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Zirkus total bei MCH Group Murdoch-Vertrauter wird Präsident, CEO Stadlwieser wurde gekündigt

Die MCH Group startet chaotisch ins neue Jahr. Über die zukünftige Ausrichtung gibt es Streit, das Personalkarussell dreht hollywoodreif.

Das neue Dream-Team der MCH Group: Andrea Zappia (l.) und Marco Gadola.
Das neue Dream-Team der MCH Group: Andrea Zappia (l.) und Marco Gadola.
Fotos MCH Group

«Die MCH Group hat grosse Potenziale für eine prosperierende Weiterentwicklung.»

Andrea Zappia, Verwaltungsratspräsident MCH Group

Bernd Stadlwieser muss sauer sein, sehr sogar. Am Samstag, eine halbe Stunde vor Mittag, verschickte er eine E-Mail mit dem Titel «Time 2 Change». Tatsächlich ist es für den CEO der MCH Group Zeit geworden, nach 18 Monaten seine Basler Zelte abzubrechen. In der Nachricht an eine ausgewählte Mitarbeiterschaft macht er aus seinem Herzen keine Mördergrube. Trotz der schwierigen Umstände sei er zu «100 Prozent zum Unternehmen committed». Dann aber holt er zum grossen Rundumschlag aus. Zwischen Teilen des Verwaltungsrats und ihm habe es unterschiedliche Vorstellungen gegeben, schreibt er. Diese hätten nicht nur die Strategie, sondern auch seine persönlichen Erwartungen an den Verwaltungsrat betroffen, «um dieses Unternehmen aus der schwersten Krise seiner Geschichte zu führen». Somit sei es nur konsequent und das Beste fürs Unternehmen, sich zu trennen.

Wie es zu dieser Trennung gekommen ist, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen. Nach Informationen dieser Zeitung erhielt er vom Verwaltungsrat die Kündigung. Die einvernehmliche Lösung, wie sie die MCH Group in einer Mitteilung nennt, ist somit beschönigend bis falsch. Konkret soll es unterschiedliche Auffassungen bezüglich Stadlwiesers Unternehmensführung und diverser Projekte gegeben haben. Und das bereits bevor James Murdoch mit seiner Firma Lupa Systems vor Weihnachten offiziell als Ankeraktionär zum Messe- und Eventveranstalter gestossen ist.

Und plötzlich ist Rupert Murdoch im Spiel

Stadlwieser, der am Samstag den offiziellen Kanal der MCH-Group-Kommunikation überrumpelte, indem er seine Sicht der Dinge darlegte, zeigt exemplarisch auf, welches Chaos aktuell bei der MCH Group herrscht. Der Umstand, dass Stadlwiesers Ausscheiden quasi als Randnotiz vermerkt wird, verstärkt noch den Eindruck, dass da etwas kaschiert werden sollte. Stadlwieser als neuen Hoffnungsträger für das kriselnde Unternehmen einzustellen und ihm in einer sehr wichtigen Phase das Vertrauen zu schenken, erwies sich offenbar schon nach kurzer Zeit als Fehler.

So schnell Stadlwieser wieder von der MCH-Group-Bühne verschwindet, so schillernd betritt sie jetzt ein anderer. Andrea Zappia löst den glücklosen Ueli Vischer als Verwaltungsratspräsident ab. Die Personalie Zappia macht deutlich, dass bei der MCH Group nun auch der weite Arm von Rupert Murdoch greift. Es war der Medienmogul und nicht sein Sohn James, der den früheren Ferrari-Manager vom britischen Pay-TV-Riesen BSkyB zu Sky Italia geholt hatte, wo er bereits vorher tätig war. Murdoch verkaufte 2014 Sky Italia und Deutschland für 6,3 Milliarden Euro ironischerweise dann ausgerechnet an BSkyB. Zappia blieb und hat jetzt in Basel wieder sein Déjà-vu mit dem Australier respektive dessen Sohn James.

