Zum Hauptinhalt springen

«Das war ein grosses Risiko»Nadal attackiert Pariser Organisatoren

Der Rekordsieger musste bis weit nach Mitternacht kämpfen, um die Halbfinals zu erreichen. Danach machte er seinem Ärger Luft.

Rafael Nadel war nach dem Halbfinaleinzug alles andere als glücklich.
Rafael Nadel war nach dem Halbfinaleinzug alles andere als glücklich.
Foto: Reuters

Es war 1.26 Uhr am Mittwochmorgen, als im Kühlschrank von Roland Garros der erste Viertelfinaltag endlich zu Ende ging. Vor wenigen, in dicke Winterjacken eingehüllten Zuschauern, bei Temperaturen um 12 Grad und Dauerwind. Rafael Nadal hatte seinen bisher härtesten Test gegen den 19-jährigen Jannik Sinner 7:6 (7:4), 6:4, 6:1 gewonnen, war nach dem Vorstoss in die Halbfinals aber alles andere als glücklich.

«Das Problem war das Wetter», polterte er an seiner kurzen Medienkonferenz gleich los. «Es ist zwar nicht ideal, eine Partie so spät zu beenden, aber das wahre Problem war das Wetter. Es ist viel zu kalt, um zu spielen», so Nadal. Und weiter: «Ich weiss, dass die Fussballer in solchen Bedingungen spielen, aber das lässt sich nicht vergleichen, denn sie rennen dauernd herum. Wir dagegen rennen auch, pausieren aber nach jedem Punkt.» Diese Unterbrechungen in Zusammenhang mit der Kälte seien heikel. «Es ist etwas gefährlich für den Körper, in solchen Bedingungen zu spielen.»

Längster French-Open-Tag

Noch in der gleichen Antwort griff der zwölffache Paris-Sieger nach seinem 98. Sieg im 100. Einzel an diesem Turnier die Organisatoren an: «Ich weiss nicht, warum sie sich dazu entschieden, fünf Einzel auf dem Chatrier-Court anzusetzen. Das war ein grosses Risiko. Schon als ich die Spielansetzung sah, sagte ich mir, dass es heute extrem lange Partien geben könnte. Genau das ist passiert.»

Dass es zum mit Abstand spätesten Spielschluss in Paris kommen konnte, hatte zwei Hauptgründe. Erstens wurde der am Montag verschobene letzte Achtelfinal der Frauen zwischen Ons Jabeur und Danielle Collins auch noch auf dem Hauptplatz angesetzt – als Startpartie. So begann das eigentliche Tagesprogramm mit vier Viertelfinals (zwei der Frauen, zwei der Männer) bereits mit zwei Stunden Verspätung. Und dann lieferten sich Diego Schwartzman und Dominic Thiem auch noch einen epischen Fünfsätzer, der 5 Stunden und 8 Minuten dauerte und das Aus des US-Open-Siegers brachte.

2020 ist das erste Jahr, an dem in Roland Garros auch unter Flutlicht und mit dem neuen, schliessbaren Dach gespielt werden kann. Dieser Umstand hat die Verantwortlichen für die Spielansetzung wohl etwas sehr mutig – oder leichtsinnig – werden lassen.

Spielbeginn um 22.37 Uhr

Als Nadal und Sinner das eigentliche Schlagerspiel des Tages begannen, war es 22.37 Uhr. Und hätte der unerfahrene, aber immens starke Südtiroler seine Chancen besser genutzt, hätte er zumindest den ersten Satz gewonnen, und die Partie hätte noch einiges länger gedauert als die 2 Stunden und 49 Minuten.

Nadal hatte die Bedingungen schon vor dem Turnier kritisiert, insbesondere den Wechsel von Babolat- auf Wilson-Bälle. «Das sind für mich die bisher schwierigsten Bedingungen», hatte er gesagt. Diese Kritik wiederholte er nach dem Halbfinalvorstoss: «Sinner hat viel Power und grossartige Schläge. Es war schwierig für mich, denn der Ball nimmt einfach keinen Drall an auf diesen Plätzen. Deshalb konnte ich ihn kaum aus seiner Position drängen.»

Trotzdem steht er zum 13. Mal im Halbfinal, hat in seinen ersten fünf Partien noch keinen Satz abgegeben und trifft nun auf einen Spieler, der erstmals so weit gekommen ist: Diego Schwartzman, gegen den er in Rom allerdings in seinem bisher einzigen Sandturnier der Saison verloren hat.

8 Kommentare
    Alex Alfieri

    Er hatte einfach Angst, dass er von dem Südtiroler Teenager geschlagen wird, was durchaus auch möglich gewesen wäre. Die erschwerten Bedingungen haben mehr den alten Fuchs begünstigt. Bin gespannt beim nächsten Spiel , wenn der Junge etwas mehr Erfahrung hat.