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Die Frau, die immer neue Herausforderungen braucht

Siemens bricht mit 160 Jahren Tradition: Zum ersten Mal in seiner Geschichte öffnet der deutsche Weltkonzern sein oberstes Führungsgremium einer Frau.

Die Schweizer Vorzeigemanagerin Barbara Kux zieht in den Vorstand des Industrieriesen ein.Bis Ende September sass die Zürcherin für die niederländische Firma Philips als Einkaufschefin und Verantwortliche für Nachhaltigkeit in der Konzernleitung. Bereits kommenden Montag tritt die 54-Jährige nun ihre neue Stelle an; in identischer Position, aber mit einem doppelt so hohen Einkaufsvolumen von 42 Milliarden Euro.

Die Berufung zu Siemens ist für die in der Schweiz trotz allem nur wenig bekannte Schwester des ehemaligen Zürcher Wirtschaftsförderers Stephan Kux der vorläufige Höhepunkt einer Bilderbuchkarriere. Ein Aufstieg, in dem allerdings auch relativ kurze Einsätze für die einzelnen Arbeitgeber auffallen.

Berufserfahrung in verschiedenen Bereichen

Nach Abschluss der Hotelfachschule Lausanne vor 30 Jahren sammelt Kux erste Erfahrungen bei Nestlé Deutschland. Nach dem MBA an der französischen Kaderschmiede Fontainebleau folgen Stationen bei McKinsey und 1989 der Aufbau des Osteuropageschäfts bei ABB nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Vier Jahre hält es die Ungeduldige aus, dann lockt die Herausforderung, Nestlé Osteuropa auf Erfolg zu trimmen. Kaum ist das geschafft, bringt Kux Nestlé Polen nach vorn. Nächste Station ist der Autokonzern Ford: Sie ist in Wien Chefin der Verkäufe in Zentraleuropa, um später an den Europa-Sitz nach Köln berufen zu werden. Gerüchte, bei Ford habe man ihr nahegelegt, eine neue Stelle zu suchen, weil sie das Geschäft nicht im Griff habe, dementiert die Zürcherin im Januar 2003. Ein paar Monate später wird dann doch bekannt, dass sie zu Philips nach Amsterdam in die Konzernleitung wechselt. Und nun also Siemens.

«Frau Kux ist ein Wirbelwind, alles muss immer sehr schnell gehen», sagt Harry Holzheu, der frühere Coach der Managerin. Wenn ein Job zur Routine werde, beginne sie sich zu langweilen. In ihren Forderungen an die Angestellten sei die Marketingexpertin aber konzilianter geworden, und mit ihrem Charme habe sie schon immer viel erreicht. «Es ist ihr dabei gelungen, stets ganz Frau zu bleiben - in dieser Männerwelt keine Selbstverständlichkeit.»

Synergien finden — Effizienz erhöhen

Ihr Charme hat Barbara Kux tatsächlich schon oft die Arbeit erleichtert. Ob bei ABB, Nestlé, Ford oder Philips: Stets gehörte es zum Job der Managerin, Sparpotenzial ausfindig zu machen, Synergien zu finden, die Effizienz zu erhöhen. Das geht nicht ohne harte Auseinandersetzungen mit Lieferanten und Beschäftigten ab. Charme kann da helfen.

Siemens hat Kux aber nicht nur wegen ihrer Erfahrung im weltweiten Einkauf, sondern auch wegen ihrer Expertise in Sachen Nachhaltigkeit geholt. Seitdem sie 1991 am Massachusetts Institute of Technology (MIT) an einer der ersten wegweisenden Studien zum Thema mitgearbeitet hat, gilt sie als «Öko-Managerin». Die frühere Pfadfinderin hat Philips auf Energieeffizienz und Ökologie getrimmt, ohne deswegen in Idealismus zu verfallen: «Nachhaltigkeit ist keine Wohltätigkeit, sondern bedeutet Business-Chancen.»

Die Basis für ihre Manager-Karriere in globalen Konzernen hat Kux übrigens mit 16 Jahren als Austauschschülerin in den USA gelegt: «Die zwölf Monate gehören zu den wichtigsten meines Lebens», sagte sie einmal an einem Benefizanlass. Das Jahr in einer fremden Kultur habe in ihr einen weltoffenen Geist geweckt, zudem Entrepreneurship, Verständnis für andere und den Willen, über sich selbst hinauszuwachsen. Qualitäten, für die das WEF in Davos sie 1995 zu einem «Global Leader of tomorrow» ernannte.

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