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«Merkels Handeln hat etwas Tragisches»

«Wir sind alles Prinzen.» Romancier Leon de Winter (62) über das Leben im Westen im 21. Jahrhundert.

Herr de Winter, wir treffen uns in Berlin vor einer Lesung. Sie sprechen ausgezeichnet Deutsch. Welches Verhältnis haben Sie zu Deutschland?

Sie denken an die Flüchtlingspolitik?

Erstaunlich, dass Deutschland so gehandelt hat?

Wie meinen Sie das?

Sie meinen Prostituierte zur Bedürfnisbefriedigung männlicher Flüchtlinge?

Sie sagen, es sei erstaunlich, dass Merkel so handelte. Was ist Ihre Theorie?

Sie forderten öffentlich auch schon eine liberale Flüchtlingspolitik. Haben Sie Ihre Meinung geändert?

Vielleicht fehlt es diesen Syrern an ­Organisation und an einer Idee, mit der sie sich identi­fizieren könnten.

Welchen?

In ein neues Land kommen, schrieben Sie mal, sei ein bisschen wie sterben.

Hat diese Bereitschaft zur Aufgabe bei Emigranten heute abgenommen?

Glauben Sie, dass wir das zu wenig kommunizieren?

In der deutschen Öffentlichkeit wird gerade viel über Identität diskutiert. Hat in Holland diese Debatte früher ein­gesetzt, etwa nach der Ermordung des islamkritischen Politikers Pim Fortuyn?

Junge Marokkaner seien in Anzug und Krawatte nach Holland gekommen, ­sagten Sie einmal, und zwanzig Jahre später im Wüstengewand durch Amsterdam gezogen, enttäuscht davon, den Anschluss nicht gefunden zu haben. Hat sich die Integration verbessert?

Arabische Migranten und Flüchtlinge kommen aus einer antisemitischen Kultur. Wird das für Europa zum Problem?

Wie nehmen Sie das Phänomen des Rechtspopulismus wahr? Donald Trump in Amerika, Geert Wilders in Holland?

Sie glauben, direkte Demokratie könnte den Populismus eindämmen?

Der Begriff «Populismus» ist zu einem gewissen Teil sicher ein Instrument der Etablierten, um die klein zu halten, die ihre Macht streitig machen.

Vielleicht müssten wir eher von einer Verrohung der Sprache, einem Hang zu Vereinfachung sprechen.

Trotzdem: Würde Ihnen Trump als US-Präsident Angst machen?

Sie lebten lange auch in Los Angeles. Entspricht Ihnen das Amerikanische mehr als das Holländische?

Wie stabil ist diese Zivilisiertheit?

Diese Freiheit ist extrem verlockend. Wieso spricht sie viele doch nicht an?

Sie wirken nachdenklich.

Ihr Vater war orthodoxer Jude. Sie selbst leben säkular. Sind Sie auch ein bisschen gestorben, als Sie sich von der Religion distanziert haben?

Hat Ihr Vater es akzeptiert, dass Sie kein religiöses Leben führen wollten?

Hatten Sie ein schlechtes Gewissen?

Mussten Sie dreimal am Tag beten?

Am sechsten Dezember.