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Mögliche Manipulation in ParisNach Slapstickeinlagen – French Open untersucht Wettbetrug

In einem Frauen-Doppel ging offensichtlich nicht alles mit rechten Dingen zu. Wettanbieter schlugen Alarm. Nun ermittelt die Pariser Staatsanwaltschaft.

Die französischen Strafverfolgungsbehörden haben ein Verfahren wegen möglichen Wettbetrugs beim French Open eingeleitet.
Video: Twitter

Das French Open ist in der heissen Phase angekommen. Während US-Open-Gewinner Dominic Thiem nach einem 5-Stunden-Krimi gegen Diego Schwartzman den Halbfinal verpasste und Rafael Nadal nach seinem 100. French-Open-Sieg weiter vom Titel träumen darf (und sich dann fürchterlich aufregte), liegt bei den Frauen ein dunkler Schatten über dem Turnier. Es geht um ein Frauendoppel und insbesondere um eine unbekannte Russin.

So geht die Pariser Staatsanwaltschaft inzwischen dem Verdacht der Spielmanipulationen nach. Es seien Vorermittlungen wegen bandenmässigen Betrugs und Sportkorruption eingeleitet worden, teilte sie am Dienstagabend mit. Die Tageszeitung «Die Welt» hatte berichtet, dass mehrere Wettanbieter wegen auffälliger Wetteinsätze Alarm geschlagen hätten.

Tennis ist für Wettmanipulationen anfällig. Das liegt in der Struktur des Sports.
Tennis ist für Wettmanipulationen anfällig. Das liegt in der Struktur des Sports.
Foto: Keystone

Spiel glich einer Slapstickeinlage

Bei der betroffenen Partie handelt es sich um ein Startspiel vom 30. September zwischen den Rumäninnen Andreea Mitu und Patricia Maria Tig und Madison Brengle/Yana Sizikowa (USA/Russland). In dieser Partie wurde auffällig viel Geld darauf gesetzt, dass die Rumäninnen das fünfte Game im zweiten Satz gewinnen würden, mehrere Hunderttausend Euro, zu einer Quote von etwa 1,9.

Tatsächlich verlor die Russin Sizikowa jenes Game auf auffällige Art ohne Punktgewinn, es glich gar einer Slapstickeinlage. Sie machte zwei Doppelfehler, bei einem anderen Punkt stolperte sie ungeschickt und rannte unglaublich langsam dem Ball nach, den sie dann auch nicht erwischte.

Nur wer gewinnt, verdient Geld

Solange nichts anderes bewiesen ist, gilt die Unschuldsvermutung. Aber längst ist bekannt, dass Tennis für Wettmanipulationen anfällig ist. Ein besonders grosser Skandal erstreckt sich seit ein paar Jahren von Belgien über Frankreich bis nach Deutschland. Wie «Die Welt» Ende 2019 berichtete, sind in diesem rund 135 Spieler involviert. In Belgien und Spanien laufen noch immer Ermittlungen. Selbst die US-Bundespolizei FBI nahm 2019 Kontakt zu belgischen Behörden auf.

Der Grund für die Manipulations-Anfälligkeit liegt in der Struktur des Sports: Nur wer gewinnt, verdient auch Geld. Gewettet werden kann auf viele einzelne Details. Und die Turnierausfälle durch die Corona-Krise könnten das Risiko weiter erhöht haben.