Hinter dem Gatwick-Chaos soll ein Paar aus der Nachbarstadt stecken

Ein 47-jähriger Mann und eine 54-jährige Frau wurden wegen des «kriminellen Gebrauchs von Drohnen» festgenommen.

Die Polizei hat im Zusammenhang mit Drohnenflügen am Flughafen Gatwick zwei Personen festgenommen: Bilder der Nachrichtenagentur Reuters. (22. Dezember 2018) Video: Reuters

Nach den Drohnen-Störaktionen über dem Londoner Flughafen Gatwick hat die Polizei zwei Verdächtige gefasst: einen 47-jährigen Mann und eine 54-jährige Frau aus Crawley, acht Kilometer von dem Airport entfernt. Das Paar wurden am späten Freitagabend in Crawley wegen «kriminellen Gebrauchs von Drohnen» festgesetzt.

In der britischen Boulevardpresse zirkulieren erste Bilder des Paars. Demnach arbeite der Mann als Fensterbauer. Sein Vorgesetzter versicherte dem «Daily Mail» allerdings, der Mann sei während der Störaktionen bei der Arbeit gewesen.

Der Flugbetrieb wurde am Samstag in Gatwick wieder aufgenommen. «Unsere Ermittlungen gehen weiter», sagte Kommissar James Collins von der Polizei der Grafschaft Sussex. Über das mögliche Motiv der Verdächtigen äusserten sich die Ermittler noch nicht.

Rund 40 Mal waren Drohnen über dem Flughafen gesichtet worden, der der achtgrösste in Europa und der zweitgrösste in Grossbritannien ist – rund 40 Kilometer südlich von London. Insgesamt waren als Vorsichtsmassnahme seit Mittwochabend etwa 1000 Flüge ausgefallen oder umgeleitet worden.

144'000 Passagiere betroffen

Betroffen davon waren einem Flughafensprecher zufolge insgesamt 140'000 Passagiere - ausgerechnet kurz vor den Weihnachtsferien. Etliche von ihnen strandeten in Gatwick und schliefen auf Sesseln oder dem nackten Boden.

Am Samstag sollten 757 Flüge mit über 124'000 Passagieren abgefertigt werden. Wegen des dichten Flugplans und Andrangs konnten zahlreiche Maschinen nicht pünktlich starten und landen; einige Flüge fielen aus. Überall bildeten sich lange Warteschlangen.

Kein terroristischer Hintergrund

Von einem terroristischen Hintergrund waren die Behörden bislang nicht ausgegangen. Es gebe auch keine Hinweise darauf, dass eine ausländische Regierung ihre Finger im Spiel habe, sagte ein Polizeisprecher am Freitag vor Bekanntgabe der Festnahmen. Nicht ausschliessen wollten die Ermittler zu diesem Zeitpunkt, dass es sich bei den Tätern um radikale Umweltschützer handelt.

Nach Polizeiangaben wurden «erhebliche Kräfte mobilisiert», um die Drohnen und die Täter ausfindig zu machen. Doch gingen die Störmanöver trotz eines Grosseinsatzes mit Hubschrauber, Scharfschützen und Spezialgerät der Armee zunächst weiter.

Zwar konnte am Freitagmorgen der Flugbetrieb nach 36-stündigem Stillstand wieder aufgenommen werden, abends wurde aber erneut eine Drohne entdeckt. Wieder wurde vorübergehend das Flugfeld gesperrt.

Airport-Geschäftsführer Stewart Wingate sprach von einer «präzise geplanten Aktivität, die darauf ausgelegt wurde, den Flughafen lahmzulegen und maximale Behinderungen in der Vorweihnachtszeit zu bringen». Für Luftfahrtbranche und Behörden sei dies ein Warnschuss.

«Es kann nicht sein, dass Drohnen einen essenziellen Teil unserer nationalen Infrastruktur auf diese Art lahmlegen», erklärte Wingate. «Das ist offenkundig eine relativ neue Technik, und wir müssen gemeinsam über richtige Lösungen nachdenken, um sicherzustellen, dass so etwas nicht noch einmal passieren kann.»

mch/sda

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