Müde Polizisten wollen besser schlafen
Nicht nur Personalknappheit und zunehmende Gewalt gegen Beamte bereiten Schweizer Polizisten Sorgen. Bei Grosseinsätzen müssen sie auch noch in Bunkern übernachten. Jetzt fordern sie anständige Betten.

Dem Verband Schweizerischer Polizeibeamter, der die Interessen von 23 000 Mitgliedern vertritt, ist der Kragen geplatzt. «Wie Kaninchen im Käfig» müssten sie bei Grossanlässen nächtigen, klagt der Verband in der neusten Ausgabe seiner Zeitung «Police». Bei interkantonalen Einsätzen hausten die Polizisten «oft unter misslichen Bedingungen, erhalten ungenügende Verpflegung und arbeiten zu viele Stunden am Stück».
Die Polizisten fordern ihre Kommandanten deshalb auf, zumindest bei planbaren Einsätzen wie am Weltwirtschaftsforum WEF in Davos oder an Politikertreffen wie dem G-8-Gipfel 2003 in Evian für bessere Arbeitsbedingungen zu sorgen.
Was Polizisten «erdulden»
Auslöser des Begehrens war laut der «Neuen Luzerner Zeitung» ein direkter Vergleich an der Fussball-Europameisterschaft Euro 08, als die Schweizer mit deutschen Kollegen zusammenarbeiteten. Diese verbrachten ihre Ruhezeit in Hotels, während die einheimischen Ordnungskräfte – der militärischen Tradition entsprechend – in Massenlagern von Zivilschutzanlagen einquartiert waren. Und das ist nicht der Ort, den sie sich nach anstrengenden und langen Diensten wünschen. In der Folge erarbeitete der Verband einen Forderungskatalog, den der Zentralvorstand soeben verabschiedet hat. Die Liste «gibt auch Aufschluss darüber, welche Umstände bislang erduldet werden mussten», schreibt «Police».
Die Polizisten verlangen Unterkünfte in Hotels oder Kasernen an ruhiger Lage, in 4- bis 6-Bett-Zimmern mit Tageslicht, die aber verdunkelt werden können, damit die Mannschaften nach Nachteinsätzen auch tagsüber Schlaf kriegen, und sie sollen höchstens 30 Kilometer vom Einsatzort entfernt sein. Die Polizisten pflegen das Detail. Der Verband wünscht etwa «normale Matratzen (kein Camping)» mit Leintuch, Kissen und Duvet, einen Ruheraum, gute sanitäre Anlagen, einen Stuhl und eine Steckdose pro Polizist, drei Mahlzeiten pro Tag, Lunchpakete für 8-Stunden-Einsätze («mit mindestens folgendem Inhalt: 2 Getränke, 1 Frucht, 2 Sandwiches, 1 Schokoladen-Riegel, evtl. 1 gekochtes Ei») sowie Kühlschränke mit Snacks.
Schlaflos durch die Nacht
Der nationale Verband möchte, dass Politik und Polizeichefs die teils missliche Unterbringung als Problem anerkennen und ihm ein Mitspracherecht bei der Vorbereitung von Einsätzen zugestehen. Der Katalog umfasst aber auch Verbesserungen der Arbeits- und Ruhezeitregeln: höchstens 9 Arbeitstage am Stück, täglich maximal 15 Stunden Arbeit und 9 Stunden durchgehende Pause sowie die doppelte Anrechnung von Überstunden an Wochenenden.
«Nach anspruchsvollen Einsätzen in der Kälte, bei denen die Polizisten nur zwischendurch verpflegt wurden, kommen sie zum Beispiel am WEF in eine Unterkunft, wo ein dauerndes Hin und Her herrscht», sagt der Präsident des Verbands der Kantonspolizei Zürich und EVP-Kantonsrat Peter Reinhard. «Sie kommen einfach nie zur Ruhe und können nicht einmal richtig einschlafen.»
Keine 5-Sterne-Hotels
Es müssten keine 5-Sterne-Hotels sein, sagt Generalsekretär Max Hofmann vom Schweizer Verband. «Und wir sind nicht so stur, dass wir nicht ausrücken, wenn alle Hotelbetten ausgebucht sind», fügt er an. Doch die Schweizer Polizisten seien Profis und möchten als solche behandelt werden: «Es käme keiner Firma in den Sinn, einen ihrer Vertreter oder Monteure in einer Zivilschutzanlage übernachten zu lassen.»
Für Markus Meyer, den Präsidenten des Berner Polizeiverbands, ist die Frage der Unterkünfte Teil eines grundsätzlichen Problems: «Polizist ist zu einem unattraktiven Beruf geworden. Das führt zu massiven Schwierigkeiten bei der Rekrutierung.» In den 70er-Jahren habe ein Polizist noch 1000 Franken mehr verdient als in seinem angestammten Beruf als Mechaniker oder Bäcker, heute sei es gleich viel.
139 neue Stellen für Berner Korps
Der Berner Polizeidirektor Hans-Jürg Käser (FDP) hat zwar vom Unterkunftsproblem noch nie gehört, teilt aber die Kritik: «Die Berner Regierung will das Korps von heute 2300 Polizisten bis 2015 um 139 Stellen aufstocken.» Um die nötigen Leute zu finden, sei auch im Gespräch, die Polizisten in eine höhere Lohnklasse einzureihen.
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