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Terror in AfghanistanMindestens 22 Tote bei Angriff auf Universität

Drei Bewaffnete haben das Uni-Gelände in Kabul gestürmt und sich stundenlang ein Feuergefecht mit afghanischen Eliteeinheiten geliefert. Der IS reklamiert den Angriff für sich.

Ein Polizist patrouilliert vor der Universität von Kabul. (2. Oktober 2020)
Ein Polizist patrouilliert vor der Universität von Kabul. (2. Oktober 2020)
Foto: Rahmat Gul (Keystone)

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat den Angriff auf das Gelände der Universität von Kabul mit mindestens 22 Toten für sich reklamiert. Zwei IS-Kämpfer hätten den Campus während einer Abschlussfeier gestürmt, erklärte die Gruppe in einer über das Internet verbreiteten Nachricht des IS-Sprachrohrs Amak am Montag. Bei der Veranstaltung sei der Abschluss einer Ausbildung gefeiert worden, an der unter anderem mehrere Richter teilgenommen hätten. Der IS sprach in der Nachricht von 80 Todesopfern und Verletzten.

Nach offiziellen Angaben waren bei dem Angriff mindestens 22 Menschen getötet worden, darunter auch die Angreifer. Anders als der IS sprach das afghanische Innenministerium von drei Tätern. Mindestens 22 weitere Menschen wurden demnach verletzt. Dem Innenministerium zufolge hatten die Bewaffneten das Areal gestürmt und sich sechs Stunden lang ein Feuergefecht mit afghanischen Eliteeinheiten geliefert. Dann wurden sie von den Sicherheitskräften getötet.

Die afghanischen Kräfte wurden nach Angaben eines US-Militärsprechers von der Nato-geführten Mission Resolute Support unterstützt. Weitere Einzelheiten gab es zunächst nicht.

Explosionen und Schüsse waren zu hören

Die afghanische Regierung kündigte für Dienstag einen nationalen Trauertag am, um der Opfer des tödlichen Anschlags zu gedenken. Die Nationalflagge werde im Land sowie an allen diplomatischen Vertretungen Afghanistans weltweit auf halbmast gesetzt, hiess es am Montagabend in einer Mitteilung aus dem Präsidentenpalast.

Augenzeugenberichten zufolge kam während einer von Afghanistan und vom Iran organisierten Buchausstellung zu dem Anschlag. Die Bewaffneten hätten in Militäruniform bekleidet den Campus betreten und sich dann in einer der Fakultäten stundenlang ein Feuergefecht mit afghanischen Sicherheitskräften geliefert, hiess es.

Die afghanische Polizei fährt zum Ort des Anschlags an der Universität Kabul. (2. November 2020)
Die afghanische Polizei fährt zum Ort des Anschlags an der Universität Kabul. (2. November 2020)
Foto: Omar Sobhani (Reuters)

Die Angreifer hätten zwischenzeitlich eine unbestimmte Anzahl von Studenten als Geiseln genommen, sagte ein Hochschulprofessor der Deutschen Presse-Agentur. Während der Gefechte waren über dem Campus Hubschrauber zu sehen sowie Explosionen und Schüsse zu hören.

Hunderte von Studenten, Professoren und Verwaltungsmitarbeitern flüchteten Augenzeugenberichten zufolge nach Ausbruch der Gefechte vom Gelände. Hunderte weitere Menschen wurden später von Sicherheitskräften in Sicherheit gebracht.

«Verachtenswürdiger Terror-Akt»

Afghanistans Vizepräsident Amrullah Saleh bezichtigte die Taliban des blutigen Angriffs auf die Universität, diese stritten ihre Beteiligung jedoch ab.

Afghanistans Regierung spricht seit September mit den militant-islamistischen Taliban über Frieden, doch der Konflikt im Land geht mit einem hohen Gewaltniveau weiter.

«Solche Taten sind auch Anschläge auf die Zukunft Afghanistans.»

precherin des EU-Aussenbeauftragten Josep Borrell

Die Europäische Union verurteilte die Tat am Montag als «verachtenswürdigen Terror-Akt». Es handele sich bereits um den zweiten Anschlag auf eine Bildungseinrichtung in Kabul in weniger als zehn Tagen. «Solche Taten richten sich nicht nur gegen unschuldige Zivilisten, vor allem junge Menschen. Sie sind auch Anschläge auf die Zukunft Afghanistans. Die Studenten von heute sind die Anführer von morgen», teilte eine Sprecherin des EU-Aussenbeauftragten Josep Borrell in Brüssel mit.

Erst vor einer Woche starben bei einem IS-Selbstmordanschlag in Kabul 24 Schülerinnen und Schüler, fast 60 wurden verletzt. Auch in der Vergangenheit hatte es Angriffe auf Bildungseinrichtungen in dem Land gegeben. 2016 waren bei einem Anschlag auf die Amerikanische Universität in Kabul 16 Menschen getötet worden.

SDA