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Museum im Steinbruch LäufelfingenNach 40 Jahren im Keller kommt ein Mosaik wieder ans Licht

Im Museum Silo 12 in Läufelfingen wird den Besuchern die Geschichte der steinverarbeitenden Industrie nähergebracht. Neu mit einem Werk von Fritz Bürgin.

«Bei Tieren gelang es ihm besser, das Fürsorgliche darzustellen» – ein Mosaik von Fritz Bürgin.
«Bei Tieren gelang es ihm besser, das Fürsorgliche darzustellen» – ein Mosaik von Fritz Bürgin.
Foto: Dominik Plüss

Er war kein einfacher Mensch. Das antworten die Kinder des Baselbieter Bildhauers und Zeichners Fritz Bürgin nach langem Überlegen auf die Frage, wie sie ihren Vater in Erinnerung haben. Er war ein Künstler, der bei seiner eigenen Arbeit keinen Kompromiss einging, erzählen sie weiter. «Wenn ihm eines seiner Kunstwerke nicht gefiel, dann zerstörte er es wieder», so Bürgins Tochter Barbara. «Egal, wie viele Stunden er daran gearbeitet hatte.» Als Einzelgänger beschreibt ihn sein Sohn Benjamin Bürgin weiter. «Ein Leitspruch meines Vaters war: ‹Wenn jeder für sich selber schaut, dann ist für alle gesorgt.›»

Das Kunstwerk von Fritz Bürgin, das zum fünfjährigen Bestehen des Industriemuseums zum Thema Stein im Silo 12 in Läufelfingen eingeweiht wird, scheint vor diesem Hintergrund aus dem Rahmen zu fallen. Das Marmormosaik «Beerenvogel» besteht aus drei Teilen und erzählt eine kleine Geschichte. Ein Vogel, der seinen zwei Jungvögeln Beeren bringt, um sie zu füttern. Fürsorglich kümmert er sich um seinen Nachwuchs. «Das Fürsorgliche hat ihn immer sehr beschäftigt», so Benjamin Bürgin. «Wieso suchen Menschen das Miteinander, wenn doch jeder am besten für sich selber schauen sollte?» Dieses Dilemma ist als Thema in vielen von Fritz Bürgins Arbeiten spürbar. Bei den Werken, die Tiere darstellen, scheint es ihm leichter gefallen zu sein, das Sensible, Emotionale darzustellen, als bei seinen Werken mit Menschen als Hauptmotiv.

Kunst für den Keller

Bei der Familie von Doris Blum lag das Mosaik 40 Jahre lang im Keller. Ihre Eltern, die in Liestal eine Drogerie führten, gaben das Kunstwerk 1956 bei Fritz Bürgin in Auftrag, um den Boden vor ihrem Schaufenster ansprechend zu gestalten. Die Idee, einen Vogel und seinen Nachwuchs darzustellen, kam vom Künstler. Blum liefert eine mögliche Erklärung für das gewählte Motiv: «Im Schaufenster waren Heilkräuter, Kosmetik usw. ausgestellt. Auch Beeren waren in der Drogerie ein Thema. Zudem hatten meine Eltern zu der Zeit zwei kleine Kinder, meinen Bruder und mich.» Die Vermutung liegt nahe, dass die beiden Jungvögel symbolisch für die zwei Kinder stehen, die von den Eltern durch das Einkommen aus der Drogerie ernährt werden. Ob diese Interpretation stimmt, weiss nur der Künstler selbst.

Über 100 Stunden arbeitete der Restaurator Kurt Ineichen an dem Marmormosaik, bis es schliesslich an einer der Wände des Silo 12 angebracht werden konnte. Das Silogebäude, in dem das Museum untergebracht ist, steht in einem stillgelegten Steinbruch. Es wurde 1933 gebaut und diente als Lager für Kalkstein. 1960 wurde es vom Kanton Baselland gekauft und für die Lagerung von Splitt verwendet. 2008 ging das Silogebäude in den Besitz des Kultur- und Museumsvereins Läufelfingen über und ist nun seit fünf Jahren ein Museum.

«Da hier im Dorf die zwei Firmen Gips-Union und Koller Zementwarenfabrik fast ein Jahrhundert lang die grössten Arbeitgeber waren, lag es auf der Hand, dass wir in unserem Museum das Thema Stein in den Vordergrund rücken», so Albert Frei, Präsident des Kultur- und Museumsvereins. Im Museum, das von Mai bis Oktober geöffnet ist, erhält man einen interessanten Einblick in die steinverarbeitende Industrie. «Wichtig ist mir, dass die Geschichte von unseren Vorfahren über uns weitergegeben wird an die nächste Generation», betont Frei. «Ich bin überzeugt: Man muss vom Alten lernen, Neues zu machen.»