Der 57-jährige Zappia, in Tripolis geboren, bringt eine globale Dimension ans Rheinknie. Er freue sich ausserordentlich auf die neue Aufgabe, wird er in der Mitteilung zitiert . «Die MCH Group hat grosse Potenziale für eine prosperierende Weiterentwicklung», sagt er.

Seit 2018 gehören Sky Deutschland und Italien zur US-amerikanischen Comcast Corporation. Diese ist der grösste Kabelnetzbetreiber und nach AT&T der zweitgrösste Internet-Dienstanbieter sowie die drittgrösste Telefongesellschaft in den USA. Damit ist auch klar, dass die Reise der MCH Group in den globalen Dienstleistungs- und Unterhaltungsmarkt führt, wo Provinzialität keinen Platz hat und nur Marken wie die Art Basel überleben werden.

Gadola als Basler Gewissen

Dass nun Hollywood im Kleinbasel Einzug hält, hat die MCH Group auch der Tatsache zu verdanken, dass die öffentliche Hand zwar vorderhand weiterhin der grösste Aktionär des Basler Traditionsunternehmens ist, aber gewissermassen nur noch als Steigbügelhalter von Murdoch Verwendung findet. Auf vier bis sieben Millionen Franken veranschlagte die Handelszeitung im letzten Oktober das Handgeld, das die Steuerzahler des Kantons Basel-Stadt an Lupa Systems bezahlten, um die MCH Group zu retten.

Quasi als letzten Mohikaner stellen die Basler das lokale Schwergewicht Marco Gadola dem Italiener Zappia gegenüber. Gadola wird Vizepräsident. Ein Mann, der weiss, worauf er sich einlässt. Der frühere Chef des Basler Medizinaltechnik-Konzerns Straumann sass bereits zwischen 2016 und 2019 im Verwaltungsrat des Unternehmens. Als DKSH-Präsident verantwortet er zurzeit in Zürich einen Dienstleistungs- und Handelskonzern mit gegen 12 Milliarden Franken Umsatz. Jetzt wird er zum letzten Basler Brückenpfeiler bei der MCH Group.

Zappia und Murdoch werden zwar die mit Basel-Stadt beschlossene formelle Vereinbarung einhalten, wonach rentable Messen und Kongresse über eine angemessene, längere Zeitperiode weiterhin in Basel und Zürich durchgeführt werden, mehr aber auch nicht. Mit Zappia erhält Murdoch überdies einen weiteren Verwaltungsrat. Die übrigen privaten Aktionäre, die ebenfalls einen Drittel des Konzerns besitzen, zielen derweil auf steigende Aktienkurse. Ihr hauptsächliches Ziel ist es, den in der Vergangenheit erlittenen finanziellen Schaden zu kompensieren und wieder Geld zu verdienen mit ihrer Beteiligung. Weitere Gestaltungsmerke sind bei ihnen nicht zu erkennen.

«Haltet durch und bleibt dran»

Wie sehr die neuen MCH-Besitzer bis jetzt mit sich selber beschäftigt waren und zu wenig mit Management und Personal, zeigt auch die Tatsache, dass sie trotz allem vom Zerwürfnis mit Stadlwieser überrascht wurden. Die Suche nach einem Nachfolger beginnt erst. Ad interim wird Finanzchef Beat Zwahlen in die Bresche springen. Dieser war 2018 zur MCH Group gestossen. Für den Transformationsprozess des Unternehmens bringt der 60-Jährige wenig Erfahrung ein. Er war zuvor bei den Energie- und Elektrospezialisten Landis + Gyr und Schaffner sowie Rieter Automotive gross geworden. Die Region Basel kennt er aus seiner Zeit bei Vitra in Birsfelden.

Bernd Stadlwieser, der sich vom Basler Messe-Acker macht, bleiben in seinem in Englisch und Deutsch verfassten «Time 2 Change» zum Schluss nur Durchhalteparolen. «Haltet durch und bleibt dran», schreibt er auf seinem privaten Account. Es klingt so, als habe er sein Büro bereits geräumt.

1 Kommentar
    Paddy Müller

    Ob das irgendwann eine Auswirkung auf die Finanzierung des FCB hat?