Zum Hauptinhalt springen

Clubs und CoronaMysteriös mit Maske

Um herauszufinden, wie es sich mit Mundschutz tanzen lässt, hat unsere Reporterin einen Selbstversuch gemacht.

Ein seltener Anblick: Eine fast menschenleere Balz.
Foto: Jennifer Bähler

So leer hat man die Balz an einem Donnerstagabend wohl noch nie gesehen. Kurz vor Mitternacht kann man die Gäste an der «Studentenfutter»-Party im Steinenbachgässlein an einer Hand abzählen: meine Freunde und ich, insgesamt fünf Leute. Dazu ein gelangweilter Barkeeper, der uns sofort bedient. Als er meine Bestellung durch meine Maske und die laute Musik nicht hört, sagt er: «Du kannst deine Maske schon rasch abziehen.» Dann gibt es noch einen DJ, der munter auflegt – es scheint so, als liesse er sich nicht vom leeren Club beirren. Weniger gut gelaunt wirkt sein Kollege, der kontrolliert, ob auch wirklich alle Gäste ihre Maske aufgesetzt haben. Mit Adleraugen patrouilliert er durch den Club. Tatsächlich ist das Personal an diesem Abend in der Überzahl.

Als gäbe es keine Maskenpflicht – der DJ legt unbeirrt seine Musik auf.
Foto: Balz Club

Die ersten zwei Stunden nach der Öffnung fühlen sich an, als gehöre der Club uns. Wir nutzen die gesamte Tanzfläche aus und probieren auch raumgreifendere Dancemoves wie den Spagat aus. In einer sonst so vollen Balz wäre das nicht möglich gewesen. Endlich kann ich tanzen und mich frei bewegen, ohne von verschwitzten und klebrigen Menschen eingeengt zu werden. Auch die Wartezeit für die Getränkebestellung beträgt sagenhafte null Minuten.

Wir sind wohl aber die Einzigen, die trotz des leeren Clubs Spass haben und tanzen. Es kommen zwar immer wieder vereinzelte Gruppen hinein zum Reinschauen, die meisten gehen aber gleich wieder. Kein Wunder, eine Party mit so wenig Menschen ist auch nicht wirklich eine Party. Wie gross ihre Enttäuschung ist, sehe ich nicht. Die Maske verhindert jede Mimik.

Wie es sich mit Maske trinken lässt

Maske ist ein gutes Stichwort. Sie stört. Vor allem beim Trinken. Es gibt drei Techniken für erfolgreiches Trinken mit der Maske: Man kann den Schutz einfach bis zum Kinn runterziehen, ihn nach oben zu schieben, ist auch eine Möglichkeit (siehe Bild unten). Wer sich mit keiner dieser beiden Varianten anfreunden kann, lässt die Maske einseitig vom Ohr baumeln. Sie ganz abzunehmen oder gar nichts zu trinken, wäre auch eine Option. Die 2-für-1-Aktion an der Bar wollen wir uns aber nicht entgehen lassen.

Eine mögliche Art, mit der Maske zu trinken.
Foto: Jennifer Bähler

Die Maske als Barriere?

Der Mundschutz fühlt sich auch beim Tanzen seltsam an, und ich muss ihn immer wieder abziehen, um nach Luft zu ringen. Ich weiss, dass ich heute Abend nicht so wild tanzen werde, damit mir am Ende der Nacht kein mit Schweiss voll gesogener Stofffetzen im Gesicht klebt. Ich belasse es somit bei einem dezenten Hüftschwung.

Nach und nach füllt sich der Club. Um circa ein Uhr morgens erinnert mich die Szenerie an eine grosse WG-Party. Die jungen Gäste sind gut drauf, sie tanzen unbeschwert, und immer wieder ist ein Lachen zu hören. Der Alkohol fliesst. Die Gruppen bleiben aber unter sich. Liegt es an der Maske? Sie verdeckt das wichtigste Zeichen, um mit einer fremden Person in Kontakt zu kommen: das Lächeln. Es lässt sich zwar an den Augen erahnen, ob eine Person lacht, aber ganz sicher kann man sich nicht sein. Deshalb wird vieles mit Gesten wettgemacht: Mit Winken und ausgebreiteten Armen kommen sich die Gäste im Verlauf des Abends näher. So werden auch wir, gerade als wir gehen wollen, von zwei Partygängern angesprochen und auf ein paar Drinks eingeladen. Die Maske stellt also nicht für alle eine Barriere dar.

Corona-gerechte Anmache

Seit der Maskenpflicht sind auch neue (Anmach-)Sprüche im Umlauf: «Du bist hübsch. Mit der Maske bist du nun hübsch und mysteriös.» Einer unserer neuen Bekannten versuchts auf eher unbeholfene Weise: «Du siehst mit der Maske besser aus.» Dafür kassiert er einen bösen Blick von mir. Aber mysteriöser aussehen – und da hat der Unbeholfene gar nicht unrecht: Das tun wir alle durchaus. Viele tragen auch farbige und gemusterte Masken, manchmal passen sie sogar zum Outfit. Um etwa halb drei Uhr gehen wir. Es reicht. Clubbing mit Maske lohnt sich definitiv nur, wenn man sich darauf einlässt und sich der besonderen Umstände bewusst ist.

Das Motto der Balz: Sicher raven.
Foto: Balz Club
8 Kommentare
    Patrick Le Cloarec

    Ähem, werden Waggis-Larven anstatt Schutzmasken in solchen Lokalen zugelassen?