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Streit um «La Colline» in ArlesheimNatur- und Kulturschützer geraten unter Zeitdruck

Die Steiner AG als Bauherrin des Überbauungsprojekts in nächster Nähe des Goetheanums verweist auf die vorliegende Baubewilligung.

Auf dem Areal nahe dem Goetheanum, wo die Überbauung «La Colline» entstehen soll, sind bereits Bagger aufgefahren.
Auf dem Areal nahe dem Goetheanum, wo die Überbauung «La Colline» entstehen soll, sind bereits Bagger aufgefahren.
Foto: Pino Covino

Die Initiative Natur- und Kulturraum Dornach-Arlesheim geht in die Offensive. Zweimal richtet sie sich in der «Basellandschaftlichen Zeitung» in einem offenen Brief an den Baselbieter Regierungsrat. Dieser solle das Bauprojekt «La Colline» in Arlesheim zumindest vorläufig stoppen. Kaum ist der offene Brief erschienen, fahren auch schon die Bagger auf. «Es droht jetzt die akute Gefahr, dass trotz des noch ausstehenden Urteils des Kantonsgerichts vollendete Tatsachen geschaffen wer­den», sagt Jennifer Mc Gowan vom Initiativkomitee. «Insbesondere sind irreversible Schäden im direkt benachbarten geschützten Feuchtgebiet ‹Schwinbach-Aue› zu befürchten.» Gemäss einem biologischen Fachgutachten wird der Wasserzufluss zum benachbarten Naturschutzgebiet weitläufig unterbrochen.

Andreas Gurtner, Mediensprecher der Bauherrin, betont die Rechtskräftigkeit der Baubewilligung. Nach ihrer Erteilung im November 2019 habe die Steiner AG einen verbindlichen Zeitplan für das Bauvorhaben aufgestellt «und bereits damals den Beginn der Arbeiten auf Mitte September 2020 terminiert». Die anlaufenden Rodungsarbeiten habe Steiner der Behörde rechtzeitig angekündigt. «Da wir alle Auflagen und Bestimmungen der rechtskräftigen Baubewilligung einhalten, ist der Baubeginn entgegen der Behauptung der Kritiker weder reaktiv noch widerrechtlich.»

Hoffen auf runden Tisch

Am 8. September sei die Bauherrschaft um einen runden Tisch mit allen Beteiligten gebeten worden, schildert Mc Gowan. Sie hätte diesen am liebsten unter der Leitung der Baselbieter Regierung. «Die Steiner AG hat bisher nicht reagiert», so Mc Gowan, «am 9. September bestätigte hingegen die Regierung per Mail, dass sich ‹die Bau- und Umweltschutzdirektion der Thematik annehmen› werde.»

Andreas Gurtner verweist darauf, dass das Areal «Uf der Höchi II» eine weitgehend unbestockte Fläche sei. Die Bau- und Umweltschutzdirektion habe im Entscheid Nr. 24 / 2020 vom 14. Januar 2020 verfügt: «Auf dem Grundstück Nr. 549, GB Arlesheim, wird im Sinne der Erwägungen dem Gesuch auf Anordnung eines vorsorglichen Verbots für Eingriffe in die Vegetation oder ins Terrain nicht entsprochen.»

Goetheanum im Fokus

Kritisiert wird zudem die unmittelbare Nähe zum Goetheanum. Mit seinen umliegenden Gebäuden zählt es zu den schützenswerten Ortsbildern der Schweiz von nationaler Bedeutung. Steiner habe sogar explizit mit der Nähe zum Goetheanum geworben. Eine entsprechende Illustration sei inzwischen von der Website entfernt worden. «Die von uns im Minergie-P-Standard realisierte Überbauung fügt sich dank ihrer hohen architektonischen Qualität und attraktiven Aussenräumen gut in das bestehende Ortsgefüge ein», sagt Andreas Gurtner. Jennifer MC Gowan sagt: «Wir planen eine Aktion vor Ort, um auf die rechtswidrige Zerstörung des Naturschutzgebietes aufmerksam zu machen.»

3 Kommentare
    barbara umiker krüger

    Es geht auch um den Quartierplan Schwinbach-Süd. Da sollen (mit einem anderen GU, nämlich der Implenia) rund 50 "familienfreundliche" 4 1/2-Wohnungen zum Preis von mindestens 1 Million Franken (!) gebaut werden. Denken Sie an den zusätzlichen Verkehr. Das alles an einer schmalen Sackgasse (Zinnhagweg), an der ein Altersheim liegt und von Kindern und Velofahrern stark frequentiert wird. Zudem wird einer der allerletzten Grünflächen zubetoniert. Mitinitiator ist übrigens ein grüner Gemeinderat – der Klimawandel lässt grüssen.

    Wer sich ein Bild der Lage machen möchte, gehe doch dort einmal einen spazieren.

    Barbara Umiker Krüger, vormals Arlesheim