die Anerkennung, die ihm jetzt im Ausland zuteilwird, ist deshalb mehr als verdient.

Der Prophet im eigenen Lande gilt bekanntlich nichts. Doch die Wertschätzung, die Persönlichkeiten wie Klaus Littmann und Arthur Cohn im Ausland geniessen, hilft vielleicht doch noch, dass ihnen auch hier mehr Respekt entgegengebracht wird. Wenn die «New York Times», der englische «Guardian» oder der deutsche «Spiegel» über «For Forest» berichten, fällt zumindest der Vorwurf der Provinzialität weg.

Basel hat auch andere engagierte Botschafter wie den Architekten Jacques Herzog oder den Direktor der Fondation Beyeler, Sam Keller. Es sind dies Menschen, die sich auf der ganzen Welt souverän bewegen und bestens vernetzt sind und die trotzdem ihre Wurzeln nicht vergessen haben. Sie machen nicht nur beste Werbung für Basel, sondern engagieren sich hier auch immer wieder ausserhalb ihres eigentlichen Tätigkeitsbereiches. Dass eine kleine Stadt mit rund 200'000 Einwohnern diese international wahrgenommenen Botschafter hat, müsste sie eigentlich mit Stolz und Dankbarkeit erfüllen statt mit Häme und Neid.

Basler Zeitung

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