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Prozess in der Türkei Mutmasslichen Fluchthelfern Ghosns drohen bis zu acht Jahre Haft

Nach der spektakulären Flucht Carlo Ghosns aus Japan stehen seine mutmasslichen Helfer in der Türkei vor Gericht. Bei zwei weiteren vermeintlichen Helfern verlangt Japan die Auslieferung.

Machte mit seiner abenteuerlichen Flucht Schlagzeilen: Der frühere Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn. (Archivbild)
Machte mit seiner abenteuerlichen Flucht Schlagzeilen: Der frühere Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn. (Archivbild)
Foto: Mohamed Azakir (Reuters)

Sieben mutmassliche Fluchthelfer des Ex-Automanagers Carlos Ghosn müssen sich in der Türkei vor Gericht verantworten. Der Prozess gegen vier Piloten, zwei Flugbegleiterinnen und einen Verantwortlichen einer Cargo-Firma habe am Freitag in Istanbul begonnen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

Den Piloten und dem Geschäftsmann, die in Untersuchungshaft sitzen, werde Teilnahme an Menschenhandel vorgeworfen. Darauf stünden bis zu acht Jahre Haft. Den Flugbegleiterinnen werden vorgeworfen, die mutmassliche Straftat nicht gemeldet zu haben.

Der frühere Vorstandschef des französisch-japanischen Autobündnisses Renault-Nissan-Mitsubishi war am 19. November 2018 in Tokio unter anderem wegen Verstosses gegen Börsenauflagen festgenommen und angeklagt worden. Im April 2019 wurde er unter strengen Auflagen auf Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen. Ghosn floh dann Ende Dezember unter abenteuerlichen Umständen in einem Privatjet unter anderem über die Türkei nach Beirut. Er soll in einer Kiste versteckt gewesen sein, die am Flughafen als Gepäck für Musikinstrumente deklariert war und nicht durchleuchtet wurde.

Japan bittet um Auslieferung

Derweil hat Japan die US-Justiz aufgefordert, zwei mutmassliche Helfer auszuliefern. Der Antrag basiere auf dem gegenseitigen Auslieferungsabkommen zwischen beiden Ländern. Dies berichteten japanische Medien am Freitag unter Berufung auf die Bezirksstaatsanwaltschaft in Tokio.

Die zwei Verdächtigen, ein 27-Jähriger und dessen 59 Jahre alter Vater, waren Ende Mai in Harvard im US-Bundesstaat Massachusetts festgenommen worden. Ihnen wird vorgeworfen, Ghosn geholfen zu haben, Japan zu verlassen.

Ghosn besitzt neben der französischen auch die libanesische und brasilianische Staatsbürgerschaft. Japan bemüht sich bei der libanesischen Führung um die Auslieferung des geflohenen früheren Autobosses. Japan hat mit dem Libanon kein Auslieferungsabkommen.

SDA