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Erst die Stadt, und dann der Präsident

Zwar kann man einem Politiker nicht vorwerfen, auch an sich zu denken. Man kann von ihm aber erwarten, über sich hinaus zu handeln.

Angesprochen auf den bestmöglichen Wahlkampfslogan, fielen Mani Matter zwei Worte ein: «Wählt mich!» Der Berner Troubadour hatte das seltene Talent, das Treffende mit dem Bündigen zu verbinden. Zwar kann man einem Politiker nicht vorwerfen, auch an sich zu denken. Man kann von ihm aber erwarten, über sich hinaus zu handeln. Das gilt besonders für das Amt des Stadtpräsidenten, das zwei Eigenschaften vereint, die Politikern gefallen. Ein Stadtpräsident kann in seiner Umgebung eingreifen. Und weil er dabei seine Stadt vertritt, macht ihn das schnell bekannt. Die Reihenfolge ist entscheidend, und hier beginnen die Probleme. Idealerweise werden Stadtpräsidenten nämlich bekannt, weil sie eine gute Politik gemacht haben. Sie machen aber noch keine gute Politik, nur weil sie bekannt sind.

Erfolge werden gerne zelebriert

Stadtpräsidenten bringen das gelegentlich durcheinander. Womit wir bei den bekanntesten Stadtpräsidenten der Deutschschweiz angelangt wären, Elmar Ledergerber in Zürich und Alexander Tschäppät in Bern. Beide politisieren als gebügelte Sozialdemokraten, die sich vor allem dann an ihre Partei erinnern, wenn sie diese brauchen. Beide feiern für sich Erfolge, an denen viele andere beteiligt waren. Beide inszenieren sich meisterhaft, beide haben grosses kommunikatives Talent, beide lieben ihre Stadt und wünschen sich sehnlich, diese möge sie zurücklieben.

Präsenz nur bei positiven Nachrichten

Dabei haben die beiden Mühe, ihre Bedürfnisse und die ihrer Stadt auseinanderzuhalten. Ledergerber weiss sich in den Medien wortreich und farbenfroh darzustellen, nur wuchtet er sich manchmal zu sehr in den Vordergrund, auch wenn er im Namen vieler redet. Kritik an seinen Selbstinszenierungen erträgt er ausserordentlich schlecht. Was er für Zürich tut, präsentiert er so, dass seine eigene Leistung besonders hell erstrahlt. Tschäppät seinerseits, der im Wahlkampf als zugänglicher Politiker für alle aufgetreten war, taucht regelmässig weg, wenn es Unangenehmes zu besprechen gilt. Statt Mitverantwortung zu übernehmen, gibt er gerne anderen die Schuld - am auffälligsten bei den Ausschreitungen während der SVP-Demonstration vor den Nationalratswahlen.

Tschäppät tritt wieder an, Ledergerber tritt ab. In Zürich fragt man sich, ob die Stadt diese Sorte Präsidenten oder Präsidentin braucht. Es kann von Vorteil sein, wenn ein Stadtpräsident Charisma besitzt, wenn er seine Anliegen angenehm vortragen und seine Person gut zur Geltung bringen kann. Viel wichtiger bleibt aber, wie er mit Kritik umgeht. Wie die Erfahrung zeigt, fällt das jenen am schwersten, die ihre Person am wenigsten von ihrem Amt unterscheiden.

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