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Pop-BriefingMit den Rolling Stones durch die Geisterstadt

Die essenzielle Popmusik der Woche: Mit den Rock-Titanen, die den Lockdown besingen, und einer Fiona Apple, die einen Kloss im Hals hinterlässt.

Die Rolling Stones im Sommer 2019 an einem Konzert im US-amerikanischen New Jersey.
Die Rolling Stones im Sommer 2019 an einem Konzert im US-amerikanischen New Jersey.
Foto: Keystone

Das muss man hören

Auch die Rolling Stones lassen sich in der Krise nicht lumpen: Mitte April sammelten sie beim virtuellen Mega-Benefiz «One World: Together at Home» mit anderen Weltstars Geld für die Weltgesundheitsorganisation, jetzt veröffentlichen sie einen eigenen Song zum Lockdown. «Living in a Ghost Town» heisst er und bietet typische Stones-Kost: ein bisschen Bluesrock hier, ein Hauch Boogie da. Dazu gibt es Bilder aus verwaisten Weltstädten. Und vielleicht bilde ich mir das nur ein, aber: Scheint nicht auch ein bisschen «Ghost Town» der Specials durch?

Wenn Fiona Apple das erste Album seit acht Jahren veröffentlicht, ist Hinhören fast Pflicht. Und «Fetch the Bolt Cutters» enttäuscht nicht. Musikalisch mal filigran-leichtfüssig wie das Piano in «I Want You to Love M, mal scheinbar vor Lebensfreude übersprudelnd wie auf «For Her», weiss man doch, dass mehr dahinterstecken muss. In der Tat: Textzeilen wie «You raped me in the same bed your daughter was born in» («Du hast mich im gleichen Bett vergewaltigt, in dem deine Tochter geboren wurde») verursachen beim Hörer einen Kloss im Hals. Ein eindrückliches Album.

Jamie XX, Querdenker par excellence aus dem Hause The XX, hat ebenfalls einen neuen Track veröffentlicht (und mehr, siehe unter «Fundstück der Woche»). «Idontknow» hinterlässt beim ersten Hören Verwirrung, aber so ist es beim Engländer: Man kommt erst beim zweiten, dritten Durchlauf erst wirklich dahinter.

Darüber wird gesprochen

Die «Beastie Boys Story» auf Apple TV+ gab zuletzt Anlass zu reden, vor allem natürlich auch für die beiden verbliebenen Beastie Boys Mike D und Adrock. Die betrieben auf charmante Art Promo für den Dokfilm, indem Sie mit Showmaster Jimmy Fallon und The-Roots-Drummer Questlove eine knappe Stunde lang aus dem Nähkästchen plauderten. Aufmerksame Leser des 2018 erschienenen Beastie-Boys-Buchs werden die eine oder andere Anekdote wiedererkennen, aber es ist herzerwärmend, diesen zwei sympathischen New Yorkern beim Erzählen zuzuhören. Und Questlove selbst doppelte dieser Tage noch einmal nach und spielte vier Stunden lang Songs der Beasties und solche, die von den Rap-Vorreitern gesampelt wurden.

Das Schweizer Fenster

Die Band Alois aus Luzern hat seit Januar drei neue Tracks veröffentlicht: «Ocean Ground», «Light the Fire» und zuletzt «After Life». Letztere Nummer zeichnet sich durch einen entspannten, leicht funkigen Groove aus, der fast ein wenig Strandgefühl aufkommen lässt. Das dazugehörige Album «Azul» war ursprünglich mal für den 17. April angekündigt, es kommt sicher bald.

Was blüht

Ein neues Puscifer-Album? Das Neben-Nebenprojekt von Tool-Sänger Maynard James Keenan (wenn der nicht gerade dreizehn Jahre damit beschäftigt ist, ein neues Tool-Album aufzunehmen oder sich mit seinem Nebenprojekt A Perfect Circle vergnügt) scheint wieder auf der Bildfläche zu erscheinen. Nachdem die Tool-Veröffentlichung «Fear Inoculum» durch ist, erschienen nun auf Instagram zwei Teaser, offensichtlich des gleichen Songs. Dazu ein Bild, das als Cover eines neuen Albums dienen könnte. Oder ist es doch nur eine Single? Egal, wie man auf Reddit nachlesen kann, feiern es die Fans.

Das Fundstück

Zurück zu Jamie XX. Ein besonderes Vergnügen ist es, den Herrn als DJ zu erleben. Unlängst gab er sich die Ehre, einen Essential Mix für BBC Radio 1 zu erstellen. Und da die Mixe genau so sind, wie sie heissen, nämlich essenziell, gehören diese zwei Stunden in Ihre Gehörgänge. Nach gemächlichem Start geht es nach rund zehn Minuten schnell auf Flughöhe, ab dann darf getanzt werden. Das geht zum Glück ja auch daheim.

Die Wochentonspur

Neue Musik gibt es wie immer auch gesammelt in der Wochentonspur. Mit den meisten hier besprochenen Künstlerinnen und Künstlern sowie neuerem von M. Ward, Haru Nemuri und den Einstürzenden Neubauten.