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Geldblog: Teure LiquiditätMuss ich Bares investieren?

Bei hohen Cashpositionen drohen Negativzinsen und langfristig wirds teuer – besser ist es, liquide Mittel zu investieren.

Die Coronakrise verunsichert Sparer und Anleger: Diversifikation ist hierbei nach wie vor eine gute Lösung.
Die Coronakrise verunsichert Sparer und Anleger: Diversifikation ist hierbei nach wie vor eine gute Lösung.
Illustration: Christina Baeriswyl

Meine Frau und ich haben auf unserem Konto der Bank Julius Bär circa 390000 Franken ohne Aktien und auf unserem Konto der Raiffeisenbank circa 150000 Franken ohne Aktien. Auf unserem Konto der ZKB haben wir weitere circa 60000 Franken, aber keine Aktien. Wäre es sinnvoll, die beiden Konti bei Julius Bär und Raiffeisen auf 100000 Franken zu reduzieren und den Rest auf die Staatsbank ZKB zu legen, die ja nicht nur für 100000 Franken haftet, sondern für den gesamten Betrag auf unserem Konto? Leserfrage von B.R.

Ich stelle fest, dass Sie sich angesichts der Coronakrise Sorgen um Ihre liquiden Mittel bei Ihren Banken machen. Tatsächlich wären bei einem Bankkonkurs Cashpositionen wie Sie sie halten lediglich im Umfang von maximal 100’000 Franken pro Kunde und Bank durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt. Im schlimmsten Fall würden Sie Gefahr laufen, einen Teil Ihrer liquiden Mittel zu verlieren. Nun stufe ich die Lage aber nicht so düster ein. Sowohl Julius Bär als auch Raiffeisen sind keineswegs in einer Notlage und robust aufgestellt. Dazu kommt, dass anders als bei der Finanzkrise 2008/2009 in der aktuellen Coronakrise die Banken nicht das Problem sind. Damals waren die Banken Teil des Problems. Die Coronakrise indes ist ein exogener Schock für die Märkte, den die Banken zwar ebenfalls mehr oder weniger stark zu spüren bekommen, aber den nicht sie ausgelöst haben.

Ich verstehe aber, dass Sie sich grundsätzlich Gedanken über Ihre liquiden Mittel machen. Bei der Zürcher Kantonalbank, die als eine der wenigen Banken weltweit ein AAA-Toprating der grossen internationalen Ratingagenturen aufweist und wie Sie richtig schreiben eine Staatsgarantie des Kantons Zürich bietet, wären Ihre liquiden Mittel in einem Krisenfall zweifellos besser geschützt. Falls Sie aber 290’000 Franken von Julius Bär und 50’000 Franken von Raiffeisen auf die ZKB überweisen, hätten Sie dort neu 400’000 Franken in Cash parkiert. Ich gehe nicht davon aus, dass dies die ZKB so akzeptieren würde. Vielmehr müssten Sie damit rechnen, dass Sie Negativzinsen bezahlen müssten, da Sie bei dieser Bank anders bei den anderen Instituten keine Wertschriften halten. Aus Sicht der ZKB ist dies verständlich: Würde sie keine Negativzinsen verlangen, würde sie als topsichere Bank mit liquiden Mittel überflutet, was ihr nichts bringt, aber einiges kostet.

Mit liquiden Mitteln verlieren Sie über die Jahre hinweg unter Berücksichtigung der Langfristteuerung Geld.

Ich würde durchaus die liquiden Mittel wie von Ihnen angedacht auf die ZKB überweisen, aber diesen Betrag nicht einfach auf dem Konto brach liegen lassen, sondern zumindest zu einem beträchtlichen Teil investieren, zumal Sie über die nötige Risikofähigkeit verfügen. So erreichen Sie auch bei Ihren Bankbeziehungen eine Diversifikation. Sobald Sie wenigstens einen Teil Ihres Geldes anlegen, dürfte die ZKB wohl bereit sein, auf Negativzinsen auf dem anderen noch liquiden Teil zu verzichten. Die Bank hat da durchaus Spielraum.

Auch unabhängig von den Negativzinsen macht es für mich wenig Sinn, dass Sie so grosse Beträge einfach auf einem Konto parkieren, selbst wenn das Geld auf einer sehr sicheren Bank liegt. Liquide Mittel bringen keine Rendite, vielmehr verlieren Sie über die Jahre hinweg unter Berücksichtigung der Langfristteuerung Geld. Daher sollten Sie sicherstellen, dass Sie wenigstens auf einem Teil der Mittel eine Rendite erreichen, selbst wenn Sie diese konservativ anlegen.

Anstelle von sehr sicheren konservativen Schweizerfranken-Obligationen, die wegen der rekordtiefen Zinsen derzeit nichts bringen, könnten Sie einen Teil des Geldes als Cashposition bei der ZKB behalten und den anderen Teil weniger konservativ in verschiedene Anlageklassen breit diversifiziert anlegen und so eine anständige Durchschnittsrendite auf dem gesamten Bestand erzielen, ohne dass Sie zu hohe Risiken eingehen.

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