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Mahnwache in BaselMusiker bilden kilometerlange Lichterkette gegen Corona-Regeln

Durch die scharfen Massnahmen des Bundes sehen sich Kulturschaffende in ihrer Existenz bedroht. Die Kultur werde von der Politik übergangen, finden sie – und protestieren still dagegen.

Die Teilnehmer der Mahnwache wollten ein stilles Zeichen gegen die verschärften Corona-Massnahmen im Kulturbereich setzen.
Die Teilnehmer der Mahnwache wollten ein stilles Zeichen gegen die verschärften Corona-Massnahmen im Kulturbereich setzen.
Fotos: Simon Bordier

In Basel ist es am Montagabend zu einer Corona-Protestaktion der etwas anderen Art gekommen. Dominierten bei der Anti-Corona-Kundgebung am Samstag auf dem Messeplatz laute Parolen und teilweise steile Thesen, so war es diesmal bemerkenswert still: In der Innenstadt fanden sich Hunderte Kulturschaffende und Musikbegeisterte zu einer Mahnwache zusammen, um gegen die verschärften Corona-Massnahmen des Bundes im Kulturbereich zu protestieren.

Sie bildeten vom Barfüsserplatz über den Marktplatz und die Schifflände bis zur Predigerkirche eine Lichterkette. Wie von den Organisatoren erhofft, kamen genug Menschen zusammen, um die mehr als einen Kilometer lange Strecke zu überwinden. Die Teilnehmer der bewilligten Kundgebung waren im Vorfeld gebeten worden, Masken zu tragen und 1,5 Meter Abstand zu den anderen Personen zu wahren. Zur Mahnwache aufgerufen hatten allen voran das Sinfonieorchester Basel sowie der Organist und Cembalist Jörg-Andreas Bötticher als Vertreter der freien Szene.

Die Abstandsregeln wurden gut befolgt, wie ein Augenschein vor Ort zeigte. Die maskierten Leute hielten Teelichter, Laternen oder Kerzen in den Händen, manche trugen Instrumentenkoffer mit sich, ein Kontrabassist stimmte ein Ständchen an.

Die Lichterkette erstreckte sich einen Kilometer quer durch die Basler Innenstadt. Dieser Teilnehmer stimmte ein Ständchen auf dem Kontrabass an.
Die Lichterkette erstreckte sich einen Kilometer quer durch die Basler Innenstadt. Dieser Teilnehmer stimmte ein Ständchen auf dem Kontrabass an.

Nicht ganz in die Szenerie passte ein Bettler in der Freien Strasse, der auf seinem Akkordeon «Que Sera, Sera» anstimmte und damit fröhliche Ausgelassenheit verbreiten wollte. Etwas Konkurrenz erwuchs der Lichterkette zudem durch eine Handvoll Demonstranten vor dem Rathaus, die für die Initiative über das Verbot von Kriegsmaterialexporten warben.

Die Organisatoren der Mahnwache trugen T-Shirts mit der Aufschrift «Kulturschweigen» und verteilten Flyer. «Mit den neusten Schutzmassnahmen des Bundes wird die Kultur unbefristet beinahe zum Schweigen gebracht. Das bedeutet für viele Künstlerinnen und Künstler und Kulturschaffende eine existenzielle Bedrohung», heisst es in einer Stellungnahme. Während Shoppincenter offen haben dürfen, lasse man Kulturschaffende kaum noch öffentlich auftreten; durch die strikte Personenobergrenze von 50 Personen gehe ein Grossteil des Publikums verloren. Die schärferen Massnahmen hat der Bundesrat Ende Oktober beschlossen.

«Seit August haben im Stadtcasino Konzerte mit bis zu 1000 Zuschauern stattgefunden. Keine einzige Infektion wurde bisher gemeldet oder nachgewiesen.»

Unterzeichner des Offenen Briefs «Schweigen für die Kultur»

Dabei habe man in den Monaten vor Inkrafttreten der neuen Regeln gezeigt, dass sich Konzerte mit mehreren Hundert Besuchern dank griffiger Schutzkonzepte gefahrlos durchführen liessen, betonen die Musikschaffenden. «Seit August haben unter anderem im neueröffneten Stadtcasino Konzerte mit bis zu 1000 Zuschauern stattgefunden. Keine einzige Infektion wurde bisher gemeldet oder nachgewiesen.»

Die Behörden haben ihrerseits verschiedentlich erklärt, dass nicht per se die Sicherheitskonzepte in Kulturhäusern und Stadien problematisch seien, sondern mögliche Menschenansammlungen auf dem Weg zum Veranstaltungsort und wieder zurück – wenn sich zum Beispiel Personen vor dem Theaterbesuch in einer Bar treffen. Ziel sei es, dass die Menschen sich weniger stark in öffentlichen Lokalen bewegen und die Zahl der täglichen Kontakte reduzieren.

In einem Offenen Brief fordern die Musikschaffenden den Bundesrat sowie die politischen Verantwortlichen in Basel-Stadt nun dazu auf, «eine stärkere Differenzierung bei der Bewertung des Sicherheitsrisikos bezüglich Veranstaltungen vorzunehmen». Auch ausreichende Finanzhilfen und Ausfallentschädigungen für bisher geplante Konzerte seien nötig. Im Internet wurde eine Petition dazu gestartet.

20 Kommentare
    Rainer Zufal

    Die Staatskünstler haben selbstredend nicht gegen die verschärften Corona-Massnahmen des Bundes im Kulturbereich protestiert, sondern sie haben ausschliesslich für mehr Finanzhilfen und Ausfallsentschädigungen demonstriert. Denn die Künstler richten ihre Kritik nicht gegen die Politiker, die die Massnahmen verantworten, im Gegenteil. Sie finden diese gut. Die Staatskünstler wollen einfach mehr Staatsknete.