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24-Stunden-Betreuung«Mit der Schweiz bin ich fertig»

Sie blieben während des Lockdown bei ihren Klienten und arbeiteten 12 Stunden täglich. Nun erzählen Altenbetreuerinnen aus Polen und der Slowakei, wie sie gedemütigt und um ihren Lohn gebracht wurden.

Mitten in der Corona-Krise wurde sie aus dem Haus ihrer Klientin geworfen: Julia Kowalski wusste nicht, «wohin ich sollte».
Mitten in der Corona-Krise wurde sie aus dem Haus ihrer Klientin geworfen: Julia Kowalski wusste nicht, «wohin ich sollte».
Illustration: Robert Honegger

Am 28. März steht Julia Kowalski plötzlich auf der Strasse. Drei Monate lang hat sie eine alte Frau im Kanton Nidwalden betreut, sie jeden Tag gewaschen, ihr Essen gekocht, sie im Rollstuhl geschoben, zwölf Stunden am Tag – und so manche Stunde in der Nacht. Ausser ihrer Klientin hat die 61-jährige Polin kaum andere Menschen getroffen. Manchmal sei sie so einsam gewesen, erzählt sie, «dass ich auf den kurzen Spaziergängen schon mit den Kühen und Schafen gesprochen habe. Auf Polnisch.»

Dann teilt der Sohn der Klientin Julia Kowalski mit, dass er sich ihre Dienste nicht mehr leisten könne. Dass sie sofort das Haus verlassen müsse. Mitten in der Corona-Krise. Kowalski ist in Panik. In ihre Heimat Polen kann sie nicht zurück. Sie hat kein Auto, und es gibt keine Züge, keine Cars mehr, die über die Grenze fahren. Für ein Hotelzimmer in der Schweiz aber hat sie kein Geld: «Ich stand da mit meinem Koffer und wusste nicht, wohin ich sollte», erinnert sie sich heute: «Es war wirklich schlimm.»

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